Schamrot

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MarieA.

Mitglied
Auf Lesbos
war der Himmel rot
von Verzweifelten
entzündet
betrogene Hoffnung
nachts verbrannt

Doch wir sitzen nicht
im selben Boot mit euch
unendlich satt
statt Not zu leiden

Zeigen mit dem Finger
auf die Andern
Sollen die sich doch dazu bekennen
von den abertausend
Heimatlosen
ein paar Abgebrannte
aufzunehmen

Auch wenn's keiner glaubt -
ich kann mich wieder mal
nur schämen
 
Zuletzt bearbeitet:

Oscarchen

Mitglied
Hallo Marie,

ich muss "Der Neue"in jeder Hinsicht beipflichten. Aktuelle Geschehnisse aufzuarbeiten wäre auch mein Ding. Allerdings sollte in gereimter Form nicht
auf Metrik und auf ein sinnvoll formgebendes Grundgerüst verzichtet werden. Dein Gedicht ist nicht sauber ausgearbeitet. Ein Reimschema ist nicht zu erkennen.
Vielleicht wäre es besser, es in reimfreier Struktur anzubieten. Ich hatte mimikri mal den Vorschlag gemacht,bei einem ihrer etwas holperigen Werke eine
reimlose Form auszuprobieren. Dieses Thema gibt es allemal her.

Mit lieben Grüßen

Oscarchen
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MarieA.

zum Formellen wurde schon etwas gesagt - dem kann ich mich nur anschließen. Dies ist kein Reimgedicht.

Aber ich verstehe auch die Aussage nicht. Wofür schämst Du Dich denn (wieder mal)? Ist es ein Fremdschämen oder zeigst Du auch mit dem Finger auf die Anderen? Oder schämst Du Dich vielleicht, weil Du die heute politisch Verantwortlichen für dieses Desaster selbst gewählt hast? Und wenn Du Dich aus irgendeinem dieser Gründe schämst – was tust Du persönlich für Flüchtlinge?

Gruß, Ciconia
 

Oscarchen

Mitglied
Hi Marie,

Ich noch mal.
Ja, warum schämen? Diese Frage vergaß ich noch zu stellen. In wie weit fühlst du dich verantwortlich?
Ich denke, dein politischer Einfluss begrenzt sich auf die Wahlsonntage. Ich habe Parteien gewählt, die Einfluss haben auf die Flüchtlingspolitik.
Aber mich deshalb schämen? Hätte ich gut machen können, als unser Angela knapp 1 Million Menschen ins Land gelassen hat.
Die Frau weiß doch, was sie tut. Die ist doch schließlich Kanzlerin!
Was ich persönlich für Flüchtlinge tue? Ich zeige keine Migranten mehr an, wenn sie mich anspucken, weil ich sie drauf aufmerksam mache,
wenn sie keine Maske tragen.

LG
Oscarchen
 

MarieA.

Mitglied
Hallo Oscarchen, Ciconia und der Neue,
ich habe es ursprünglich unter Ungereimtes einstellen wollen, doch es hatten sich einige Reime "ergeben". Habe die nun entfernt, weil sie nicht beabsichtigt waren. Mit schämen ist fremdschämen gemeint. Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, habe selbst welche in meiner Famlie. Um mich aktiv in die Flüchtlingshilfe einzubringen, bin ich inzwischen zu alt und zu lange aus meinem Beruf heraus. Habe nie eine flüchtlingsfeindliche Partei gewählt, allerdings auch keine christliche. Man sieht ja an Herrn Seehofer, wohin das führen kann.
Danke für eure Beschäftigung mit meinem Text.
LG
Marie
 

Frodomir

Mitglied
Hallo MarieA.,

meiner Meinung nach ist die große Kunst bei politischen Gedichten, die moralische Bewertung zu vermeiden. Nicht, weil diese dem Dichter nicht zu stünde - ganz im Gegenteil - sondern weil dadurch die lyrische Wirkkraft des Gedichtes nachlässt und er letztlich Gefahr läuft, zur bloßen Meinungsäußerung degradiert zu werden. Ein Ziel wäre es deshalb in meinen Augen, dass durch das Gedicht selbst beim Leser moralische Bewertungen und die entsprechenden Gefühle erzeugt werden können.

Meiner Ansicht nach gelingt dir dies schon, doch vor allem das Ende zerstört dann durch eben eine solche moralische Bewertung den Text. Die Tendenz dazu ist aber schon in der dritten Strophe wahrnehmbar. Ich denke deshalb, dass das Gedicht mehr Potenzial hat, als du letztlich umsetzen konntest.

Liebe Grüße
Frodomir
 

MarieA.

Mitglied
Meine Bitte hier an die Chefs:
Kann, bitte, jemand meinen Text ins Ungereimte verschieben?
Oder, was muss ich dafür tun?
Danke
MarieA.
 

MarieA.

Mitglied
Hallo MarieA.,

meiner Meinung nach ist die große Kunst bei politischen Gedichten, die moralische Bewertung zu vermeiden ...
Hallo Frodomir,
es mag aus lyrischen Erwägungen vielleicht effektvoller sein, doch meine Absicht war hier, Farbe zu bekennen. So hielten es auch viele berühmte Dichter - von Heinrich Heine bis zu Erich Fried.

Herzlichen Dank
und lieben Gruß zurück
Marie
 
Zuletzt bearbeitet:

MarieA.

Mitglied
Nun ja, die Rubrik kann man ändern, ich habe es ja schon beantragt.
Danke dir herzlich, mit besten Grüßen zurück,
Marie
 

rainer Genuss

Mitglied
Hallo Marie
allein, die Doppeldeutigkeit der Bezeichnung "die Abgebrannten" ist famos
ich finde, du solltest dich nicht für diese organisierte menschliche Katastrophe schämen, wenn du kein fremdenfeindlicher Mensch bist und dein Wort erhebst.
Die letzte Strophe würde ich weglassen. Die drei davor sprechen Bände.
Ich find es gut diese Tragödie zu thematisieren.
Hast du gut gemacht.
Gruß Rainer
 

MarieA.

Mitglied
Vielen lieben Dank, Rainer,
deine Worte tun gut!
Die letzte Strophe stellt die Verbindung her zu meinem Gedicht von 2015 zum selben Thema. Es heißt "Ich schäme mich" und steht mit all meinen anderen Texten in meinem "Heimatforum" myStorys.de.
Gruß
Marie
 

rainer Genuss

Mitglied
danke für den Hinweis
ich finde dennoch dass der Titel bereits die Tragödie einleitet.
Aber lass es so, wenn du einen größeren Zusammenhang siehst.
Dir einen schönen Sonnentag
 

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