@Petra - Gedanken zum "Ichbewusstsein" doch vorerst, Entschuldigung, wie ich sehe, habe ich beim Abschreiben Fehler gemacht die nicht unwesentlich sind. So geschehen beim Zitat:
… „Entlässt die Natur den Menschen? „von Adolf Portmann. Er geht bei allen Lebewesen, Pflanzen und Tierwelt, von einer
Innerlichkeit und
seiner Selbstdarstellung aus. Auf
Seite 107 (nicht 115) erwähnt er dies mit einem seiner vielen Beispielen so: Zitat
"…Für eine umfassende Naturansicht stellt die Tatsache dieser „Grenzmembran, diese „Haut“ das Problem der spezifischen Gestalt, das der Reisbarkeit = ist falsch, es heisst
Reizbarkeit, nicht Reisbarkeit…" Zitatende
Ja und nun, so beim Beinehochlagern und Nachdenken kam ich dem Ich-Bewusstsein möglicherweise etwas näher. Portmann erwähnt unsere beschränkten Möglichkeiten der Wahrnehmung der Realität. So z.B. haben wir keine Ahnung was «Bienenpurpur» ist. Folgendes Beispiel: Zitat, Formatierung von mir - Seite 122,
«…wir kommen zur Welt
mit einem Instrument der Weltbeziehungen, das Abertausende von Sachverhalten schon vorbestimmt hat, mit denen wir unser Leben führen und ausstatten. In diesem Weltbild, in dem die Erde unten ist und der Himmer sich über uns wölbt, leben wir, machen wir unsere Alltagserfahrungen weit in die Kindheit hinein, drehen aber bereits am Radioknopf und bedienen alle möglichen Instrumente, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, was da drin sich abspielt. Und nun müssen wir anfangen zu lernen, dass alles anders ist, als
das naive Erleben es zeigt.
Wir müssen lernen, dass
vieles Feste nicht fest ist, dass die Bewegung des Himmels eine scheinbare ist. Wir müssen uns ganz genau erklären und sagen lassen, dass der
Farbenkreis, der sich für uns wunderbar schliesst von Rot bis zum Purpur, gar nicht ein Kreis ist, sondern
ein Glied einer Strecke von Wellenmöglichkeiten, von denen einzelne Teile uns zugemessen sind.
Wir lernen dann, wenn wir intensiver in die Sache hineinkommen, dass bei der Biene z.B. diese wahrnehmbare Strecke sich nach Ultraviolett verschiebt, aber im Rot verkürzt wird. Im Ultraviolett sieht sie etwas, was wir kaum bestimmen können, wir sprechen von «Bienenpurpur», aber wir wissen nicht, was sie sieht.
Wir wissen, dass die akustische Skala für eine Fledermaus bis in die 60'000 bis 70'000 Hertz geht, während sie bei uns bei 20'000 aufhört. Wir wissen, dass das Neugeborene gerade noch die untersten Fledermaustöne zu hören vermag, ein paar Wochen oder Monate lang, das verliert sich dann nachher. Am Anfang nehmen wir also noch ein ganz klein wenig an dieser Überschallwelt teil. Wir müssen also lernen, dass auch dieses akustische Erleben auf Ausschnitte begrenzt ist.
Nun fangen wir an, mit den Apparaturen des Physikers oder des Chemikers, das Verborgene zu transponieren in die Sphären, die uns zugänglich sind. Wir machen sichtbar und hörbar, was im Alltag weder sichtbar noch hörbar ist. Es baut sich so eine zweite, andere Welt auf. Diesem zweiten Bild der Welt entsprechen ganz neue Raum- und Zeitvorstellungen.
Die Biologen tragen dazu bei, indem sie nachweisen, dass die Schnecke eine andere Erlebnisform der Zeit hat, einen anderen «Moment» hat und dass der Aal, der Hecht wieder andere Zeitmomente haben als wir.
Wir müssen nun mit dieser neuen Weltsicht uns auseinandersetzen….
Seite 125: ….Also: di
e Biologie, die hier im Alltag Verwendung findet, ist auf eine Welt ausgerichtet, in der unsere Alltagsphysik Geltung hat. Sie wird so weit auch heute intensiv gepflegt, ja intensiviert, als sie unmittelbar für die Heilung, für die technische Bewältigung der Naturprozesse wesentlich ist.
Aber unsere Aufmerksamkeit ist auch auf die andere, die molekulare Welt gerichtet, in der völlig verschiedene Gesetze herrschen
. Die Welt dieser molekularen und submolekularen Prozesse ist eine Welt, in der es kein «Individuum» im Sinne der höheren Lebensform gibt.
Die Viren teilen sich, die Bakterien teilen sich; in dem Moment, wo wir sie als Individuum gelten lassen möchten, sind sie schon in der Zweiteilung begriffen.
Wo ist das Individuum nachher, wo ist es vorher?
Es teilt sich das gesamte System.
Es gibt auch keinen Tod.
Das ist eine ungeheure und vielleicht wenig beachtete Tatsache.
Es gibt Leichen nur durch mechanische Vernichtung.
Ich kann Bakterien
zerstören und
vernichte damit das Leben,
so wie Bakterien von anderen Organismen zerstört werden können.
Es gibt keinen Alterstod von Individuen. Es gibt keinen Tod, weil es kein Individuum gibt.
Damit tritt für uns ein sehr grosses Problem auf. Sind die Keimzellen ein Sonderbereich? Auch sie kennen keinen Tod, es sei denn, den Tod durch Zerstörung, Vernichtung von aussen, aber nicht einen natürlichen Prozess, der in ihrem Innern ansetzt.
Der Keimzellenbereich garantiert das, was man
«Ewigkeit des Lebens» nennen kann, wenn wir Ewigkeit in dem Sinne nehmen, wie wir es in unserem Gespräch ausgegrenzt haben als etwas, was in einem
völlig anderen Bereich seinen Ort hat…" Zitatende
Ja, und mit diesen Ausführungen komme ich nun zum Schluss, es gibt nur ein «Ich» durch die Erkenntnis seines eigenen Todes, seiner endlichen Existenz. Ein Lebewesen, dass nichts von seiner endlichen Existenz weiss, hat meiner Meinung nach kein «Ich».
…bin gespannt, wohin mich mein weiteres Lesen, auch die «Kleine Weltgeschichte der Philosophie» von Störig, mit der ich mich nach Portmann weiter befassen möchte, führt…
LG wirena