tessa_zwei
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Bevor sich dieser Titel erschließt, benötigt es einer kurzen Vorinformation.
Mein Mann und ich sind mittlerweile Rentner und glückliche Besitzer eines in die Jahre gekommenen Wohnmoblils. Mit demselben verreisen wir gerne und häufig. Deshalb haben wir nie Zeit in Fülle: Entweder sind wir weg oder zuhause und dann heißt es, Liegengebliebenes nachzuholen und Verpflichtungen zu erfüllen, bevor die nächste Tour wieder ansteht. Es ist uns deshalb in keinster Weise langweilig und sehr oft wird es kurz vor Reiseantritt auch ganz schön stressig.
So war es auch dieses Mal. Die Dinge, die wir mitnehmen wollten, standen zum Einräumen bereit; zum Teil waren sie schon im Fahrzeug. Auch die alten Räder — wir besitzen keine E-Bikes — sollten dieses Mal mit auf die Reise gehen. Mein Mann hatte sie vorsorglich vor wenigen Tagen aufgepumpt und die Ketten geölt. Da ich am Abreisetag noch ganz schnell in die Apotheke fahren musste, schnappte ich mir mein Fahrrad. Die Erledigung ging ganz fix. Kurz darauf standen beide Räder wieder zum Aufladen bereit, als wäre eines nie weg gewesen.
Als ich gerade noch dabei war, die Kaffeemaschine zu reinigen, kam mein Partner mit Namen W. in die Küche und fragte:
"Warst du diese Woche mit deinem Rad unterwegs?"
"Nein, nur eben kurz. Warum?"
"Es hat einen Platten."
"Das darf doch nicht wahr sein. Und nun?"
"Ich schaffe es zeitlich nicht, es zu reparieren. Haben wir nicht noch das geerbte Klappfahrrad? Das nehmen wir stattdessen mit."
So wurde es gemacht.
Gestern waren wir also das erste Mal während unseres Frankreich-Trips in der Region Picardie mit diesen Rädern unterwegs. Man stelle sich nun folgendes Bild vor:
Vorneweg mein Mann auf einem mindestens zwanzig Jahre alten Damenfahrrad mit vorsinnflutlich großen Rädern. Hintendran dann ich, auf einem noch älteren — aber immerhin gut in Schuss gehaltenen — winzigen Klappfahrrad. Da meine Räder einen kleineren Durchmesser haben, muss ich grundsätzlich mehr strampeln und unser Abstand vergrößert sich von Zeit zu Zeit. Das macht aber nichts, wir sind im Urlaub und warten dann halt aufeinander.
Ich bemerke, dass W. sehr oft schalten muss und spreche ihn darauf an.
Woraufhin er erwidert: "Egal welchen Gang ich möchte, er hält nicht. Ich muss andauernd schalten um zu korrigieren."
"Na sauber", denke ich mir, "da bin ich ja mit meinem vierten Gang, mit dem es sich am besten fährt, höchst zufrieden."
Es haut mich vor Lachen fast aus dem Sattel, als mein Reisegefährte trocken feststellt: "Wir sehen heute aus wie Don Quijote und Sancho Panza und ich bin der Reiter mit dem stattlichen Pferd!"
Ein behelmter, großgewachsener Don Quijote, wegen seines Hüftleidens unterwegs auf einem klapprigen Damenfahrrad, nicht zur vergessen mit einem sehr geschmacklosen schwarz-pinken Leichtrucksack auf dem Rücken (der nur für spontane Einkäufe eingesetzt wird und sonst unter Verschluss bleibt) wäre aus der Sicht von Cervantes sicherlich ein ausgesprochen typischer Ritter der traurigen Gestalt. Hinterher ein kleinerer, sehr bemühter Sancho Panza, der fleißig strampelnd darauf bedacht ist, mit seinem winzigen Drahtesel den Anschluss zu behalten. Ist das nicht ein schönes Bild?
Übrigens sind wir jetzt noch für fünf Tage in der Normandie unterwegs.
Wenn uns jemand erkennen sollte, dann gibt es ein Autogramm von Don Quijote X.0 und Sancho Panza 4.0.
Der Kampf mit unseren Gangschaltungen wurde im Gegensatz zu Don Quijotes Ritt gegen die Windmühlen halbwegs gewonnen. Miguel de Cervantes würde sich freuen.
