Senioren-Rache

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Immer mehr nähere ich mich jenem lammfrommen Alter, in dem Menschen den Frieden mit der Welt und ihrem Leben eingehen sollten. Doch ich verspüre nicht einmal Lust, auch nur mit den Friedensverhandlungen zu beginnen. Finde ich doch stets noch viel zu viele Gelegenheiten mich an Zeitgenossinnen und –genossen zu reiben oder gar zu rächen. Und ausgerechnet meine jeglicher Altersweisheit widersprechenden Rachegelüste treiben mich an.
Die ganz besondere Chance dazu fand ich kürzlich in der Regionalbahn von Engelskirchen nach Köln/Hansaring.
Ein unübersehbar griesgrämiger Junggreis setzte sich mir gegenüber auf den mit blau-orangenem Plüsch bezogenen Sitz und ließ umgehend sich und vor allem seine reichlich feuchten Mundwinkel hängen.
Als ich es mit einem vorsichtigen Lächeln bei ihm versuchte, nahmen seine Lippen noch mehr die Form einer schmalsten nach unten offenen Mondsichel an. Schließlich holte er unendlich tief Luft. Hielt den Atem einen Moment lang zurück. Und als er schließlich errötete, bließ er mir einen tiefen lauwarmen nach Bier riechenden Seufzer entgegen. Danach stimmte er eines seiner vermutlich besonders geliebten Klagelieder an: „Dass die Bahn auch niemals pünklich sein kann! Immer muss ich warten und warten. Immer ich!“ Dabei füllten sich hinter der schlecht geputzten Hornbrille seine trüben Augen mit ein wenig noch trüberem Salzwasser.
Ich lächelte weiter. „Aber Sie sind sicher Rentner. Da kommt es doch auf ein paar Minuten nicht an. Oder?“
Seine trüben Milchglasaugen klärten sich blitzartig auf. „Ich?... Zeit? So was gab’s noch, als mein Großvater in Ruhestand ging. Rentner können sich heutzutage die Entdeckung der Langsamkeit nicht mehr leisten.Überhaupt und ganz und gar nicht!“
Ruckartig hob er beide Arme über den Kopf und ließ sie klatschend auf seine Oberschenkel fallen, senkte das Haupt und starrte auf meine Schuhe.
Schulterzuckend, aber unbeeindruckt setzte ich mein Lächeln fort. „Entschuldigung. Aber ich wollte Sie nicht beleidigen!“
„Beleidigen, beleidigen. Ich bin gestresst. Allein die Arztbesuche. Muss heute zum Zahnarzt, zum Orthopäden, zum Internisten, zum …“ Er holte wieder Luft. „Und dann zur Bank. Und überall diese Automaten. In der Beamtenbank, an den Bahnhöfen, an den Straßenbahnhaltestellen…!“
Mit einem erneuten Seufzer sackte er auf seinem Sitz zusammen und sah mich von unten flehendlich an.
„Aber es gibt doch immer Leute, die Ihnen helfen können. Sie müssen nur fragen.“
Als ich „helfen“ sagte, richtete er sich halb wieder auf.
„Helfen? Wer nimmt sich denn die Zeit. Wir Alten sollen doch möglichst autark bleiben. Für unsere Pflege entwickeln sie sogar schon Roboter. Können Sie sich vorstellen, wie liebevoll so ein technisches Monster mit Ihnen umgehen wird, wenn es Ihnen schlimmsten Falls den Hintern abwischt? Können Sie sich das vorstellen?“
Lächelnd schüttelte ich den Kopf.
„Sehn Sie. Das können selbst Sie nicht.“
„Doch bei Ihnen kann ich mir das vorstellen. Und Ihr Roboter wird so programmiert sein, dass er Ihnen sogar zuhört, wenn Sie rumjammer. Was wollen Sie denn noch mehr?“
„Naja, was wir doch alle wollen… . Ne nette junge Pflegerin, natürlich.“
In diesem Moment setzte sich eine junge Blondine neben mich und überließ ihre durch hautengste Jeans nach- und wohlgeformten Beine unseren lüsternen Blicken.
Wir schwiegen beide. Ich, weil ich gerade tief Luft holten wollte, und mein Junggreis gegenüber, da er bereits gierig Luft aus der Umgebung und seinem beachtlichen über den Hosengürtel hängenden Bauch sog, um damit den massigen Oberkörper aufzublähen.
Gleich, so vermutete ich, wird der sich noch mit den Fäusten gegen Brustkorb trommeln.
Doch auf diese Protzgeste verzichtete er und sagte an mich gewandt, obwohl er dabei die langhaarige Blondine anlächelte. „Wissen Sie, wenn ich was nicht ausstehen kann, dann sind das diese alten Männer, die ständig über die heutigen Zeiten und ihren ach so bedauernswerten Zustand jammern.“ Danach musste er erst einmal rasselnd ausatmen.
Natürlich verging mir in dem Moment mein Lächeln. Und vermutlich sah ich plötzlich aus, wie einer jener Alten, die sich ständig und über alles beklagen.
 

