Indien-, Nepal-Impressionen
Höhlenmalereien
Nun sind wir also hier; auf, in und unter den Felsüberhängen von Bhimbetka, das an die ewige Quelle des Bana Ganga grenzt. Abseits von Strassen, durch ausgetrocknete Flussbette führte unsere Reise im blauen umgebauten Eiswagen mit vier Schlafplätzen. Sir Indra, der mehrsprachige Sikh, ruhte während der Nacht jeweils vorne auf dem Chauffeursitz, und die Essbank im Küchenbereich diente bis kurz vor dem Sonnenaufgang als weitere Schlafstätte. Doch nun, nach wenigen Metern Fussweg, über und vor uns Höhlenmalereien, deren Beginn in das Spätpaläolithikum zu datieren ist. Bilder schildern Ereignisse, Geschichten, die vor 20'000 Jahren bis 2500 Jahre vor der Gegenwart ihren Verlauf nahmen.
Menschen haben hier gelebt, gefühlt, gelitten, gehandelt. Jagd, Mysterien – Schlafen, Essen, Lieben –
Sie waren der Natur verbunden. Lebten durch sie. Sie, die Natur strömte, liess die Menschen kämpfen, lieben, malen, sein.
Welche Stille, welche Ruhe in diesen Felsüberhängen, in dieser Gegend – wie weit das Land – keine Häuser, keine Menschen – Sein, Leben, Frieden-.
Nepal
Aus administrativen Gründen, die Aufenthaltsbewilligung unseres Reisebusses war abgelaufen, mussten wir Indien unverzüglich verlassen, wenn wir nicht in ungemütlichen Verliessen das Indien hinter Schloss und Riegel erleben und kennen lernen wollten. Die Weiterreise führte uns ins angrenzende Nepal.
Welch glückliche Fügung. Trotz aller Schwierigkeiten.Streitereien mit Beamten und geschlossenen Grenzpfählen. Gesund und frei trafen wir ännet der Grenze in Nepal ein:
Nepal, welch starkes, klares Land. Wieviel Kraft strömt mir von Dir entgegen. Grün die Wälder, grün die Felder. Gelb, rot und feurig auch die Erde. Rein der Himmel voll Sternenglanz. Menschen bescheiden in Bauerntracht tragen Holz, Gras und Kinder. Runde, kräftige, derbe Gesichter, kleine Statur.
Die, wie aus dem Lehmboden gewachsenen Bauernhäuser sind mit Stroh bedeckt. Wohl gibt es auch Steinhäuser, doch diese Lehmhütten auf dem Lande, haben es mir besonders angetan. Oft sind sie mit der Feuerfarbe des roten Sandes bemalt, während der obere Teil ockergelb leuchtet.
Rauschende, klare Bäche, freies naturverbundenes Leben, reine Luft zum Atmen -
Arabisches Meer
Strand – Strandgut
Sand, Muscheln, Wasser, Sonne, Menschen, ich –
Nachdem wir die Reisebusformalitäten in Nepal erledigt hatten, nützten wir die Gelegenheit für einen Ausflug ins Gebirge. Eine wahre Zitterpartie für mich. Welch steilansteigende Strasse, sofern der Begriff Strasse überhaupt dafür zu verwenden ist. Doch wieder einmal hat es unser Busbauer und Schweizerchauffeur geschafft. Lediglich einmal mussten wir aus Sicherheitsgründen aussteigen, um zu lotsen. Doch wir wollten den Sonnenaufgang mit Blick auf das Himalayamassiv erleben, und laut erhaltener Information im Tal, sei die Strasse gut befahrbar. War sie ja auch, denn wir sind heil vor dem Eindunkeln in der Höhe angekommen. Ein kalter Wind bläst stark und für einen Spaziergang ist es zu spät. Frühmorgens sitzen wir in luftiger Höhe am Frühstückstisch. Der heisse Tee und Kaffee ist das Einzige, was warm ist und wärmt. Eingemummelt in Jacken und Decken stellen wir etwas enttäuscht fest, dass der Himalaya lediglich hinter Wolkennebelschwaden zu ahnen ist. Auch ein längerer Aufenthalt wird in absehbarer Zeit nichts ändern, und so machen wir uns auf den Heimweg. Zurück nach Indien, durch Indien Richtung Bombay-Goa. Ein paar Kilometer weiter südlich wissen wir, Dank einem Einheimischen, von einem der schönsten Strände am arabischen Meer. Dort werde ich mit einem jungen Begleiter warten, bis der umgebaute Eiswagen auf einen Arzt ausserhalb von Bombay umgeschrieben ist, damit dieser ein Zuhause für Strassenkinder oder eine fahrende Praxis hat.
