PROPHET

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Manfred Ach

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Von den Schriften hatte er keine Ahnung,
er las viel in anderen Menschen.

Seine Berufung fand im Hinterhof statt,
wo er die Schreie der geschorenen Kanakerbraut hörte,
der sie die Kopfhaut mit Zigaretten verbrannten,
und wo er die Tränen der Tochter sah,
die das Blut auflecken musste,
das ihrem Vater aus der Hose rann.

Er wusste: Diese Wahrheit
kann nicht nur für mich sein.

Getauft in der Todesangstkirche,
vergoss er den weißen Samen des Worts
unter die blutrote Tollwut,
und die Trias des Todes
kämpfte ihn nieder,
Begierde, Zorn und Trauer.

Kopfunter geboren, kopfunter gekreuzigt,
so ging er verloren, ein Sprachrohr im Wind.
 

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