Rastlose

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cecil

Mitglied
Rastlose

Wie reisten in cognito zu unbekannten Zielen
unsere Pässe waren so falsch wie unser Lächeln
wenn Zollbeamte unsere gebrauchte Wäsche
durchwühlten auf der Suche nach Elfenbein oder
kubanischen Zigarren oder chinesischen Potenzmitteln aus
Affenhirn und Tigerpenis

Unsere Leiber wurden visitiert bis in den Anus unsere
Mägen geröntgt an unseren Gebissen gerüttelt nur
unsere Köpfe blieben undurchsucht in jeder Windung
wären sie fündig geworden nicht Koks in Präservativen
nicht Schnipsel der Blauen Mauritius oder rohe Steine aus
den Minen Südafrikas oder Seltene Erden viel größere Schätze
blieben da unentdeckt viel größere Geheimnisse geheim
in unseren schiefgelegten Köpfen nackt vor der Macht
der Gesetze und ihrer grapschenden Vertreter

Wir standen an Vulkankratern und pissten Bäche
ins Lavagestein durch feuchte Dschungel hetzten wir verfolgt
von indigenen Völkern in deren Bäume wir harzige Gedichte
geritzt hatten wir rangen mit Fabelwesen der Neuzeit mit
Plastikmonstern und Autorobotern mit Alltagshelden und
Sonntagsrednern wir durchmaßen Wüsten und Meere immer
auf der Suche nach dem einen Kick um dann davonzukommen
über die nächstgelegene Grenze

Wir gerieten in hoffnungslose Gefangenschaften wurden
verhört bis aufs Blut als ausgemergelte Sklaven machten
wir uns die Hände schmutzig mussten in fiebrigen Sümpfen
Zeugen werden beim Häuten lebendiger Katzen mussten auf allen Ozeanen
Haie ohne Finne zurück ins Wasser werfen Bienenvölker vergasen
Wälder niederbrennen Berggipfel sprengen für
neue Skigebiete mit Helikopteranflug im Sonnenschein

Wir sind Davongekommene doch nichts verbindet uns
mehr mit denen die wir einst waren unsere Eltern sind tot
unsere Geschwister verleugnen uns als Staatsbürger
haben wir versagt Identitäten hatten wir so viele dass
wir uns selbst nicht mehr kennen wir ziehen
weiter durch Länder und Zeiten anonyme Schmuggler unserer
selbst nicht registriert nicht krankenversichert
nicht aufzuhalten
 

Tula

Mitglied
Hallo Cecil
Als ernsthafter Text ist mir das etwas zu überladen, erinnert mich fast an Indianer Jones ;)
Die ernsthafte Frage ist die, ob es außer den Abenteuern der Aussteiger-Saga noch mehr gab, das Lyrich und seine Gesellen als Menschen im positiven Sinne geformt hat. Denn die Entfremdung als solche ist glaubwürdig und realistisch.

Bleibt mir nun die andere, ebenfalls ernsthafte Frage, wie ernst der Text gemeint bzw. gewollt ist. In dieser Hinsicht will mir die Pointe des weiter-Schmuggelns nicht so recht gefallen. Da hätten die leiblichen Geschwister mit ihren Vorwürfen ja nicht unrecht. Ich halte das Aussteigen in jungen Jahren für nachvollziehbar und verständlich, stelle mir vor, dass dies nicht nur abenteuerlich ist, sondern auch den Horizont erweitert. Als Maxime für ein ganzen Leben aber eher egoistisch. Eine Form des nur-für-sich-Existierens.

LG
Tula
 

revilo

Mitglied
ich weiß ja mittlerweile, dass es offensichtlich unter Deiner Würde ist, mir zu antworten.....deswegen mein letzter Kommentar zu deinen Werken......ich habe selten (eigentlich ist es erst das zweite Mal) eines Autoren/einer Autorin gelesen, der/die so fulminant gestartet ist wie Du und jetzt einen so qualitativen Absturz hinlegt...........das ist schlicht und ergreifend ein langweiliger und völlig überfrachteter in 80 Tagen um die Welt- Text........besinne Dich auf deine reichlich vorhandenen Stärken und lass sie Finger von Gesinnungsgedichten, Moralapostel-Stories und auf Teufel komm raus Botschaft-Vehikeln......das funktioniert nicht.......

so, du kannst dich genau JETZT freuen........ich tauche jetzt nämlich mal ein Weilchen aus der LL ab......
 

cecil

Mitglied
Hallo, Tula,

die Rastlosen sind keine Aussteiger, sie sind mitten drin. Und da sie hier ihren Lebensstil aus ihrer subjektiven Sicht beschreiben, übertreiben sie auch maßlos. Wir würden sie vielleicht als Getriebene oder als Hasardeure bezeichnen. Sie überschreiten Grenzen, aber die müssen nicht geographischer Art sein. Im Grunde suchen sie "den Kick", sind verantwortungslos und die opulente Folge von "Abenteuern" dokumentiert im Grunde nur, dass sie ohne soziale Bindung sind. Das kann der Workoholic sein, der rücksichtslos Familie und Freundschaften seiner Arbeitssucht opfert oder der Nerd, der Tag und Nacht mit Red Bull und Gummibärchen vorm PC klemmt oder der mit Steroiden vollgepumpte Eisenstemmer.
Sicher hätte ich, um ein solches Thema zu verarbeiten, auch einen kleinen zynischen Text über einen gierigen Yuppie-Banker oder einen machtbesessenen Politiker schreiben können. Das hat mich aber nicht gereizt. Ich wollte Spaß haben beim Schreiben und habe meiner Lust zu fabulieren freien Lauf gelassen. Das mag auf Leser etwas sperrig wirken, konmmt aber meiner Vorstellung von Themenverarbeitung entgegen.
Übrigens, das Sich-Weiter-Schmuggeln war eigentlich nicht als Pointe gedacht, denn sie beschreiben ja von Anfang an nichts anderes.