Der empfohlene Rastplatz unweit eines kleinen Fischerdorfes, bestehend aus einer Handvoll Hütten und einem Ziehbrunnen. War für mich ein kleines Paradies. Tagsüber lieh sich ein Fischer meine Schaumstoffmatratze aus und brachte mir Fische, und seine Frau verpflegte uns mit dem indischem Brot,»Tschapati». Abends lag meine Matratze fein säuberlich wieder an meinem Platz in der Strandnähe unter der Palme.
So sind wir nun also unter Palmen mit einem Lagerfeuer hier zu Hause, wie ans Land gespült. Die Arbeit, das Fotografieren der Höhlenmalereien ist getan. Tagsüber wärmt und brennt die Sonne. Wir flüchten in den Schatten. Am Strand bleichen die Muscheln, der Seestern trocknet. Der Wind treibt Sand vor sich her. Er spielt mit unseren Haaren. Grosse Wellen tragen Muscheln, Schneckenhäuser ins Meer zurück. Auch wir tauchen in das warme, dennoch kühlende Wasser.
Salz schmecke ich auf den Lippen. Salzig auch mein von der Sonne getrockneter Körper.
Ein Fischer ist gestorben. Die Menschen des Dorfes sammeln am Strand Holz. Am Ufer des Meeres wird der verlassene Körper verbrannt. Strandgut auch er. Das Leben hat ihn an den Strand des Todeslandes gespült. Seine Hülle verbrennt, die Asche gehört dem Meer. Eine verlassene Feuerstelle, ein verlassenes Haus. Muscheln liegen im Sand, verlassen auch sie. Sie sind gefärbt, geprägt. Formen, Linien, Farbflächen. Gross, klein, gezähnt, gerundet. Längs, oval, verformt. Der Sand, die Sonne formen mit, bis durch das Leben, das Leben erlischt. Die Form zerfällt, die Materie durch die Sonne verbrennt. Der Wind die kleinsten Teile zerstreut. Kein Gestern, kein Morgen – Sein.
Jeder Tag eine Welle. Sie setzt mich an den Strand, holt mich wieder - ich tauche unter und werde von der Sonne getrocknet. Wasser, Wind, Sonne – Leben, Schicksal, Menschen – prägen, formen. Eines Tages werde auch ich an den Strand des Todes gespült. Mein verlassener Körper wird verbrannt, die Asche in die Erde gesenkt werden. Das Wasser, der Wind, die Sonne tun weiter ihr Werk. Alles bleibt wie es ist. Jede Welle ein Tag, das Meer die Ewigkeit, die Sonne das Leben. Der Wind die Bewegung - der Klang, die Farbe, die Form - das Sein - ich ein Teil von allem.
Ende März 1983
Höhlenmalereien
Nun sind wir also hier; auf, in und unter den Felsüberhängen von Bhimbetka, das an die ewige Quelle des Bana Ganga grenzt. Abseits von Strassen, durch ausgetrocknete Flussbette führte unsere Reise im blauen umgebauten Eiswagen mit vier Schlafplätzen. Sir Indra, der mehrsprachige Sikh, ruhte während der Nacht jeweils vorne auf dem Chauffeursitz, und die Essbank im Küchenbereich diente bis kurz vor dem Sonnenaufgang als weitere Schlafstätte. Doch nun, nach wenigen Metern Fussweg, über und vor uns Höhlenmalereien, deren Beginn in das Spätpaläolithikum zu datieren ist. Bilder schildern Ereignisse, Geschichten, die vor 20'000 Jahren bis 2500 Jahre vor der Gegenwart ihren Verlauf nahmen.
Menschen haben hier gelebt, gefühlt, gelitten, gehandelt. Jagd, Mysterien – Schlafen, Essen, Lieben –
Sie waren der Natur verbunden. Lebten durch sie. Sie, die Natur strömte, liess die Menschen kämpfen, lieben, malen, sein.
Welche Stille, welche Ruhe in diesen Felsüberhängen, in dieser Gegend – wie weit das Land – keine Häuser, keine Menschen – Sein, Leben, Frieden-.
Nepal
Aus administrativen Gründen, die Aufenthaltsbewilligung unseres Reisebusses war abgelaufen, mussten wir Indien unverzüglich verlassen, wenn wir nicht in ungemütlichen Verliessen das Indien hinter Schloss und Riegel erleben und kennen lernen wollten. Die Weiterreise führte uns ins angrenzende Nepal.
Welch glückliche Fügung. Trotz aller Schwierigkeiten.Streitereien mit Beamten und geschlossenen Grenzpfählen. Gesund und frei trafen wir ännet der Grenze in Nepal ein:
Nepal, welch starkes, klares Land. Wieviel Kraft strömt mir von Dir entgegen. Grün die Wälder, grün die Felder. Gelb, rot und feurig auch die Erde. Rein der Himmel voll Sternenglanz. Menschen bescheiden in Bauerntracht tragen Holz, Gras und Kinder. Runde, kräftige, derbe Gesichter, kleine Statur.
