regressiv?

War es der Gedanke an etwas Neues und die Angst Altbewährtes, was man ja kannte und was man auch nach der Reproduktion erwarten wollte, gegen etwas noch Unbegreifliches und womöglich den Menschen wenig Bekanntes einzutauschen? Die Gedanken waren verworren, soviel stand fest... Es stand ebenfalls fest, dass es unmöglich war in dieser Situation die Ausweglosigkeit zu erkennen. Denn was sollte er tun? Sich gegen eine soviel mächtigere Kraft durchzusetzen, wäre selbst „Über- Wasser- Gehern“ oder „Aus- Wein- Brot- Machern“ ein unmögliches Unterfangen gewesen. Aber solch objektive Fragen waren jetzt nicht angebracht. Trauern ist wichtig, Trauern sollte deswegen auch nicht zu kurz ausfallen... und dass ein wenig Jammern dazugehört ist ja wohl auch klar.

Also, zuerst einmal die Gefühle: Er fühlt sich unsicher. Das Risiko etwas Neues zu probieren musste man doch nun wirklich nicht gerade mit ihm machen! Wer weiß schon wie weit die Forschung ist... er könnte ja sozusagen ein lebendiges Versuchskaninchen sein. Und ob der Fortschritt nach diesem Feldversuch so drastisch sein würde? Außerdem musste man ja nicht gerade ihn nehmen. Was hatte er davon, wenn man dann feststellte, dass die Verarbeitung zu schnell gegangen war und er für immer eingeschränkt sein würde. Selbst wenn es gut liefe könnte er sich nicht vorstellen wie das neue Leben aussehen würde... besser als jetzt? Gut, das jetzige war nicht sehr atemberaubend und das dauernde Chaos am Ende... Er war sich sicher, dass er eins nicht wollte: sein junges und langweiliges aber gewohntes Leben aufgeben und dafür eine Zukunft mit Unsicherheit und Veränderungen zu bekommen.

Aber, der Verstand: Man hatte ihm versichert, dass jede folgende Produktion schmerzfreier und besser, also langlebiger sein würde. Er könnte nicht nur seine Zukunft angenehmer gestalten, sondern auch die seiner Millionen Nachfahren. Das Risiko, selbstverständlich zig tausend mal per Simulation getestet, sei gleich null. Worauf er denn noch warten würde ?!?
Eines aber in diesem Gedankenwirrwarr schien ganz eindeutig: Es sollte eine wichtige Entscheidung werden, die nicht nur ihn betraf. Es war eine schwierige Entscheidung, die er gar nicht entscheiden konnte. Sollte der Schnürsenkel mit einer neuartigen Kunststoffbeschichtung produziert werden???



Kastanienbaum bittet um Kritik!
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. eine umwerfende geschichte haste da geschrieben. ja, das ist nicht einfach so als schnürsenkel. das ende ist voraussehbar - zerfranst und zerfledert, womöglich gar zerrissen! wieviele senkel endeten so in meinen händen . . . die beschichteten sind rundherum angenehmer. das hast du treffend ungesagt auf den punkt gebracht. ganz lieb grüßt
 

 
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