Richtung Himmel

Naciye

Mitglied
Endstation Himmel

Steriles Licht erleuchtete den Raum, die Halogenstrahler hinter vergilbten Plastik, gaben meinem Großvaters Gesicht keine vorteilhafte Farbe. Nicht nur, dass er jetzt tot war und wir alle, einschließlich der Kinder, an seinem Bett saßen und nicht recht wußten wie man denn nun reagieren sollte, es stellte sich vor allem die Frage: Wie, es den Kindern erklären, die uns heulenden Erwachsenen mit großen Augen anschauten.

Wir hatten uns in dem Zimmer in den letzten Stunden eingerichtet, ich saß auf einem Bett neben dem des toten Großvaters. Meine Nichte - gerade fünf - krümmelte sich auf meinen Schoß, garnicht traurig. Ich fragte mich ernsthaft, ob ein Kind das Ausmaß des Todes begreifen konnte. Ein "nie mehr" erscheint mir doch recht lange. Da ergriff ihre kleine Hand die meine.

Ich glaube Opa ist jetzt bestimmt Himmel angekommen und unterhält sich jetzt mit Oma. Glaubst Du die beiden schimpfen jetzt über euch Erwachsenen?

Ich fragte sie warum sie das tun sollten.

Ich glaube Oma und Opa finden es ganz blöde, dass hier alle weinen.

Dann ließ sie meine Hand los und verschwand in der Toilette.

Kinder verstehen manchmal mehr als vermeintlich Erwachsene. Naivität kann sehr sinnvoll sein. Manchmal macht unser Verstand die Dinge schlimmer als sie sind, zumal ja alles empfindungssache ist. Der Tod eines Menschen kann uns zerreißen, der Tod eines ganzen Volkes verleitet uns lediglich Geschichtsbücher zu wälzen oder Nachrichten zu schauen. Womit wir allerdings beim Thema Politik wären, das auf einem nächsten Blatt steht.
 

Oben Unten