Schneller als der Rückenwind

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sretles

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Schneller als der Rückenwind


Zwei Männer ein Boot, wir fuhren hinaus. Das Boot schnitt das Wasser mit all seiner Kraft. Die super auf Tourismus geschnittene Kielleiste brach jede noch so plötzlich auftretende Welle des unheimlich anmutenden See´s. Der Motor gab sein letztes. Die 800 Watt der Öko-E- Maschine durchfuhren unseren ganzen Körper. Den vorgeschriebenen Mindestabstand von 300 Meter zum Prominentenufer konnten wir nur bedingt einhalten,
So magisch zog es uns an. Einige Wohnstätten dieser einsam lebenden Mitmenschen erregten unsere Phantawelt.
Ein Haus, davor eine Frau die Kaffe trank, welche Marke es wohl war? Das Boot trieb uns mit einer Briese Seewind davon, wir konnten es nicht aufklären.
Vermutlich fuhren wir schneller als der Rückenwind, so interessierte es uns auch nicht mehr.
Neues Bild, ein alter Mann, neu gekaufte Rasenverschnittlimousine. Dahinter, im ersten einsehbaren und wohl einzigen Zimmer des Hauses.
Sie lag da. Eine liebe kleine pflegebedürftige Omi in einem Privatkassenpflegebett in der Hand ein Päckchen Zellstoff mit der Aufschrift „DIE SUPERWECHSELSTELLE“, mich haute es um. Nach sekundenlanger Geistesabwesenheit neue Situation.
Ein auf Jugend getrimmtes Liebespaar mit bayrischem Temperament. Es herrschte Aufbruchstimmung. Die seit Jahren mit super Weichspüler geschundene Stranddecke wehte sanft im Wind, gehalten von vier sich liebenden Händen. Welch romantische Bedeutung!?
Die Männer saßen im Boot und träumten, verloren das Paar aus den Augen, vermutlich waren sie schneller als der Rückenwind.
Plötzlich eine andere Milliardenfestung. Auf dem fassonkurzen Rasen ein Sommerpavillon, wo der bloß gekauft war. Wir konferierten. Bestimmt, nein ganz bestimmt nicht in einen dieser von frustrierten Ehemännern durchzogenen Hobbyhandwerkerbaumärkte.
Der Wochenendseeverkehr machte uns zu schaffen. In uns regten sich Amokfahrergelüste und Selbstmordgedanken. Doch unerwartet, ganz nah bei uns ein Boot mit einer nacktbadenden Schönheit. Wir kicherten. Im lokalen Seefunk erfuhren wir das es sich um einen Mann handelte. Jetzt kicherten wie erst recht.
Völlig fertig kamen wir doch noch an Land und vier stunden später gesund und müde zu Hause an.
Den Rückenwind werde ich bis heute nicht los.
 
C

caspar

Gast
der wind zerzaust mir das haar,
wir schauen uns an und gebrauchen keine worte.
unser treiben auf dem see kommt einer irrfahrt gleich,
die im letzten moment kurs nimmt. vorbei am ufer.
 

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