rad tour d eiffel

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Mondnein

Mitglied
rad tour d eiffel


sind deine zauberhaften sauber
blaubeer marmeladen​
so sauer wie die allgäu hagel
körner kirschen süsz​

die von dem kalten sommer als wir
fiebertrunken ritten​
die wanzen betten drachen zecken
satt und rund und fett​

dort in der bäckerei die hatten
pralli nesen früchte​
doch ich war triefend nass ich schlürfte
tee der wärmt mich auf​

und ich erinner mich an diesen
traum ich sasz im kino​
und fiel in eine fremde stadt
verirrte mich – wo – bin – –​
 

L'étranger

Mitglied
Hallo Hansz,

Ich bin mir sicher, die vierte Strophe bedeutet dir etwas, wenn du sie so prominent stellst.

Rhythmisch und klanglich fällt sie für mich gegen die vorigen Strophen ab.

Gruß Lé.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Hansz,

so unterschiedlich können Leseeindrücke sein.
Für mich ist es gerade diese vierte Strophe, die diese doch anscheinend etwas misslungene Radtour albtraumhaft auf den Punkt bringt.

Liebe Grüße
Manfred
 

Mondnein

Mitglied
Gut bemerkt, Lé,

wie die vierte Strophe sich von den ersten dreien abhebt.
Rhythmisch ist sie aber genauso banal trochäisch wie die drei davor. Das ba-Bang der jeweils sieben Trochäen, in Strophen gepaart, ist ohne Ausnahmen, streng.

Die erste hebt sich, so lese ich es, wohl genauso dimension-wechselnd von den mitteren beiden, den Narrativen von der eigentlichen Radtour, ab wie die vierte von eben diesen beiden. Der Einstieg meditiert nur über Geschmacksqualitäten. Über deren Pendelsymmetrie, baut ein Bild auf, das Lyri fällt wie der Hagel im Allgäu in die Jahreszeit hinein, in die Szene, musikalischer Bildhintergrund für die konkrete Szene, die dann in der vierten Strophe wieder verlassen wird.

grusz, hansz
 

Mondnein

Mitglied
Ja so, lieber Manfred,

lese ich es auch. Ich verstehe das Lyri der vier Strophen auch als einen Jungen von 16 Jahren, der alleine eine Radtour von Köln aus bis an den Alpenrand durchgetreten hat.

Aber mißglückt - was wäre das? Erfahrungen haben einen Eindruckswert, der von Zielsetzungen frei ist, da wären die Entbehrungen, Fieber und Hagelschläge kirschsüß. Was für Drachenzecken hat der Pubertär da geritten? Irgendwelche Endorphine und Visionen haben den wohl befallen, wie einen trunkenen Dichter, - oder den trunkenen Dichter, der sich diesen fünfzig Jahre jüngeren Vagabund aus den Rippen leiert.

grusz, hansz
 

Tula

Mitglied
Hallo Hansz

Den trunkenen Dichter mit einem pubertärenden Jungen zu vergleichen, finde ich ... ehm ... absolut treffend! Wie könnte man kreativ schreiben, wenn sich die Hormone alle am "richtigen" Platz befänden?

LG
Tula
 

Mondnein

Mitglied
Dankeschön, Mimi!

Inzwischen, nach den Vergessen und Wiedererinnern des Liedes, finde ich eine wilde Interpretation der Fahradtour, die sich dem Pubertier gemeldet haben mag - wie sich bei Freud die an die Schwelle des Unterbewußtseins herantreibenden, an der Imaginationstür "anklopfenden", Sisyphos-Besuche in Träumen und Gedichten zu melden pflegen: drastische Sexualitäts-Metaphern.

grusz, hansz
 

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