Mein Mann und ich sind mittlerweile Rentner und glückliche Besitzer eines in die Jahre gekommenen Wohnmoblils. Mit demselben verreisen wir gerne und häufig. Deshalb haben wir nie Zeit in Fülle: Entweder sind wir weg oder zuhause und dann heißt es, Liegengebliebenes nachzuholen und Verpflichtungen zu erfüllen, bevor die nächste Tour wieder ansteht. Es ist uns deshalb in keinster Weise langweilig und sehr oft wird es kurz vor Reiseantritt auch ganz schön stressig.
So war es auch dieses Mal. Die Dinge, die wir mitnehmen wollten, standen zum Einräumen bereit; zum Teil waren sie schon im Fahrzeug. Auch die alten Räder — wir besitzen keine E-Bikes — sollten dieses Mal mit auf die Reise gehen. Mein Mann hatte sie vorsorglich vor wenigen Tagen aufgepumpt und die Ketten geölt. Da ich am Abreisetag noch ganz schnell in die Apotheke fahren musste, schnappte ich mir mein Fahrrad. Die Erledigung ging ganz fix. Kurz darauf standen beide Räder wieder zum Aufladen bereit, als wäre eines nie weg gewesen.
Als ich gerade noch dabei war, die Kaffeemaschine zu reinigen, kam mein Partner mit Namen W. in die Küche und fragte:
"Warst du diese Woche mit deinem Rad unterwegs?"
"Nein, nur eben kurz. Warum?"
"Es hat einen Platten."
"Das darf doch nicht wahr sein. Und nun?"
"Ich schaffe es zeitlich nicht, es zu reparieren. Haben wir nicht noch das geerbte Klappfahrrad? Das nehmen wir stattdessen mit."
So wurde es gemacht.
Gestern waren wir also das erste Mal während unseres Frankreich-Trips in der Region Picardie mit diesen Rädern unterwegs. Man stelle sich nun folgendes Bild vor:
Vorneweg mein Mann auf einem mindestens zwanzig Jahre alten Damenfahrrad mit vorsinnflutlich großen Rädern. Hintendran dann ich, auf einem noch älteren — aber immerhin gut in Schuss gehaltenen — winzigen Klappfahrrad. Da meine Räder einen kleineren Durchmesser haben, muss ich grundsätzlich mehr strampeln und unser Abstand vergrößert sich von Zeit zu Zeit. Das macht aber nichts, wir sind im Urlaub und warten dann halt aufeinander.
Ich bemerke, dass W. sehr oft schalten muss und spreche ihn darauf an.
Woraufhin er erwidert: "Egal welchen Gang ich möchte, er hält nicht. Ich muss andauernd schalten um zu korrigieren."
"Na sauber", denke ich mir, "da bin ich ja mit meinem vierten Gang, mit dem es sich am besten fährt, höchst zufrieden."
Es haut mich vor Lachen fast aus dem Sattel, als mein Reisegefährte trocken feststellt: "Wir sehen heute aus wie Don Quijote und Sancho Panza und ich bin der Reiter mit dem stattlichen Pferd!"
Ein behelmter, großgewachsener Don Quijote, wegen seines Hüftleidens unterwegs auf einem klapprigen Damenfahrrad, nicht zur vergessen mit einem sehr geschmacklosen schwarz-pinken Leichtrucksack auf dem Rücken (der nur für spontane Einkäufe eingesetzt wird und sonst unter Verschluss bleibt) wäre aus der Sicht von Cervantes sicherlich ein ausgesprochen typischer Ritter der traurigen Gestalt. Hinterher ein kleinerer, sehr bemühter Sancho Panza, der fleißig strampelnd darauf bedacht ist, mit seinem winzigen Drahtesel den Anschluss zu behalten. Ist das nicht ein schönes Bild?
Übrigens sind wir jetzt noch für fünf Tage in der Normandie unterwegs.
Wenn uns jemand erkennen sollte, dann gibt es ein Autogramm von Don Quijote X.0 und Sancho Panza 4.0.
Der Kampf mit unseren Gangschaltungen wurde im Gegensatz zu Don Quijotes Ritt gegen die Windmühlen halbwegs gewonnen. Miguel de Cervantes würde sich freuen.