Salz in meinen Händen

Ich habe dich geliebt,
wie man eine Stadt liebt,
die langsam im Meer untergeht.

Erst verschwanden die Plätze,
auf denen wir uns küssten.
Dann die Straßen,
die den Klang unserer Schritte
wie Münzen in Ihren Rissen sammelten.
Dann die Häuser,
in denen die Wände lernten,
wie sich Liebe im Flüsterton anfühlt.

Jetzt ragen nur noch Dächer aus mir.

Manchmal setzen sich Möwen darauf.
Manchmal regnet es tagelang
in die offenen Fenster meiner Erinnerung.

Ich tauche hinab,
obwohl ich für die Tiefe nicht gemacht bin.
Ich suche dich
in den Zimmern unter Wasser,
zwischen schwebenden Tassen,
erblindeten Lampen,
Büchern,
deren Seiten wie weiße Fische zittern.

Nur dein Lachen hängt noch -
von Korallenkrusten überzogen -
an einer rostigen Türklinke.

Ich berge es aus der Tiefe,
doch oben ist es nur noch
Salz in meinen Händen.

Ich wollte dich zurückholen.
Doch zwischen meinen Fingern
knirscht nur dein Fernsein.
 



 
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