Rache eines getöteten Grashüpfers

GerRey

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Am vergangenen Montag, meinem einzigen freien Tag in dieser Woche, passierte etwas Seltsames. Müsste ich derartiges erfinden, würde ich kläglich scheitern. Ich hatte am Vormittag, nachdem ich morgens von der Arbeit nach Hause gekommen war, etwas geschlafen, und setzte mich dann an den Schreibtisch, um mir die Zeit mit Lektüren zu vertreiben, bis ich zwischen 15 und 18 Uhr eine vor Tagen bestellte Lebensmittel-Lieferung erhalten sollte.
Als es dann endlich soweit war - durch das offene Fenster hörte ich, wie das Lieferauto draußen vor dem Haus mechanisch ächzend hielt -, steckte ich mir eine 2-Euromünze ein, die der Fahrer als Trinkgeld bekommen sollte (diese Münzen werden für diesen Zweck in einer handtellergroßen Kunststoffbox gesammelt, die griffbereit auf der Küchenanrichte steht). Dann schlüpfte ich an der Tür in die Garten-Pantoffel, und ging anschließend nach draußen, die vier Stufen vor dem Hauseingang hinab. Schon im Türrahmen bemerkte ich etwas von der obersten Stufe in Schienbein-Höhe auf mich zu schießen und zwischen meinen Beinen im Inneren des Vorzimmers verschwinden. Es hatte ungefähr die Größe der 2-Euromünze, die ich zuvor eingesteckt hatte. Aber nun war keine Zeit, um nachzusehen, was das gewesen sein könnte - ich musste mich um die Warenlieferung kümmern, damit der Mann schließlich sein Trinkgeld bekam.
Der Deal lief relativ rasch und problemlos ab, da ja die Ware bereits im Voraus bezahlt war und nur ausgeladen werden musste. Der Fahrer sortierte die vollen Papiertragetaschen nach seinem Gutdünken auf den Stufen vor die Haustür, bekam sein Trinkgeld und verabschiedete sich freundlich und zufrieden lächelnd. Ich schnappte mir dann die Taschen und trug sie hinein, um sie auf dem leeren Küchentisch, in unmittelbarer Nähe des Kühlschranks, wo das Meiste des Einkaufs hineinkommen sollte, zu deponieren und dann von dort aus die Lebensmittel an ihre jeweiligen Bestimmungsorte zur Aufbewahrung zu verteilen.
Mit einem raschen Seitenblick entdeckte ich plötzlich am Fuss des Spülschranks, der unterhalb der Schranktüren hineinversetzt ist, eine Bewegung, die auf ein Insekt hindeutete, und erinnerte mich gleichzeitig an das Geschoss, das mir zwischen die Beine gegangen war. Bei genauerer Betrachtung bemerkte ich, dass es eine Art Grashüpfer sein musste.
Ein Grashüpfer in meiner Küche - das ging gar nicht! Im ersten Impuls versuchte ich ihn zu zertreten, aber ich erwischte ihn nicht, da er sich entlang der Kante, die der Spülschrank-Fuß mit dem Boden bildete, geschickt bewegte, und mein Schlappen zu unförmig waren, um das Insekt zu treffen. Mit dem Eifer dieses Bestrebens erwachte dann auch mein Jagdinstinkt, ohne wirklich zu wissen, was ich hier jagte. Ich griff nach der Dose Insektenspray, die ich in dem Schrank unter der Spüle aufbewahre.
Mit ein, zwei Sprühungen trieb ich den Grashüpfer aus dem Schutz der Kante und trat dann erbarmungslos zu. Aber er war nicht gleich tot, weshalb ich meinen Fuß mit dem Schlappen noch einmal darauf setzte, diesmal sogar noch etwas fester als davor. Ausgestreckt lag das Vieh in den letzten Zuckungen. Also ging ich und holte einen Handfeger samt Kehrblech, um die Reste des Insekts zu beseitigen. Jedoch als ich mit den Kehrgeräten zurückkehrte, wagte ich meinen Augen kaum zu trauen. Dem Grashüpfer hatte mein Gewaltakt ein Bein ausgerissen; der Körper zuckte noch leicht in der Entweichung des Lebens, als plötzlich aus ihm zwei zwirn-dünne Fäden hervor schlängelten, die etwa 5 cm lang waren und sich in gegensätzliche Richtungen von dem sterbenden Grashüpfer weg bewegten, einer Art Flucht nicht unähnlich.
Der Anblick versetzte mich in einen Zustand anbrechender Panik. Was war das!?
Aber ich hatte keine Zeit, lange zu überlegen. Ich musste schnell handeln. Denn diese lebenden Fäden wollte ich schon gar nicht in meiner Küche haben. Also versuchte ich alles aufzukehren, bevor sich die fliehenden Teile verbergen konnten. Jedoch war das nicht so einfach, da sich die schlängelnden Fäden in den Besenborsten verfingen und nur schwer daraus zu lösen waren. Dennoch schaffte ich es damit bis zum Mülleimer, wohin ich die Überreste der Gewalttat kurzerhand entsorgte.
Aber so ganz will mir das Ereignis noch nicht aus dem Kopf. Könnten die Fäden nicht auch aus dem verschlossenen Mülleimer entweichen?
 
