Sie kam nackt nach Darenwede und brachte Bier mit Erster Teil

Hagen

Mitglied
Sie kam nackt nach Darenwede und brachte Bier mit

Nachdem Frau Luise das gemeinsame Haus nach der Scheidung verlassen hatte, lebte Rolf Röhricht, der Klempnermeister Darenwedes, richtig auf. Er musste nicht mehr zum Rauchen in den Partykeller gehen, die Buchführung wurde fortan von Frau Frederike Federkiel erledigt und einmal die Woche kam Frau Elvira Schrubber-Stiehl zum Saubermachen. Mit seinen beiden Gesellen und den vier Lehrlingen erlebte die Firma einen grandiosen Aufschwung, und Rolf konnte, nach mancher Überstunde versteht sich, noch das eine oder andere Bier mit seinen Kumpels im Partykeller verkosten.
Die kamen nicht zuletzt wegen des Dartbords und des Flippers welche Rolf kurz nachdem Luise fortgegangen war, beschafft hatte. Die Anschaffung einer original Wurlitzer Juke-Box war geplant, aber aus Kostengründen noch nicht durchgeführt.
Luise wollte den Partykeller nur zum Feiern in ihrem Sinne haben, duldete kein Dartbord und keinen Flipper, und aus der Musikanlage drang nur Ronald Kaiser und Andrea Berg. Kein Wunder, dass sich immer weniger Gäste einfanden, und die Nachbarn motzten rum, weil es ständig so laut war. In einem Reihenhaus musste man schließlich ruhig sein und Kontenance bewahren.
Lediglich das Klavier duldete Frau Luise, weil sie zu ihren Gesangsstunden Klavierbegleitung benötigte, und im Wohnzimmer absolut kein Platz war. Damit war es jetzt vorbei, vorbei mit der ‘launischen Forelle’ und irgendwelchen Vögeln, die ‘ihr bebend Gefieder hoben’.
Aus der Musikanlage drang nun Duane Eddy, Brian Setzer, the Boppers, the Replays und ähnliches, in gemäßigter Lautstärke, aber so, dass die Bässe noch gut kamen. Man hatte etwas mehr Zeit zum Üben, nachdem Rolf Röhricht mit seinen Kumpels eine Band gegründet hatte und erwog, das ‘Darenweder Roof Orchester‘ in ‘Darenweder Ballroom Orchester‘ umzubenennen, weil sich die musikalische Grundrichtung des ‘Orchesters‘ weg vom Swing und mehr zum Rockabilly, Doo-Wop und Boogie-Woogie ruckartig entwickelt hatte.
Nicht, um groß rauszukommen, machten sie Musik, lediglich aus Spaß an der Freude, und weil man für Rockabilly, Doo-Wop und Boogie-Woogie kein gewaltiges Bühnenequipment braucht. Auf traten sie, wenn überhaupt, nur in kleinen Clubs und vor handverlesenem Publikum, welches noch Interesse an dieser veralteten Musik hatte.
Mit dem Verkauf des Ferienhauses im Harz war Frau Luise großzügig abgefunden, und das Klavier wurde von Rolf und seinen Kumpels ins Wohnzimmer gebracht, an die Stelle wo die Récamière von Frau Luise gestanden hatte.
In stillen Stunden spielte Rolf Röhricht die Stücke von Martin Pyrker, Silvan Zingg und Scott Joplin. Er traute sich auch mal an einen Schostakowitsch oder einen Tschaikowsky heran, aber das glitt meistens in einen dreckigen Boogie ab und Rolf ließ es damit bewenden, schließlich war er nur ein Amateur.

Aus dieser Idylle wurde er jäh gerissen, als ihn ein Anruf Fräulein Sieglinde Liebeneiners erreichte; - irgendwas war mit ihrem Wasserhahn.
Obwohl er eigentlich schon Feierabend hatte, fuhr er noch mal eben schnell hin, viel konnte ja nicht sein, und niemand wartete auf ihn.
Der Wasserhahn war schnell repariert, und ebenso schnell hatte Fräulein Liebeneiner Kaffee gekocht und ein paar Schokoladenkekse auf ein Tellerchen gelegt. Bei dem Genuss des Kaffees, stark und schwarz, und der Schokoladenkekse, dunkelbraun und herzhaft, kamen sich die beiden schnell näher. Man plauderte über Gott und die Welt, entdeckte sogar Gemeinsamkeiten, ging noch eine Currywurst essen und Fräulein Liebeneiner versprach, Herrn Röhricht recht bald mal zu besuchen.
Da es spät geworden war den Abend, und man am nächsten Morgen früh raus musste, wegen der Arbeit, kam Rolf nicht mehr mit hoch, aber Fräulein Siglinde Liebeneiner sah ihm lange nach, als er davon fuhr …