HelenaSofie

Mitglied
Hallo Karl Feldkamp,

der Text gefällt mir und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Vielleicht willst du ein paar Winzigkeiten noch ändern.
bließ (s blasen)
pünklich (t fehlt)
schlimmsten Falls (schlimmstenfalls)
rumjammer (n fehlt)

Liebe Grüße
HelenaSofie
 
Immer mehr nähere ich mich jenem lammfrommen Alter, in dem Menschen den Frieden mit der Welt und ihrem Leben eingehen sollten. Doch ich verspüre nicht einmal Lust, auch nur mit den Friedensverhandlungen zu beginnen. Finde ich doch stets noch viel zu viele Gelegenheiten, mich an Zeitgenossinnen und –genossen zu reiben oder gar zu rächen. Und ausgerechnet meine jeglicher Altersweisheit widersprechenden Rachegelüste treiben mich an.
Die ganz besondere Chance dazu fand ich kürzlich in der Regionalbahn von Engelskirchen nach Köln/Hansaring.
Ein unübersehbar griesgrämiger Junggreis setzte sich mir gegenüber auf den mit blau-orangenem Plüsch bezogenen Sitz und ließ umgehend sich und vor allem seine reichlich feuchten Mundwinkel hängen.
Als ich es mit einem vorsichtigen Lächeln versuchte, nahmen seine Lippen noch mehr die Form einer schmalsten nach unten offenen Mondsichel an. Schließlich holte er unendlich tief Luft. Hielt den Atem einen Moment lang zurück. Und als er schließlich errötete, blies er mir einen tiefen lauwarmen nach Bier riechenden Seufzer entgegen. Danach stimmte er eines seiner vermutlich besonders geliebten Klagelieder an: „Dass die Bahn auch niemals pünklich sein kann! Immer muss ich warten und warten. Immer ich!“ Dabei füllten sich hinter der schlecht geputzten Hornbrille seine trüben Augen mit ein wenig noch trüberem Salzwasser.
Ich lächelte weiter. „Aber Sie sind sicher Rentner. Da kommt es doch auf ein paar Minuten nicht an. Oder?“
Seine trüben Milchglasaugen klärten sich blitzartig auf. „Ich?... Zeit? So was gab’s noch, als mein Großvater in Ruhestand ging. Rentner können sich heutzutage die Entdeckung der Langsamkeit nicht mehr leisten. Überhaupt und ganz und gar nicht!“
Ruckartig hob er beide Arme über den Kopf und ließ sie klatschend auf seine Oberschenkel fallen, senkte das Haupt und starrte auf meine Schuhe.
Schulterzuckend, aber unbeeindruckt setzte ich mein Lächeln fort. „Entschuldigung. Aber ich wollte Sie nicht beleidigen!“
„Beleidigen, beleidigen. Ich bin gestresst. Allein die Arztbesuche. Muss heute zum Zahnarzt, zum Orthopäden, zum Internisten, zum …“ Er holte wieder Luft. „Und dann zur Bank. Und überall diese Automaten. In der Beamtenbank, an den Bahnhöfen, an den Straßenbahnhaltestellen…!“
Mit einem erneuten Seufzer sackte er auf seinem Sitz zusammen und sah mich von unten flehendlich an.
„Aber es gibt doch immer Leute, die Ihnen helfen können. Sie müssen nur fragen.“
Als ich „helfen“ sagte, richtete er sich halb wieder auf.
„Helfen? Wer nimmt sich denn die Zeit. Wir Alten sollen doch möglichst autark bleiben. Für unsere Pflege entwickeln sie sogar schon Roboter. Können Sie sich vorstellen, wie liebevoll so ein technisches Monster mit Ihnen umgehen wird, wenn es Ihnen schlimmstenfalls den Hintern abwischt? Können Sie sich das vorstellen?“
Lächelnd schüttelte ich den Kopf.
„Sehn Sie. Das können selbst Sie nicht.“
„Doch bei Ihnen kann ich mir das vorstellen. Und Ihr Roboter wird so programmiert sein, dass er Ihnen sogar zuhört, wenn Sie rumjammern. Was wollen Sie denn noch mehr?“
„Naja, was wir doch alle wollen… . Ne nette junge Pflegerin, natürlich.“
In diesem Moment setzte sich eine junge Blondine neben mich und überließ ihre durch hautengste Jeans nach- und wohlgeformten Beine unseren lüsternen Blicken.
Wir schwiegen beide. Ich, weil ich gerade tief Luft holten wollte, und mein Junggreis gegenüber, da er bereits gierig Luft aus der Umgebung und seinem beachtlichen über den Hosengürtel hängenden Bauch sog, um damit den massigen Oberkörper aufzublähen.
Gleich, so vermutete ich, wird der sich noch mit den Fäusten gegen Brustkorb trommeln.
Doch auf diese Protzgeste verzichtete er und sagte an mich gewandt, obwohl er dabei die langhaarige Blondine anlächelte. „Wissen Sie, wenn ich was nicht ausstehen kann, dann sind das diese alten Männer, die ständig über die heutigen Zeiten und ihren ach so bedauernswerten Zustand jammern.“ Danach musste er erst einmal rasselnd ausatmen.
Natürlich verging mir in dem Moment mein Lächeln. Und vermutlich sah ich plötzlich aus, wie einer jener Alten, die sich ständig und über alles beklagen.
 