Am vergangenen Montag, meinem einzigen freien Tag in dieser Woche
Hallo GerRey,

hier fiel mir direkt ein Widerspruch auf:

Ich hatte am Vormittag, nachdem ich morgens von der Arbeit nach Hause gekommen war
Außerdem: Vormittag, morgens, doppelt gemoppelt. Bzw. : Ist hier nicht eher Nachmittag gemeint? Eigentlich kann man auf solche Zeitangaben ganz verzichten. Also besser: Ich hatte nach der Arbeit zu Hause ein wenig geschlafen.

Schöne Grüße
SilberneDelfine
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Mein Lieblingssatz:

Schon im Türrahmen bemerkte ich etwas von der obersten Stufe in Schienbein-Höhe auf mich zu schießen und zwischen meinen Beinen im Inneren des Vorzimmers verschwinden

:) Innere des Vorzimmers ... auch noch nicht gewusst.

Die von Silberne Delfine bemängelten Zeitangaben sind in der Tat verwirrend. Hier kannst Du noch nachbessern!

Gruß DS
 

GerRey

Mitglied
@ SilberneDelfine
@ DocSchneider

Danke für die Beschäftigung mit dem Text!

Habe ein wenig verändert.

Meine Arbeitswoche beginnt jede Woche Donnerstagabend und geht bis Montagmorgen, und manchmal kommt es vor, dass ich auch Überstunden machen muss. Dann kann es sein, dass der Montag mein einziger freier Tag ist ... Was gäbe es daran auszusetzen?

Freundlichst

GerRey
 
Dann kann es sein, dass der Montag mein einziger freier Tag ist ... Was gäbe es daran auszusetzen?
Daran nichts. Aber du hast geschrieben, dass du an deinem freien Tag von der Arbeit nach Hause kommst...
Am vergangenen Montag, meinem einzigen freien Tag in dieser Woche, passierte etwas Seltsames

ich derartiges erfinden, würde ich kläglich scheitern. Ich hatte am Vormittag, nachdem ich morgens von der Arbeit nach Hause gekommen war, etwas geschlafen
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Leser kann nach diesen Sätzen unmöglich wissen, dass der Ich-Erzähler Nachtschicht arbeitet. Darauf hättest du hinweisen müssen ("Montagmorgen, als ich von der Nachtschicht nach Hause kam, hatte ich ein wenig geschlafen" z. B.)

Auch wenn man eine Geschichte erzählen will, die man selbst erlebt hat, muss man übrigens nicht akribisch an der Wahrheit kleben. Es muss also nicht unbedingt dein richtiger freier Tag in der Woche sein, auf den die Geschichte aufbaut.
 

GerRey

Mitglied
Ich darf wohl noch selbst die Art und die Prinzipien meines Schreibens gestalten!? Ich sage ja nicht, dass jeder damit einverstanden sein muss. Und auch nicht dass es jedem gefallen muss. Wollte ich mich in diese Richtung verbiegen, würde ich nicht hier veröffentlichen!
 
Die Leselupe ist ein Forum für Textarbeit. Es hat nichts mit Verbiegen zu tun, wenn man Hinweise bekommt, wie man einen Text verständlicher oder besser machen kann.
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Dichtung und Wahrheit vermischen sich in Texten meistens, und es ist ein Irrglaube, dass es ein Text gut ist, weil er exakt Geschehenes wiedergibt!

Kein Autor muss erklären, ob es etwas wahr ist oder nicht.

Logisch muss es aber bleiben.

Am vergangenen Montag, meinem einzigen freien Tag in dieser Woche, passierte etwas Seltsames. Müsste ich derartiges erfinden, würde ich kläglich scheitern. Ich hatte am Vormittag, nachdem ich morgens von der Arbeit nach Hause gekommen war, etwas geschlafen,

Der Satz ist weiter unverständlich.

Der Montag ist der einzig freie Tag in der Woche. Allerdings kam der Prot trotzdem morgens nach der Arbeit nach Hause.

Wieso hat er an dem Tag gearbeitet?

Das verstehe ich jetzt leider auch nicht.

Ich würde den Teil

Ich hatte am Vormittag, nachdem ich morgens von der Arbeit nach Hause gekommen war, etwas geschlafen
einfach weglassen.

Gruß DS
 


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