LG, Cecil
 

Tula

Mitglied
Hallo Cecil
Danke für deine Antwort und Erklärung zum Gedicht. Ich überlege, warum ich den Bogen vom Abenteurer zum Workoholic in der Tat nicht verstanden hatte. Der letztere Typ ist mir persönlich natürlich weitaus besser bekannt als der erste. Vielleicht liegt es daran, dass ich da einen verschiedenen Menschenschlag sehe, wiederum im Gegensatz zum in der Tat abenteuerlichen Unternehmer, bereit fürs Risiko, aber auch stets bereit für obskure bis hin zu eindeutig illegalen Geschäften. Der gewissenlose Typ, der Diamanten schmuggelt, das Geld anderer wäscht usw. Von diesen, denke ich, gibt es viel mehr im Umlauf, als sich der unschuldige Steuerzahler vorstellt. Wenn ich das Gedicht aus der Perspektive des letzteren lese, komme ich weitestgehend mit. Ich würde das aber vielleicht etwas sichtbarer machen und das gedankenlose Herum-Abenteuern dämpfen.

LG
Tula
 

cecil

Mitglied
Hallo, Oliver,

ich ignoriere Dich nicht böswillig, sondern kann mit Deinen Kommentaren grundsätzlich einfach wenig anfangen, seien es welche zu meinen Texten oder zu denen anderer. Deine meisten Stellungnahmen sind schlicht empathielos und despektierlich. Was soll ein Autor, sei er nun begabt oder nicht, anfangen mit Kritiken wie „Schnüff“, „Soifz“, „Nix wie wech hier“ oder „das tut ja weh“; das sind einfach infantile Sprechblasen, keine konstruktiven Beiträge. Natürlich bist Du (nach Deiner eigenen Charakterisierung) „einfach strukturiert“ und kommentierst „aus dem Bauch heraus“, aber das rechtfertigt Dein Verhalten keineswegs. Dabei erwartest Du offenbar Antworten, willst also in einen Dialog treten, verhinderst das aber selbst durch die Art und Weise, wie Du Dich verhältst; zumindest empfinde ich das so.

Ich schreibe weder Gesinnungsgedichte noch Moralapostel-Stories (was auch immer das sein mag), aber natürlich macht es eine solche Fehlinterpretation im Anschluss einfacher, einen Text, zu dem man keinen Zugang findet, mit einigen willkürlich gesetzten Schlagwörtern pauschal zu verreissen.

„Fuliminanter Start“? „Qualitativer Absturz“? Ich bin hier weder zu einem Wettrennen noch zu einer Bergtour angetreten. Unter den Texten, die ich einstelle, sind alte und neue, bereits anderweitig veröffentlichte wie auch Schubladenhüter, die keiner zeitlichen Chronologie folgen. Ich probiere aus, freue mich über sachliches Feedback, interessiere mich für das, was andere schreiben, und darin sehe ich den Zweck eines Literaturforums.

Im Übrigen freue ich mich nicht über Dein angekündigtes Abtauchen, so wenig wie ich über Deine Präsenz hier traurig bin. Beides berührt mich nicht emotional; da überschätzt Du wohl die Wirkung Deiner Statements.

Lass es Dir gutgehen während Deiner Leselupe-Abstinenz und bleib gesund! LG, Cecil
 
War das nicht Nashornmehl und nicht Tigerschwanz, Cecil?

Was soll ein Autor, sei er nun begabt oder nicht, anfangen mit Kritiken wie „Schnüff“, „Soifz“, „Nix wie wech hier“ oder „das tut ja weh“; das sind einfach infantile Sprechblasen, keine konstruktiven Beiträge.
Warum fallen mir solche geilen Returns nicht ein? Beislgrüße
 

cecil

Mitglied
Hallo, hans beislschmidt,

nee, da haste was verwechselt. Nashornmehl ist gegen Spreizfüße und entzündete Dumpfbacken. ;)

LG, Cecil
 
G

Gelöschtes Mitglied 23736

Gast
krass, wo ihr überall ward und gelebt habt.

meine spur dagegen klein, da seit jahrzehnten gearbeitet nachts und am tag geschlafen.
 

Mondnein

Mitglied
Ich schreibe weder Gesinnungsgedichte noch Moralapostel-Stories (was auch immer das sein mag), aber natürlich macht es eine solche Fehlinterpretation im Anschluss einfacher, einen Text, zu dem man keinen Zugang findet, mit einigen willkürlich gesetzten Schlagwörtern pauschal zu verreissen.
Wenn letzten Endes die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperzeption (das Leserinnenbewußtsein) das Gedicht "macht", gibt es keine "Fehlinterpretationen".
 

cecil

Mitglied
Fehlinterpretationen können auch Kalkül sein. Apperzeption? Au weia, wenn Dich dabei einer wie Revilo erwischt, schrubbt er Dir den Mund mit Lauge aus, ganz unsynthetisch.
 

cecil

Mitglied
Hallo, Mondnein,

Humorlosigkeit würde ich Revilo nie unterstellen. Meine Anmerkung zur Apperzeption zielte eher auf seine Abneigung gegen demonstrativ zur Schau gestellte Intellektualität ab, ausgedrückt in Statements wie "Kennt keine Sau ... müsste ich googeln". ;)
 



 
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