Immer mehr nähere ich mich jenem lammfrommen Alter, in dem Menschen den Frieden mit der Welt und ihrem Leben eingehen sollten. Doch ich verspüre nicht einmal Lust, auch nur mit den Friedensverhandlungen zu beginnen. Finde ich doch stets noch viel zu viele Gelegenheiten, mich an Zeitgenossinnen und –genossen zu reiben oder gar zu rächen. Und ausgerechnet meine jeglicher Altersweisheit widersprechenden Rachegelüste treiben mich an.
Die ganz besondere Chance dazu fand ich kürzlich in der Regionalbahn von Engelskirchen nach Köln/Hansaring.
Ein unübersehbar griesgrämiger Junggreis setzte sich mir gegenüber auf den mit blau-orangenem Plüsch bezogenen Sitz und ließ umgehend sich und vor allem seine reichlich feuchten Mundwinkel hängen.
Als ich es mit einem vorsichtigen Lächeln versuchte, nahmen seine Lippen noch mehr die Form einer schmalsten nach unten offenen Mondsichel an. Schließlich holte er unendlich tief Luft. Hielt den Atem einen Moment lang zurück. Und als er schließlich errötete, blies er mir einen tiefen lauwarmen nach Bier riechenden Seufzer entgegen. Danach stimmte er eines seiner vermutlich besonders geliebten Klagelieder an: „Dass die Bahn auch niemals pünktlich sein kann! Immer muss ich warten und warten. Immer ich!“ Dabei füllten sich hinter der schlecht geputzten Hornbrille seine trüben Augen mit ein wenig noch trüberem Salzwasser.
Ich lächelte weiter. „Aber Sie sind sicher Rentner. Da kommt es doch auf ein paar Minuten nicht an. Oder?“
Seine trüben Milchglasaugen klärten sich blitzartig auf. „Ich?... Zeit? So was gab’s noch, als mein Großvater in Ruhestand ging. Rentner können sich heutzutage die Entdeckung der Langsamkeit nicht mehr leisten. Überhaupt und ganz und gar nicht!“
Ruckartig hob er beide Arme über den Kopf und ließ sie klatschend auf seine Oberschenkel fallen, senkte das Haupt und starrte auf meine Schuhe.
Schulterzuckend, aber unbeeindruckt setzte ich mein Lächeln fort. „Entschuldigung. Aber ich wollte Sie nicht beleidigen!“
„Beleidigen, beleidigen. Ich bin gestresst. Allein die Arztbesuche. Muss heute zum Zahnarzt, zum Orthopäden, zum Internisten, zum …“ Er holte wieder Luft. „Und dann zur Bank. Und überall diese Automaten. In der Beamtenbank, an den Bahnhöfen, an den Straßenbahnhaltestellen…!“
Mit einem erneuten Seufzer sackte er auf seinem Sitz zusammen und sah mich von unten flehendlich an.
„Aber es gibt doch immer Leute, die Ihnen helfen können. Sie müssen nur fragen.“
Als ich „helfen“ sagte, richtete er sich halb wieder auf.
„Helfen? Wer nimmt sich denn die Zeit. Wir Alten sollen doch möglichst autark bleiben. Für unsere Pflege entwickeln sie sogar schon Roboter. Können Sie sich vorstellen, wie liebevoll so ein technisches Monster mit Ihnen umgehen wird, wenn es Ihnen schlimmstenfalls den Hintern abwischt? Können Sie sich das vorstellen?“
Lächelnd schüttelte ich den Kopf.
„Sehn Sie. Das können selbst Sie nicht.“
„Doch bei Ihnen kann ich mir das vorstellen. Und Ihr Roboter wird so programmiert sein, dass er Ihnen sogar zuhört, wenn Sie rumjammern. Was wollen Sie denn noch mehr?“
„Naja, was wir doch alle wollen… . Ne nette junge Pflegerin, natürlich.“
In diesem Moment setzte sich eine junge Blondine neben mich und überließ ihre durch hautengste Jeans nach- und wohlgeformten Beine unseren lüsternen Blicken.
Wir schwiegen beide. Ich, weil ich gerade tief Luft holten wollte, und mein Junggreis gegenüber, da er bereits gierig Luft aus der Umgebung und seinem beachtlichen über den Hosengürtel hängenden Bauch sog, um damit den massigen Oberkörper aufzublähen.
Gleich, so vermutete ich, wird der sich noch mit den Fäusten gegen Brustkorb trommeln.
Doch auf diese Protzgeste verzichtete er und sagte an mich gewandt, obwohl er dabei die langhaarige Blondine anlächelte. „Wissen Sie, wenn ich was nicht ausstehen kann, dann sind das diese alten Männer, die ständig über die heutigen Zeiten und ihren ach so bedauernswerten Zustand jammern.“ Danach musste er erst einmal rasselnd ausatmen.
Natürlich verging mir in dem Moment mein Lächeln. Und vermutlich sah ich plötzlich aus, wie einer jener Alten, die sich ständig und über alles beklagen.
 

