Rgveda 10,121: "Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?"

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Mondnein

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Rgveda 10,121: "Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?"

Hymne in zehn Strophen (oder Langversen, Trishtubh aus jeweils vier Elfsilblern).

Die reflektierend-rhetorische Frage im vierten Versfuß jeder Trishtubh (außer der antwortenden letzten) ist mit der Reflexion am Ende von 10,129 vergleichbar: eher Leitfaden einer tiefgründig suchenden Meditation als Verlegenheit, wem unter den vielen Göttern denn zu opfern sei.
Zu solchen rhetorischen Fragen, die gerade die Antwort selbst reich entfalten, vgl. auch die Schlußkapitel des Hiob.


Hiranyagarbhah samavartatâgre bhûtasya jâtâh patir eka âsît

als Goldkeim regte er sich im Ursprung des Geschaffenen geborener Herr der Eine war
1. Als Goldkeim ging er auf im ersten Ursprung /
geboren ward der Eine Herr der Schöpfung;


sa dâdhâra prthivîm dyâm utemâm kasmai devâya havishâ vidhema (1)
er sicherte die Erde den Himmel auch diesen welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
er setzte fest die Erde und den Himmel /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


ya âtmadâ baladâ yasya vishva upâsate prashisham yasya devâh

der Selbstgeber Kraftgeber dessen alle abwarten der Weisungen dessen die Götter
2. Der Ich und Kraft uns gibt, auf dessen Weisung /
die Wesen alle und die Götter warten -

yasya châyamrtam yasya mrtyuh kasmai devâya havishâ vidhema (2)
dessen Schatten Unsterblichkeit dessen Tod welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
Unsterblichkeit und Tod sind seine Schatten /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


yah prânato nimishato mahitvâ- eka id râjâ jagato babhûva

der von Atem von Augenschließen Macht der Eine nur König der Welt wurde
3. Der Macht hat über Atem, über Schlummer /
der Welten König wurde er, der Eine;


ya îshe asya dvipadash catushpadah kasmai devâya havishâ vidhema (3)
der gebietet des Zweifüßigen Vierfüßigen welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
der über Mensch und Tier zugleich gebietet /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


yasyeme himavanto mahitvâ yasya samudram rasayâ sahâhuh

dessen diese Schneeberge durch Macht dessen Meer mit Essenz zusammen sie sagen
4. Von dem man sagt, daß seiner Macht entstammten /
die Schneegebirge und die Flut der Meere


yasyemâh pradisho yasya bâhû kasmai devâya havishâ vidhema (4)
dessen diese Himmelsrichtungen dessen Arme welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
und seine Arme alle Richtung wiesen /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


yena dyaur ugrâ prthivî ca drlhâ yena sva stabhitam yena nâkah

durch den der Himmel gewaltige die Erde auch gefestigt wodurch Sonne gestützt wodurch Himmel
5. Durch den der Himmel groß und fest die Erde /
durch den im Firmament stabil die Sonne;


yo antarikshe rajaso vimânah kasmai devâya havishâ vidhema (5)
der im Zwischenraum der Luft durchdringende welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
der mit der Luft im Zwischenraum sich breitet /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


yam krandasî avasâ tastabhane abhy aikshetâm manasâ rejamâne

den beide Schlachtreihen durch Beistand unterstützt herbei blickten im Gemüt erschüttert
6. Auf den die beiden Heere zitternd blicken /
wenn in der Schlacht sie seinen Beistand suchen;


yatrâdhi sûra udito vibhâti kasmai devâya havishâ vidhema (6)
von wo aus die Sonne aufgegangen erstrahlt welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
von dem die Sonne ausstrahlt wenn sie aufgeht /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


âpo ha yad brhatîr vishvam âyan garbham dadhânâ janayantîr âgnim

die Wasser ja als die hohen das All sie kamen als Keim empfangend erzeugend das Feuer
7. Als hoch die Wasser stiegen, zu empfangen /
den All-Keim, um das Feuer zu gebären


tato devânâm sam avartatâsur ekah kasmai devâya havisha vidhema (7)
daraus der Götter regte er sich der Geist der Eine welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
kam er hervor: der Eine Geist der Götter /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


yash cid âpo mahinâ paryapashyad daksham dadhânâ janayantîr yajñam

der selbst die Wasser mit Größe überschaute den Daksha empfangend erzeugend das Opfer
8. Der selbst die Wasser machtvoll sah empfangen /
den Starken, um das Opfer zu gebären


yo deveshv adhi deva eka âsit kasmai devâya havishâ vidhema (8)
der bei den Göttern Urgott der Eine war welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
der eine Urgott, Mitte aller Götter /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?


mâ no himsîj janitâ yah prthivyâ yo vâ divam satyadharmâ jajâna

nicht uns soll schädigen Erzeuger der der Erde der oder den Himmel mit Wahrheitssatzung erzeugte
9. Nicht schade uns er, der die Erde schuf und /
den Himmel mit der Wahrheit Satzung zeugte;


yash câpash candrâ brhatîr jajâna kasmai devâya havishâ vidhema (9)
der auch die Wasser die mondglänzenden hohen erzeugte welchem Gott mit Opfer sollen wir huldigen?
er, der die hohe Flut mit Mondglanz schwellte /
Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?



prajâpate na tvad etâny anyo vishvâ jâtâni pari tâ babhûva

Hervorgeborenen-Herr! nicht außer dir diese ein anderer alle Geschöpfe rings diese wurde
10. Herr der Geschöpfe! Außer dir war niemand /
der alle, die geboren, rings umhüllte.


yatkâmâs te juhumas tan no astu vayam syâma patayo rayînâm (10)
als was-wünschende dir wir opfern das uns werde wir seien Herren der Reichtümer!
Was wir, wenn wir dir opfern, wünschen, werd' uns /
zuteil. Wir wollen Herren sein der Schätze!
 
Zuletzt bearbeitet:

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Hansz,

als aufgeschlossener Mensch interessiere ich mich für andere Religionen.

Du hast dir hier eine Hymne aus dem Rigveda, eine der wichtigsten Schriften des Hinduismus, vorgenommen.

Wenn ich es richtig verstehe, handelt es sich hier um den 10. Liedkreis, in dem Aussagen über die Entstehung und die Ordnung der Welt erfolgen.

Wer ist der Gott, dem wir mit Opfer dienen?
Diese wiederkehrende Frage ist wohl der Kernsatz der Hymne und jeder sollte sich religionsunabhängig dieser Frage stellen. Die Hymne korrespondiert übrigens ganz ausgezeichnet mit deinem Gedicht über die Börse unter Ungereimtes.

Leider bin ich gerade in einer Vorbereitung für eine Online-Vorlesung für die Hochschule und kann mich gerade nicht näher damit befassen.
Auch wenn es bestimmt wieder User gibt, die das für einen Quatsch halten, hat es durchaus Berechtigung in einem Lyrikforum.

Sehr gerne gelesen und über meinen Gott nachgedacht!

Liebe Grüße
Manfred
 

Mondnein

Mitglied
Es dürfen, glaube ich, auch Übersetzungen unter "Fremdsprachliches" hier eingebracht werden. Eigene, natürlich. Wie diese hier aus dem vedischen Sanskrit.
 

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