Schweine

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anemone

Mitglied
Der Schweinestall war lange genug vernachlässigt worden. „Es riecht nach Schwein!“ sagte Elfriede in der Wohnung zu dem Bauern. „Ach was!“ meinte der Bauer und kehrte auf dem Absatz um. Das hätte ihm gerade noch gefehlt, dass sie ihm jetzt Vorhaltungen machen würde, dass er den Stall vernachlässigt. Sicherlich käme das am Ende bei der Diskussion heraus. Da zog er es doch lieber vor, rechtzeitig aus ihrem Blickwinkel zu verschwinden.

Bauer Hub, wie ihn alle nannten hielt sich in der letzten Zeit wirklich recht selten im Schweinestall auf. Natürlich steckte viel Arbeit darin und wenn er statt zu Elfriede lieber zur Resi ging; irgendwann musste Elfriede es ja bemerken, aber nicht gerade jetzt: - Da schleich ich mich doch lieber! – war seine Reaktion darauf. Doch Elfriede war eine energische Person. Sie kam hinter ihm her, gerade als er mit der Überlegung beschäftigt war, den Stall zu misten oder lieber statt der Mistgabel den Autoschlüssel zu nehmen und zur Resi zu fahren. Er hängte schnell wieder den Autoschlüssel ans Brett als er Schritte hinter sich vernahm und entschied sich fürs Ausmisten. „Ich werde dir helfen!“ dröhnte die Stimme seiner Frau hinter ihm, die er heute so gar nicht gerne hörte und er seufzte recht laut und war der Meinung, dass die Schweine heute ruhig schon ins Freie dürften.

„Was?“, ließ Elfriede ihre schrille Stimme vernehmen „Es hat doch noch gefrorern diese Nacht und du willst die armen Tiere an die Luft schicken?" "Ich brauche deine Hilfe nicht, komme auch ohne dich ganz gut klar!“ knurrte der Bauer und blickte missmutig in die Richtung, wo Elfriede sich daran machte, die Mistgabel zu schultern.

Seine Kehle war bereits nach wenigen Minuten wie ausgetrocknet in diesem Schweinestall und wäre seine Frau nicht in seiner Nähe, er säße längst in Resis Kneipe. So allerdings hielt er Ausschau nach einem Bier und verschwand für kurze Zeit im Keller. Wenig später stand er mit der Bierflasche in der Türe und sah seiner Frau zu, wie sie die Mistgabel hob und senkte. Ja, sie konnte anpacken, das musste der Neid ihr lassen. Was sie anpackte, das klappte auch und gleiches erwartete sie ebenfalls von ihm. Doch er hatte schon lange keine Lust mehr und suchte Ausweichmöglichkeiten, die er meinte jetzt gefunden zu haben und zwar in Resis Kneipe. Seine Lieblingsbeschäftigung hieß: Kartenspielen und nicht mehr Schweine, Schweine, Schweine. Ausserdem war Resi immer so freundlich zu ihm und sie war allein. Bauer Hub seufzte und packte die zweite Mistgabel in die Hand – Wirt müsste man sein! – dachte er.
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Was ist die Geschichte?

Im (klein- und mittelbäuerlichen) Schweinestall riecht es IMMER nach Schwein – egal ob er vernachlässigt wurde oder nicht.
 

anemone

Mitglied
Hallo Jon,

Ich habe den Text zum besseren Verständnis leicht geändert.
Normalerweise riecht man in der Wohnung nichts von der Tierhaltung, da Haus und Hof durch eine Duftschleuse von einander getrennt sind. In diesem Fall konnte man die Tiere bis ins Wohnzimmer riechen.

Zufällig war es ein Schweinestall, es hätte auch ein Kuhstall sein können. Es hat keine besondere Bedeutung.

freundliche Grüße
anemone
 

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