Reizwortgeschichte

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sohalt

Mitglied
......Der Wissenschaftler betrachtet mit dem Klonen dieser Kinder seinen Beitrag zur Arterhaltung als geleistet und konzentrierte sich wieder auf seine Forschung. Da seine Frau mittlerweile zu der Erkenntnis gelangt war, dass sie mit ihrer von nun an ja auf ewig konservierten strahlenden Schönheit kaum mehr zu ihrem eher unscheinbaren, wenig fitnessbewussten Gatten passte und da sie als moderne Powerfrau mit eigenem Einkommen auch auf finanzielle Belange keine Rücksicht nehmen musste, hatte sie ihn schon bald für den knackigen Tennislehrer verlassen und somit war niemand da, der sich um die beiden Jungs gekümmert hätte. Daddy steckte sie daher ins katholische Elite-Internat, verschaffte Georgie durch großzügige Spenden für den schuleigenen Hubschrauber-Landeplatz einen Abschluss und anschließend einen gemütliche Posten bei jenem Pharma-Konzern, an dem er beteiligt war, wo Georgie glücklich und zufrieden bis zur Pension verblieb, in der er sich dann endlich voll und ganz seiner großen Passion, dem Briefmarkensammeln widmen konnte bis er schließlich in hohem Alter an einer Leberzirrhose verstarb. Der 2. Sohn entwickelte sich allerdings zu einem etwas problematischeren Charakter. Anders als der mit einem schlichten Gemüt gesegnete Georg, der in seinem Briefmarkensammelverein und in seinem, sich dank des medizinischen Fortschrittes erst sehr spät gesundheitsschädigend auswirkenden Alkoholkonsum einen Ausgleich für die mangelnde emotionale Zuwendung innerhalb der Familie finden hatte können und abgesehen davon Zeit seines Lebens im Grunde ganz glücklich gewesen war, von seinem desinteressierten Vater nicht durch besondere Erwartungen belastet zu werden, geriet der 2. Sohn in eine schwere Identitätskrise. Die verschriebenen Anti-Depressiva schlugen nicht an und er begann düstere Gedichte zu verfassen, in denen permanent Herzen am Erfrieren und Seelen am Ersticken waren. Leider schaffte er es nicht mehr, es darin zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen, weil er kontraproduktiver Weise zuvor aus lauter Frust im zarten Alter von 15 Jahren auf recht originelle Weise Selbstmord begegangen hatte. Er schlich sich unter dem Namen seines Bruders in eine Versammlung radikal-islamistischer Hardcore-Fundis, outete sich in einer Kamikaze-Aktion als genetisches Abbild von deren Erbfeind Georg W. Bush und wurde von ihnen in religiöser Extase zur höheren Ehre Allahs massakriert. Diese doch etwas unglückliche Geschichte warf zwar einen gewissen Schatten auf das Familienidyll, inspirierte aber immerhin den Vater zu einem neuen Forschungprojekt über effizientere Anti-Depressiva.
 

sohalt

Mitglied
Mach ich normal auch nicht, das mit den Schachtelsätzen. (Weil wirklich schwer lesbar, das liegt nicht an dir.)

Aber hier gehörts ein bisschen dazu.
 
H

Henry Lehmann

Gast
Hallo sohalt,

das war ja klar, dass sich bei einem Text, der lange Schachtelsätze als prägendes Stilelement hat, jemand über die langen Schachtelsätze beklagt. Solche Leute bestellen sich wahrscheinlich auch eine Salami-Pizza ohne Salami.



LG Henry

P.S: Ach ja, ich mag Deine Texte. Sie sind sehr abwechslungsreich und machen einfach Spaß!
 

Penelopeia

Mitglied
Hallo sohalt,

gegen die "Schachtels" ist nichts einzuwenden, aber mit ein paar Kommas mehr würden sie übersichtlicher.

LG

P.
 

Josie

Mitglied
Hallo Sohalt

Ich bin ein Liebhaber von Schachtelsätzen, wenn sie als Stilmittel zum Vorantreiben der Handlung eingesetzt werden.
Und in deinem Text dienen sie zwar eindeutig als Stilmittel - denn ohne diese Schachtelsätze wäre dieser Text vermutlich sehr eintönig und nichtssagend, so aber wirkt er auf mich amüsant und es hat mir Spaß gemacht ihn zu lesen - doch weil du stellenweise zu viele Details aneinander reihst,wird hin und wieder nicht nur der Lesefluß abgebremst sondern der Leser auch zu oft aus dem Handlungsablauf geworfen.

...Anders als der mit einem schlichten Gemüt gesegnete Georg, der in seinem Briefmarkensammelverein und in seinem # sich dank des medizinischen Fortschritts erst sehr spät gesundheitsschädigend auswirkenden # Alkoholkonsums einen Ausgleich für die mangelnde emotionale Zuneigung...

An dieser #...# Stelle, z.B., holpert der Text. Um an der Handlung dran zu bleiben könntest du ihn, z.B. so formulieren:

...Anders als der mit einem schlichten Gemüt gesegnete Georg, der in seinem Briefmarkensammelverein und in seinem übermäßigen Alkoholkonsum einen Ausgleich für die mangelnde emtionale Zuneigung...

Besonders gut gefallen hat mir an deinem Text die Pointe am Schluß! Toller Schlußsatz.

LG Josie
 

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