EviEngel

Mitglied
Ein netter Text, danke dafür.
Die Zeitkompression mit zunehmendem Alter ist wirklich erschreckend, wie ich finde ;-)
Ich würde anstatt 'autark' unabhängig schreiben, ansonsten war es ruckelfrei zu lesen.

Gruß Evi :)
 
Immer mehr nähere ich mich jenem lammfrommen Alter, in dem Menschen den Frieden mit der Welt und ihrem Leben eingehen sollten. Doch ich verspüre nicht einmal Lust, auch nur mit den Friedensverhandlungen zu beginnen. Finde ich doch stets noch viel zu viele Gelegenheiten, mich an Zeitgenossinnen und –genossen zu reiben oder gar zu rächen. Und ausgerechnet meine jeglicher Altersweisheit widersprechenden Rachegelüste treiben mich an.
Die ganz besondere Chance dazu fand ich kürzlich in der Regionalbahn von Engelskirchen nach Köln/Hansaring.
Ein unübersehbar griesgrämiger Junggreis setzte sich mir gegenüber auf den mit blau-orangenem Plüsch bezogenen Sitz und ließ umgehend sich und vor allem seine reichlich feuchten Mundwinkel hängen.
Als ich es mit einem vorsichtigen Lächeln versuchte, nahmen seine Lippen noch mehr die Form einer schmalsten nach unten offenen Mondsichel an. Schließlich holte er unendlich tief Luft. Hielt den Atem einen Moment lang zurück. Und als er schließlich errötete, blies er mir einen tiefen lauwarmen nach Bier riechenden Seufzer entgegen. Danach stimmte er eines seiner vermutlich besonders geliebten Klagelieder an: „Dass die Bahn auch niemals pünktlich sein kann! Immer muss ich warten und warten. Immer ich!“ Dabei füllten sich hinter der schlecht geputzten Hornbrille seine trüben Augen mit ein wenig noch trüberem Salzwasser.
Ich lächelte weiter. „Aber Sie sind sicher Rentner. Da kommt es doch auf ein paar Minuten nicht an. Oder?“
Seine trüben Milchglasaugen klärten sich blitzartig auf. „Ich?... Zeit? So was gab’s noch, als mein Großvater in Ruhestand ging. Rentner können sich heutzutage die Entdeckung der Langsamkeit nicht mehr leisten. Überhaupt und ganz und gar nicht!“
Ruckartig hob er beide Arme über den Kopf und ließ sie klatschend auf seine Oberschenkel fallen, senkte das Haupt und starrte auf meine Schuhe.
Schulterzuckend, aber unbeeindruckt setzte ich mein Lächeln fort. „Entschuldigung. Aber ich wollte Sie nicht beleidigen!“
„Beleidigen, beleidigen. Ich bin gestresst. Allein die Arztbesuche. Muss heute zum Zahnarzt, zum Orthopäden, zum Internisten, zum …“ Er holte wieder Luft. „Und dann zur Bank. Und überall diese Automaten. In der Beamtenbank, an den Bahnhöfen, an den Straßenbahnhaltestellen…!“
Mit einem erneuten Seufzer sackte er auf seinem Sitz zusammen und sah mich von unten flehendlich an.
„Aber es gibt doch immer Leute, die Ihnen helfen können. Sie müssen nur fragen.“
