Rücken

Anonym

Gast
Ihr Rücken brachte ihn um. Er sah ihn an und spürte die feuchte Erde unter den Fingernägeln. Erhaben stand sie da. Er, der er sich dem Leben nicht ausliefern wollte, wusste nicht ob er sie sich nur einbildete. Sie war ein Hüne. Wie schön sie war. Ihr Rücken stämmig. Ihre Brust enorm. Er musste sich an sie schmiegen. Ihre Haltung stramm. Ihr Blick eisern. Ihr Haar kitzelte im Nacken. Der Hals wulstig. Sie erdrückte die Erde in seiner Brust. Lauerte und lief im Kreis. Wie sehr sie sich ihm fügte. Er bekam es mit der Angst. Wusste nicht, ob er träumte. Das Produkt seiner Fantasie erwachte zum Leben. Sie brach seine Hand. Drückte ihn zu Boden und drang ein. Er griff nach ihr, glitt an ihr ab. Sie schweißnass. Ihr Bauch wurde größer. Es wuchs etwas heran. Ihn überfiel die Angst. Der Rücken stämmig. Ihr Becken breitete sich aus. Sie schrie. Dann zertrümmerte sie sein Handgelenk. Presste. Ihr großes Herz pochte. Sie war klatschnass. Etwas lag in ihrem Schoß. Blut. Überall. Es roch nach ihr. Dann brüllte es. Etwas schaute ihn an. Es roch nach ihr.
Drei Stunden waren vorbei. Er lag schweißgebadet im Bett. Hatte Fieber. Sie nannten ihn vieles. Er fürchtete sich vor ihrem Rücken. Ihrem gewaltigen Schoß. Dem Etwas im Nebenzimmer, das unentwegt schrie. Ihr Bauch faltig. Der Schoß roch faulig. Sie hatte sich die langen Haare abrasiert. Sie war mal schön gewesen. Ihr Rücken bekam Wurzeln. Bei jeder kleinen Berührung riss er sich die Hände auf. Das Fleisch abgestorben. Etwas wuchs heran. Wurde schön. Und zugleich hässlich. Wie die Jahre vergingen. Er lief hinaus. Sie folgte ihm. Er rannte. Sie folgte ihm. Der Rücken brach. Schlug Wurzeln. Aus ihm kroch Etwas. Eine Rose. Dornen. Er lief davon. Ihr Blick bedrängte ihn. Etwas lauerte im Gebüsch. Wie ihm kalt wurde, stieg es in ihn hinein. Wärmte sich. Er blieb kalt, tapste durch die Dunkelheit. Ihre Locken brachten ihn um. Wie schön sie war. Etwas fraß sich durch ihn. Er stolperte. Sein Herz schlug außerhalb. Es nagte daran. Sie streifte ihren Mund. Sprach. Doch sagte nichts. Etwas folgte ihm. Streifte den Mantel ab. Und drang in ihn ein. Der Rücken stämmig. Das Haar locker. Der Mund vergiftet. Es sprach. Nannte ihn Vater. Blickte ihn an. Während die Rose verdorrte. Er lief weiter. Auf eine Lichtung. Die Rose verblühte. Etwas lag neben ihm. Schweiß lief. Es berührte ihn. Sanfte Küsse. Dann kroch es ihm auf die Brust. Die Kälte zog hinein. Locken kitzelten. Er entkam nicht. Es wurde breiter. Zog etwas aus dem Leib. Es sah ihn an. Schrie. Es löste sich, blieb nicht. Rannte in die Dunkelheit und ließ das Wesen aus dem Leib zurück. Er hatte Fieber. Schlief seit Tagen nicht. Sein Zustand instabil. Er schrieb weiter. Das Wesen im Nebenzimmer schrie unbeirrt weiter. Nicht aus Müdigkeit. Aus Liebe. Es wuchs heran. Schmiegte sich an seine Beine. Bis er es packte und ins Waschbecken legte. Es zappelte. Schrie. Versuchte alles um seine Liebe zu erhalten. Stille. Er lief weg. Hob den Boden aus. Und pflanzte seinen Samen in die feuchte Erde. Ein weiterer Tag, eine Rose erblühte. Er stand vor ihr. Weinte. Sie streifte ihre Dornen ab. Öffnete ihre Blüte und verschlang ihn. Dann kehrte Ruhe ein.
 



 
Oben Unten