Somewhere over the rainbow

Else Marie

Mitglied
Von der Nacht und dem Tag

Eine Übung zum kreativen Schreiben - Inspiriert durch das Lied „Somewhere over the rainbow“

Als ich mitten in der Nacht aufwache, versuche ich mich an meine Träume zu erinnern. Doch mehr als das vage Gefühl der Aufregung kann ich in meinem Kopf nicht mehr finden. Die Träume sind vorbei, sind wie kleine blaue Vögel hinfort geflogen. Ich stelle mir vor, wie sie zum Himmel fliegen, immer kleiner werden und dann verschwinden. Auf Wiedersehen, ihr lieben Träume.

Durch mein Schlafzimmerfenster scheint der Mond. Ein abnehmender Mond, der sich langsam wieder in die Form einer Sichel begibt. Meine Fensterläden bleiben immer offen, weil ich weder die zauberhafte Nacht noch den magischen Tagesanbruch ausschließen will. Die Dunkelheit ist mir genauso willkommen wie jeder einzelne Sonnenstrahl, der vom Himmel durch das Fenster scheint und mich an der Nase kitzelt.

Neugierig schaue ich aus dem Fenster, werfe einen Blick auf die Dächer der Stadt. Wie es wohl wäre, im Mondschein über die Dächer zu laufen und pfeifend um die Schornsteine zu tanzen? Lächelnd blicke ich nach oben. Die Nacht ist sternenklar. Ein Zelt aus unzähligen kleinen Funkellichtern. Ob meine blauen Traumvögel bis hinauf zu den Sternen geflogen sind?

Nachdem ich noch ein paar tiefe Züge der frischen Nachtluft genommen habe, lege ich mich wieder in mein Bett, in der Hoffnung, einen weiteren Traum träumen zu dürfen.

Doch, so wie es eben manchmal im Leben spielt, wurde mein Wunsch nicht erfüllt.

Es ist Sonntag. Der Himmel ist blau.

Die Sonne war bereits bis ganz nach oben gewandert, als ich beschließe in den Park zu gehen, um ein paar Schritte zu laufen. Ich schlenderte an den rot blühenden Rosensträuchern vorbei und dann hinauf zu der Wiese mit den hohen Bäumen, unter deren Schatten immer ein freies Plätzchen zu finden ist. Dort setzte ich mich und krame aus meiner Hosentasche einen Bonbon hervor. Zitrone, meine Lieblingssorte. Der säuerlich süße Geschmack zieht meine Mundwinkel ganz automatisch nach oben.

Eine Frau nähert sich mit einem Kinderwagen. Ich höre das Baby darin weinen. Irgendwann wird es auch Zirtonenbonbons lutschen können und dann wird es schnell merken, dass mit ihm jedes Problem dahinschmilzt. Ich beobachte gerührt, wie seine Mutter sich über den Wagen beugt, leise ein Gutenachlied singt und flüstert: „Schlaf ein! Ich liebe dich!“ Dann hält sie plötzlich inne und sieht nach oben. Ich folge ihrem Blick. Regenwolken! Unauffällig und leise waren sie herbeigezogen und werfen nun ihre Tropfen auf die Erde. Eilig schiebt die Frau den Wagen weiter.

Ich hingegen bleib sitzen, denn es gewittert nicht und unter dem Baum bleibe ich trocken. Trotz der Regenwolken strahlt die Sonne vom Himmel und taucht die Welt in ein geheimnisvolles Licht. Vorfreudig stehe ich auf und suche den Himmel. Dort! Da ist er, unbeschreiblich schön: Ein Regenbogen. Auch andere Menschen blicken staunend in den Himmel. Einige fassen sich vor Freude an den Händen.

Schöner hätte es auch in meinen Träumen nicht sein können.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Else Marie,

Es ist Sonntag. Der Himmel ist blau.

Die Sonne war bereits bis ganz nach oben gewandert, als ich beschließe in den Park zu gehen, um ein paar Schritte zu laufen. Ich schlenderte an den rot blühenden Rosensträuchern vorbei und dann hinauf zu der Wiese mit den hohen Bäumen, unter deren Schatten immer ein freies Plätzchen zu finden ist. Dort setzte ich mich und krame aus meiner Hosentasche einen Bonbon hervor. Zitrone, meine Lieblingssorte. Der säuerlich süße Geschmack zieht meine Mundwinkel ganz automatisch nach oben.

Eine Frau nähert sich mit einem Kinderwagen. Ich höre das Baby darin weinen. Irgendwann wird es auch Zirtonenbonbons lutschen können und dann wird es schnell merken, dass mit ihm jedes Problem dahinschmilzt. Ich beobachte gerührt, wie seine Mutter sich über den Wagen beugt, leise ein Gutenachlied singt und flüstert: „Schlaf ein! Ich liebe dich!“ Dann hält sie plötzlich inne und sieht nach oben. Ich folge ihrem Blick. Regenwolken! Unauffällig und leise waren sie herbeigezogen und werfen nun ihre Tropfen auf die Erde. Eilig schiebt die Frau den Wagen weiter.
Dieser Teil würde sich noch etwas ausgebaut für eine Kurzgeschichte eignen oder so wie er ist als Kurzprosa. Auf jeden Fall würde ich den Schluss offen gestalten und keine Wertung einbauen.

Der Rest ist sehr euphorisch, fast poetisch, geschrieben. Das mag nicht so recht zur Szene im Park passen.
Ich würde daraus ein Gedicht machen.

Liebe Grüße
Manfred
 

Else Marie

Mitglied
Hallo Manfred, danke :)

das mit dem offenen Schluss find ich gut, Und das mit der Wertung auch...
Es war ein Versuch, mein erster, mich von der Stimmung eines Liedes mitreißen zu lassen und einfach drauf loszuschreiben, was mir in den Sinn kommt.
Jetzt werde es weiterentwickeln und so gestalten, dass es nicht ganz so poetisch wirkt ;)
Vielleicht geh ich auch in eine düstere Richtung. Mal gucken.
Macht auf jeden Fall Spaß, kreativ zu sein.

Liebe Grüße, Else Marie
 

Ji Rina

Mitglied
Der erste Teil ist schön, wie Manfred sagt, fast poetisch.
"Die düstere Richtung" fänd ich besonders spanned.
Gruss, Ji
 

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