Am nächsten Tag kamen Rolfs Kumpels, und die brachten Frau Corinna Kerbelkern mit. Frau Kerbelkern war schon zweimal geschieden und wusste genau wie man mit Männern umgeht; - glaubte sie zumindest.
Frau Kerbelkern wollte weder Flippern noch Darten, sie wollte kein Bier sondern Tee. Das sah böse aus, obwohl die Auswahl groß war: Pils war zu haben, Helles, Export, Lager, Porter, Alt, Kölsch, Weißbier, Schwarzbier, Rotbier, Münchener Dunkel, Märzen, Dinkelbier sogar Stout und Ale war verfügbar, aber Tee?
Rolf Röhricht zuckte bedauernd die Schultern. Außer Kaffee gab es im Hause Röhricht keine alkoholfreien Getränke.
Dann sollte es wenigstens Berliner Weiße sein, da sie so spät am Abend keinen Kaffee mehr zu sich nahm, weil sie konnte dann die ganze Nacht nicht schlafen. Da man für Berliner Weiße üblen Sirup benötigt, entfiel auch dieses, ebenso wie Radler oder so ein Zeug wie Erdbeerbier oder ähnliches. Es gab nur Bier, gutes, ehrliches Bier in mannigfacher Auswahl.
Allgemeines Bedauern und Öffnen der ersten Flaschen.
Lager.
Damit war es aber noch nicht getan. Einer von Rolfs Kumpels hatte zwischenzeitlich die Musikanlage aktiviert. Als Duane Eddys ‘Rebel Rouser‘ erklang, bezeichnete Frau Kerbelkern diese Musik als ‘Krach‘ sie wollte Deutsche Schlager hören, außerdem konnte sie den Qualm nicht aushalten, und ob es denn möglich wäre, dass Rolf und seine Kumpels das Rauchen einstellen würden. Man sollte sowieso ein generelles Rauchverbot erlassen, wenn Damen im Raum wären – auch in Privathäusern – und überhaupt …
Gewiss, seine Kumpels hatten es gut gemeint, indem sie Frau Kerbelkern mitbrachten, aber dass es derart desaströs enden würde, hatten sie nicht gedacht. Frau Kerbelkern sah auch ein, dass sie noch viel zu lernen hatte, und einer von Rolfs Kumpels brachte sie nach Hause.

Seine Kumpels waren echt traurig, und sie versuchten dieses Verhängnis wider gut zu machen, indem sie beim nächsten Mal Frau Sybille Pfannenschmidt mitbrachten.
Frau Sybille Pfannenschmidt hatte eine Einkaufstasche mit, wollte erst mal wissen, wo die Küche ist, und scheuchte Rolf und seine Kumpels in den Partykeller. Sie wollte was kochen, etwas Gutes, war den Herren gar wohl munden würde.
Das hörte sich gut an, Rolf und seine Kumpels rechneten mit Steaks oder Currywurst.
Aber als Frau Pfannenschmidt nach zwei Stunden ein Tofugericht mit Paprika, Salbei, Majoran, Basilikum noch irgendwelchen Gewürzen wie Knoblauch und sonem Zeugs, viel Kartoffeln und Kümmel servierte, Begeisterung erwartete und einen Vortrag über vegetarische Kost hielt, rasteten sie alle aus.
Während sie köstliche Pizzen, Prosciutto Funghi mit extra Käse vom Nudeldienst bestellten, füllte Frau Pfannenschmidt mit beleidigtem Gesicht das von ihr gekochte Zeug in zwei Töpfe und schritt hoch erhobenen Hauptes von dannen.
Das die Töpfe fortan in Rolf Röhrichts Küche fehlten, fiel nicht weiter auf, da er ohnehin nur Steaks, Currywurst oder bei besonderen Gelegenheiten Chili con Carne zubereitete; - ein gut durchrationalisierter Junggesellenhaushalt eben.
Frau Elvira Schrubber-Stiehl hatte am nächsten Tag allerdings gut zu tun, die Küche wieder in einen akzeptablen Zustand zu versetzen, denn Frau Pfannenschmidt hatte nicht im Traum dran gedacht, aufzuräumen. Die Kollateralschäden waren immens, in etwa so, als hätte eine Horde marodierender Söldner eine Woche Urlaub in der Küche absolviert.

Rolfs Kumpels konnten einfach nicht verstehen, dass er nach der Arbeit lediglich seine Ruhe haben wollte, hin und wieder mal ein Bier trinken, Klavier spielen oder ganz in Ruhe einen Film von vorne bis hinten gucken.
Erst als Frau Ingelore Logemann zu Besuch kam, und meinte, dass kein Mensch mehr Rockabilly und Boogie-Woogie hören würde, und sie man lieber Deutsche Schlager spielen sollten, um aufzutreten und groß herauszukommen, begriffen sie, dass ihre gut gemeinten Verkupplungsversuche irgendwie nicht das brachten, was sie sich vorgestellt hatten, zumal Rolf Röhricht Frau Ingelore Logemann später in seinem Wohnzimmer einige Stücke von Scott Joplin vorspielte, sie jedoch Starpianisten wie Richard Clayderman erwähnte und Rolfs Klavierspiel als ‘Geklimper‘ bezeichnete.
Dabei hieß es doch: ‘Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen‘!

Egal, das Leben ging unerbittlich weiter, und Rolf Röhricht dachte mit Wehmut an Fräulein Sieglinde Liebeneiner, und wie sie zusammen Kaffee getrunken und Kekse gegessen hatten. Peinlicherweise hatte er ihre Adresse verbumfiedelt, aber dass sie versprochen hatte, ihn recht bald zu besuchen, das hatte er nicht vergessen.
Leider waren seine Kumpels da, als Fräulein Liebeneiner doch noch in einem taktisch günstigen Moment tatsächlich entlang kam; - nein, sie erschien!

Fortsetzung folgt
 

Oben Unten