Sonntag bei Hempels

Sonntag bei Hempels
satirische Betrachtungen


He Alter, hol den Totschläger raus
wir überfallen den Postboten im Haus
und gib endlich her deine Kohlen
ich will mir doch Rauschgift holen.

Mein Bübchen, sei nicht grob zu Papa
ich war doch immer nur für dich da
und schau nicht so kläglich betroffen
denn das Geld hab' ich längs versoffen.

Wo war die Mama denn abgeblieben
hat sich bestimmt wieder rumgetrieben
mit dem Gangster Schweinebacke
dort hinten aus der Holzbaracke.

Mein Bübchen, das musst du verstehen
denn bei Tageslicht richtig besehen
kassiert sie doch nur mit feinem Gespür
von dem Kerl die teure Liegegebühr.

Und mein Onkel, der schlechte Hund
treibt es wieder mal viel zu bunt
hab' ihn vorhin in der Kirche gesehen
verdächtig nah beim Opferstock stehen.

Mein Bübchen, Onkel Eberhard
ist nun wirklich sehr apart
hilfsbereit will er die Knete holen
und so des Pfarrers Rücken schonen.

Frohen Tag noch, o mein Papa
du kannst mich mal, doch das weißt du ja
wenn ich erst zwölf bin werdet ihr sehn
Erziehung ohne Vorbild ist wunderschön.
 

La Luna

Mitglied
Hallo lieber Willi,

ein sehr kritisches Gedicht....gut gelungen.
Bei der "Liegegebühr" musste ich aber dennoch heftig schmunzeln.

Liebe Grüße
Julia
 
Liebe Julia

vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.
Hast Recht, der Text ist hart. Doch wenn man das familiäre Umfeld sieht, in dem manche Kinder verzogen werden, packt einen schon der Zorn. Hier sollten - bei aller Toleranz - gewisse Spielregeln angemahnt werden
findet
Willi
 
Stimmt, Sanne,

das Elternhaus ist maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des Kindes, zumindest in den ersten zehn Lebensjahren. Wenn hier keine Grenzen abgesteckt werden und - noch viel schlimmer - jede Vorbildfunktion fehlt, darf sich niemand über das oben geschilderte Verhalten des Jungen wundern.
Es grüßt dich lieb
Willi
 

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