Als ich „helfen“ sagte, richtete er sich halb wieder auf.
„Helfen? Wer nimmt sich denn die Zeit. Wir Alten sollen doch möglichst unabhängig bleiben. Für unsere Pflege entwickeln sie sogar schon Roboter. Können Sie sich vorstellen, wie liebevoll so ein technisches Monster mit Ihnen umgehen wird, wenn es Ihnen schlimmstenfalls den Hintern abwischt? Können Sie sich das vorstellen?“
Lächelnd schüttelte ich den Kopf.
„Sehn Sie. Das können selbst Sie nicht.“
„Doch bei Ihnen kann ich mir das vorstellen. Und Ihr Roboter wird so programmiert sein, dass er Ihnen sogar zuhört, wenn Sie rumjammern. Was wollen Sie denn noch mehr?“
„Naja, was wir doch alle wollen… . Ne nette junge Pflegerin, natürlich.“
In diesem Moment setzte sich eine junge Blondine neben mich und überließ ihre durch hautengste Jeans nach- und wohlgeformten Beine unseren lüsternen Blicken.
Wir schwiegen beide. Ich, weil ich gerade tief Luft holten wollte, und mein Junggreis gegenüber, da er bereits gierig Luft aus der Umgebung und seinem beachtlichen über den Hosengürtel hängenden Bauch sog, um damit den massigen Oberkörper aufzublähen.
Gleich, so vermutete ich, wird der sich noch mit den Fäusten gegen Brustkorb trommeln.
Doch auf diese Protzgeste verzichtete er und sagte an mich gewandt, obwohl er dabei die langhaarige Blondine anlächelte. „Wissen Sie, wenn ich was nicht ausstehen kann, dann sind das diese alten Männer, die ständig über die heutigen Zeiten und ihren ach so bedauernswerten Zustand jammern.“ Danach musste er erst einmal rasselnd ausatmen.
Natürlich verging mir in dem Moment mein Lächeln. Und vermutlich sah ich plötzlich aus, wie einer jener Alten, die sich ständig und über alles beklagen.
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Karl,
an deinem Text gefallen mir insbesondere die plötzlichen, unerwarteten Wendungen wie z.B. das Auftauchen der Blondine, die "Verwandlung" des Nörglers. Dadurch verlässt der Text die zunächst beackerte Ebene "Reflexion über die Jammer-Neigung älterer Semester" (die humorvoll rüberkommt) und die dargestellte Alltagssituation bekommt einen leicht surrealen, verstörenden Touch.

Im Folgenden sind mir noch zwei Fehlerchen aufgefallen:

Wir schwiegen beide. Ich, weil ich gerade tief Luft hol[red]t[/red]en wollte, und mein Junggreis gegenüber, da er bereits gierig Luft aus der Umgebung und seinem beachtlichen über den Hosengürtel hängenden Bauch sog, um damit den massigen Oberkörper aufzublähen.
Gleich, so vermutete ich, wird der sich noch mit den Fäusten gegen [blue]den[/blue] Brustkorb trommeln.
Grüßle
wüstenrose
 

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