präferenzen (rubaiyat: abaa)

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Mondnein

Mitglied
[ 4]präferenzen


"wie kann ich" so klagt sie "sein herz noch gewinnen?
er trennt sich - doch nicht von der frau in berlin
die staunt: wohin gehst du? was soll ich beginnen
in deinem provinznest? du bist wohl von sinnen!

so arbeitet er ohne sie hier - wohnt alleine
so sahn wir uns oft ja schon fast wie ein paar
doch er fühlt sich schuldig der hirte der schweine
verlorener sohn will zurückziehn - ich weine ... "

nimm hier nimm mein tuch - ich bedenk deine fragen
mir scheint dieser mann hat dich niemals geliebt
hat niemals geworfen sein gold auf die waagen
um gleich mit dir schwebend gleich hoch dich zu tragen
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die für unsere Kultur ungewohnten Reime abaa geben einen sehr poetischen Klang und verstärken die Wirkung.

Der Vers "so arbeitet er ohne sie hier - wohnt alleine" braucht eine Überarbeitung, denke ich. Er fällt aus Deinem Versmaß heraus, ohne dass ich einen poetischen Grund dafür sehe, eher ein Versehen ...



PS: Die "normale" Reimform beim Rubai ist "aaba".
 

Mondnein

Mitglied
x Xxx Xxx Xxx X(x)

Ja, das stimmt schon: Die "richtigen", regelgemäßen Rubaiyat haben den Waisen als dritten, nicht als zweiten Vers. Aber es gibt auch Varianten mit dem Waisen als dem zweiten Vers der Strophen, wie es auch durchgereimte (aaaa) Rubaiyat geben soll.
Noch untypischer als die Formvariante (abaa) ist, denke ich, der dialogische und auf verschiedenen Sprachebenen reflektierte Inhalt: Er ist nicht so Sentenzen- oder Sprichwort-parallel wie "richtige" Rubaiyat.

Bei der Metrik vermute ich, Du bist durch die vielen einsilbigen Wörter in eine andere Betonung geraten, die sich dann (erst) in der zweiten Strophe nicht mehr "bestätigt" hat. ich lese alle Verse (ohne Ausnahme oder rhythmische Synkope) folgendermaßen (daktylisch, mit Auftakt):

x Xxx Xxx Xxx Xx
x Xxx Xxx Xxx X
so árbeitet er óhne sie híer wohnt alléine
so sáhn wir uns óft ja schon fást wie ein páar
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
x Xxx Xxx Xxx Xx
x Xxx Xxx Xxx X
so árbeitet er óhne sie híer wohnt alléine
so sáhn wir uns óft ja schon fást wie ein páar

Genau. Deshalb funktioniert es nicht.

er árbeitet óhne sie híer wohnt alléine
oder
so árbeitet ér ohne sie wohnt alléine
etc.
 

Mondnein

Mitglied
Du hast recht!

Ich schlag mich vor die Stirn - wie konnte ich das übersehen? Du hast völlig recht.

Ich komme genau auf die beiden Lösungen, die Du vorschlägst. die erste ist glatter, die zweite behält aber die liedhaftere Anapher.
Ziemlich gleichgewichtig.
Ich denke, ich opfere die Anapher, denn die (mögliche, aber falsche) Lesung "sie wohnt alleine" möchte ich vermeiden.

Herzlichen Dank für den Hinweis! Kommte meiner Perfektionssucht entgegen.
 

Mondnein

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[ 4]präferenzen


"wie kann ich" so klagt sie "sein herz noch gewinnen?
er trennt sich - doch nicht von der frau in berlin
die staunt: wohin gehst du? was soll ich beginnen
in deinem provinznest? du bist wohl von sinnen!

er arbeitet ohne sie hier - wohnt alleine
so sahn wir uns oft ja schon fast wie ein paar
doch er fühlt sich schuldig der hirte der schweine
verlorener sohn will zurückziehn - ich weine ... "

nimm hier nimm mein tuch - ich bedenk deine fragen
mir scheint dieser mann hat dich niemals geliebt
hat niemals geworfen sein gold auf die waagen
um gleich mit dir schwebend gleich hoch dich zu tragen
 

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