schlaf ein

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Er hat so viel Vergängliches gebracht
(so vieles ist verurteilt zu vergehn)
Er ließ uns kalt, verarmt und nackt zur Nacht
Im Dunkel stehn

Hier stehen wir - und draußen rauscht die Zeit
Was immer wir gestalten, es zerfällt
Es gibt so wenig Wege aus der Dunkelheit
Der Welt

Es sind nur Dämmerungen, was uns schied
Mein Herz schlägt wund - ich bin allein
- Es sind Erinnerungen an ein Lied
Schlaf ein, schlaf ein -
 

Aina

Mitglied
Hallo Patrick,
vorallem die mittlere Strophe hat es mir angetan. Der Gegensatz zwischen der flüssigen Sprache, der fließenden Worte und dem Inhalt hat mich berührt.
Auch wenn es wichtig scheint, dass in der zweiten Zeile "so Vieles ist verurteilt zu vergehen" eingeklammert wird, für mich wirkt es im Gesamtbild wie ein Stolperstein. Es lässt mich auch beim zweiten und dritten lesen stocken. Aber vielleicht war das ja deine Absicht.
Danke für die Wortkunst, an der ich teilnehmen durfte.
Viele Grüße,
Aina
 
Er hat so viel Vergängliches gebracht
So vieles ist verurteilt zu vergehn
Er ließ uns kalt, verarmt und nackt zur Nacht
Im Dunkel stehn

Hier stehen wir - und draußen rauscht die Zeit
Was immer wir gestalten, es zerfällt
Es gibt so wenig Wege aus der Dunkelheit
Der Welt

Es sind nur Dämmerungen, was uns schied
Mein Herz schlägt wund - ich bin allein
- Es sind Erinnerungen an ein Lied
Schlaf ein, schlaf ein -
 

Ralf Langer

Mitglied
hallo patrick,

ich hätte gerne mehr zeit zu erklären warum ich die dritte
strophe für sehr gelungen halte.
(im gegensatz zur zweiten)

vielleicht später mehr.

aber insgesamt: wieder einmal sehr gerne gelesen

lg
ralf
 
Danke Ralf
Dann hoffe ich einfach dass du mir noch erklärst, warum du die dritte Strophe bevorzugst :)
(ich schätze deine Meinung sehr)

L.G
Patrick
 

Mondnein

Mitglied
Die kurzen vierten Verse

Etwas rätselhaft der "Er" der ersten beiden Strophen, wo man entweder ein "Es" erwartet oder eine vielleicht nachklappende Erklärung, wer dieses Subjekt denn ist.
Die dritte Strophe hat die an ein Zubettgehlied erinnernde Überleitung ins Schlaflied, das ist begütigend, tröstlich, sanft. Eben fast ein Kinderlied.

Die "Bennschen" Kurzzeilen am Ende der Vierzeiler sind drastische Konzentrate. Ich finde Wechsel von (sehr) langen und (extrem) kurzen Versen reizvoll. Sie geben den Reimen einen melodischen Schwung, laden den konzentrierten Vers mit Zeit auf.
 

wüstenrose

Mitglied
Hi Patrick,

ach ja, schön!

Mir gefällt auch Strophe 2, die mich an barocke Töne à la "die vorhin grüne Äste sind nunmehr dürr und tot" erinnert.

Was mich fasziniert: die Synthese aus Hoffnungslosigkeit und Schönheit, die aus den Zeilen spricht, so dass bei mir der Gesamteindruck einer sehr schönen Hoffnungslosigkeit haften bleibt.

lg wüstenrose
 
Hallo mondnein
Du hast sicher recht.
"Er" bleibt und soll im Dunkeln bleiben.
Hier hat jeder die Möglichkeit einen "Schuldigen" zu finden :)

Die "Bennschen Verkürzungen" sind wirklich sehr reizvoll.
Vorallem weil sie doch recht selten sind.
Vielen Dank für den Kommentar und die Wertung
L.G
Patrick
 
Hallo wüstenrose
Das freut mich sehr, dass es dir gefällt.

"Schöne Hoffnungslosigkeit" das lässt mich hoffen,
das es nicht zu weinerlich geworden ist.
Vielen Dank für die Rückmeldung
L.G
Patrick
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,

eigentlich brauchte ich dann doch nicht darüber nachdenken:
die dritte Strophe liegt mir näher, wegen der „Dämmerungen
- diese verschiedenen Seinszustände beschäftigen mich( siehe letztes Gedicht) einfach sehr.

Persönlich empfinde ich auch vokalisch diese Strophe am gelungensten.

Da bin ich dann auch bei Strophe zwei, wo mir einfach klanglich die letztze Zeile zu kurz daherkommt.
Da habe ich beim Lesen größere Ausprech bzw. Intonationsprobleme.
Meinem Gefühl nach fehlt da noch ein zweisilbiges Wort:

Siehe letzte Zeile Strophe eins: viersilbig
Strophe zwei, letzte Zeile: zweisilbig
Strophe drei, letzte Zeile : viersilbig
Die viersibigen kommen sprachlich geschmeidiger daher.

Habe ich eine Idee dazu ?
Nein nichts passendes, aber vielleicht einfach mal ein Platzhaltewr als Vorschlag meinerseits:

der „müden“ Welt

Müde ist nicht wirklich gelungen, aber mir ging es auch nur um das Klangliche.

Ich hoffe, du verstehst meine Haltung

Lg
Ralf
 
Hallo Ralf
Du hast sicher recht "der Welt" ist zu kurz, vorallem
da die vorherige Zeile sechs statt fünf Hebungen aufweist.
Ob es vielleicht auch daran liegt?

Momentan bin ich ein wenig ratlos, da mir nur Platzhalter
und kaum etwas passendes einfällt.

Ich denke ich schlafe nochmal 2 -3 Nächte darüber.

L.G
Patrick
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,
da fällt mir sponatam eine Aussage Gottfried Benn`s ein.

(aus dem Gedächtnis zitiert)

In einem seiner Essay, sprach er über die ühen der Gdichtproduktion, dabei kam er auf ein sehr kuzes Gedicht von ihm selbst zu sprechen, es war nur ein Sechszeiler.
Leider erinnere ich mich nicht an das Gedicht selbst.

Ich erinnere aber lebhaft, das er die ersten vierzeilen um 1920 schrieb. Die letzten zwei Zeilen kamen ihm erste Anfang der 50 er Jahre.

Also: lass dir Zeit

Ralf
 
Er hat so viel Vergängliches gebracht
So vieles ist verurteilt zu vergehn
Er ließ uns kalt, verarmt und nackt zur Nacht
Im Dunkel stehn

Hier stehen wir - und draußen rauscht die Zeit
Was immer wir gestalten, es zerfällt
Es gibt so wenig Wege aus der Dunkelheit
In dieser Welt

Es sind nur Dämmerungen, was uns schied
Mein Herz schlägt wund - ich bin allein
- Es sind Erinnerungen an ein Lied
Schlaf ein, schlaf ein -
 
Hallo Ralf.
Jetzt habe ich lange nachgedacht und mich
für meinen ersten Gedanken entschieden.
"In dieser Welt" verändert den Vers von seiner
Aussage her kaum.

So wirklich zufrieden bin ich aber noch nicht.

L.G
Patrick
 

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