Die, wie aus dem Lehmboden gewachsenen Bauernhäuser sind mit Stroh bedeckt. Wohl gibt es auch Steinhäuser, doch diese Lehmhütten auf dem Lande, haben es mir besonders angetan. Oft sind sie mit der Feuerfarbe des roten Sandes bemalt, während der obere Teil ockergelb leuchtet.
Rauschende, klare Bäche, freies naturverbundenes Leben, reine Luft zum Atmen -
Arabisches Meer
Strand – Strandgut
Sand, Muscheln, Wasser, Sonne, Menschen, ich –
Nachdem wir die Reisebusformalitäten in Nepal erledigt hatten, nützten wir die Gelegenheit für einen Ausflug ins Gebirge. Eine wahre Zitterpartie für mich. Welch steilansteigende Strasse, sofern der Begriff Strasse überhaupt dafür zu verwenden ist. Doch wieder einmal hat es unser Busbauer und Schweizerchauffeur geschafft. Lediglich einmal mussten wir aus Sicherheitsgründen aussteigen, um zu lotsen. Doch wir wollten den Sonnenaufgang mit Blick auf das Himalayamassiv erleben, und laut erhaltener Information im Tal, sei die Strasse gut befahrbar. War sie ja auch, denn wir sind heil vor dem Eindunkeln in der Höhe angekommen. Ein kalter Wind bläst stark und für einen Spaziergang ist es zu spät. Frühmorgens sitzen wir in luftiger Höhe am Frühstückstisch. Der heisse Tee und Kaffee ist das Einzige, was warm ist und wärmt. Eingemummelt in Jacken und Decken stellen wir etwas enttäuscht fest, dass der Himalaya lediglich hinter Wolkennebelschwaden zu ahnen ist. Auch ein längerer Aufenthalt wird in absehbarer Zeit nichts ändern, und so machen wir uns auf den Heimweg. Zurück nach Indien, durch Indien Richtung Bombay-Goa. Ein paar Kilometer weiter südlich wissen wir, Dank einem Einheimischen, von einem der schönsten Strände am arabischen Meer. Dort werde ich mit einem jungen Begleiter warten, bis der umgebaute Eiswagen auf einen Arzt ausserhalb von Bombay umgeschrieben ist, damit dieser ein Zuhause für Strassenkinder oder eine fahrende Praxis hat.
Der empfohlene Rastplatz unweit eines kleinen Fischerdorfes, bestehend aus einer Handvoll Hütten und einem Ziehbrunnen. War für mich ein kleines Paradies. Tagsüber lieh sich ein Fischer meine Schaumstoffmatratze aus und brachte mir Fische, und seine Frau verpflegte uns mit dem indischem Brot,»Tschapati». Abends lag meine Matratze fein säuberlich wieder an meinem Platz in der Strandnähe unter der Palme.
So sind wir nun also unter Palmen mit einem Lagerfeuer hier zu Hause, wie ans Land gespült. Die Arbeit, das Fotografieren der Höhlenmalereien ist getan. Tagsüber wärmt und brennt die Sonne. Wir flüchten in den Schatten. Am Strand bleichen die Muscheln, der Seestern trocknet. Der Wind treibt Sand vor sich her. Er spielt mit unseren Haaren. Grosse Wellen tragen Muscheln, Schneckenhäuser ins Meer zurück. Auch wir tauchen in das warme, dennoch kühlende Wasser.
Salz schmecke ich auf den Lippen. Salzig auch mein von der Sonne getrockneter Körper.
Ein Fischer ist gestorben. Die Menschen des Dorfes sammeln am Strand Holz. Am Ufer des Meeres wird der verlassene Körper verbrannt. Strandgut auch er. Das Leben hat ihn an den Strand des Todeslandes gespült. Seine Hülle verbrennt, die Asche gehört dem Meer. Eine verlassene Feuerstelle, ein verlassenes Haus. Muscheln liegen im Sand, verlassen auch sie. Sie sind gefärbt, geprägt. Formen, Linien, Farbflächen. Gross, klein, gezähnt, gerundet. Längs, oval, verformt. Der Sand, die Sonne formen mit, bis durch das Leben, das Leben erlischt. Die Form zerfällt, die Materie durch die Sonne verbrennt. Der Wind die kleinsten Teile zerstreut. Kein Gestern, kein Morgen – Sein.
Jeder Tag eine Welle. Sie setzt mich an den Strand, holt mich wieder - ich tauche unter und werde von der Sonne getrocknet. Wasser, Wind, Sonne – Leben, Schicksal, Menschen – prägen, formen. Eines Tages werde auch ich an den Strand des Todes gespült. Mein verlassener Körper wird verbrannt, die Asche in die Erde gesenkt werden. Das Wasser, der Wind, die Sonne tun weiter ihr Werk. Alles bleibt wie es ist. Jede Welle ein Tag, das Meer die Ewigkeit, die Sonne das Leben. Der Wind die Bewegung - der Klang, die Farbe, die Form - das Sein - ich ein Teil von allem.
Ende März 1983
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