Schlaf wohl (Sonett)

L'étranger

Mitglied
Schlaf wohl, mein Held, s'ist lange schon zu spät,
um glanzvoll aufzustehn - die satte Zeit
hat sich im letzten Rausch verbrannt, gescheit
ist, wer noch erntet, nicht der Mensch, der sät.

Wer heute schläft, ist herzlich zu beneiden,
hört Paukenschläge nicht und Flötentöne,
sieht nicht den eitlen Marsch der Heldensöhne
hin zu verlornen Schlachten schreiten.

Drum schlaf, mein Held, die neue Zeit sucht nicht
den Einen - sie will dich nicht, will einfach keinen
Retter - sieh hin, wie sie im grellen Bühnenlicht

sich frei gebärdet! Sie spottet lächelnd deinen
Schutz und wird dich noch am Grab beweinen.
Schlaf wohl mein Held, man braucht dich nicht.
 

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