Spät sommer morgen maler

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Walther

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Spät sommer morgen maler

Der morgen raschelte sich
aus ersten blättern die ihm auf
die lider gefallen waren bauch
nabel & schoß bedeckten dass
sich auch niemand erschrak

Er strich den horizont erst lila
dann karmesin dann blut rot,
mischte ein wenig gelb hin zu
bis ihn das sonnen licht der
art kitzelte dass er niesen musste &

Den rasen befeuchtete & betaute
so gar die auto scheiben schienen
zu schwitzen ob gleich der wind
doch ganz kalte hände hatte
schließlich mischte er blau &

Vermaß den himmel mit großen
zügen: er hatte eine farb rolle
in der hand – kürzlich im bau
markt er standen & lächelte ein
bäuschen weiß in die bläue &

Noch eins & noch eins - irgend
wann ging es gegen mit
tag & der morgen ver schwand
Im dämmer licht des halb schattens
dreier blut buchen & ruhte aus
 
Zuletzt bearbeitet:

Mimi

Mitglied
Hallo Walther,
ein schönes Spätsommerbild...
In Strophe 1 sollte es da vielleicht "bauch nabel" lauten?
In der letzten Strophe müsste "Noch" stehen, wenn ich es richtig gelesen habe.

Gruß
Mimi
 

Walther

Mitglied
Hallo Walther,
ein schönes Spätsommerbild...
In Strophe 1 sollte es da vielleicht "bauch nabel" lauten?
In der letzten Strophe müsste "Noch" stehen, wenn ich es richtig gelesen habe.

Gruß
Mimi
Hi Mimi,
danke fürs lesen. ich war mal wieder "betriebsblind". die bugs sind jetzt draußen!
lg W.
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich überlege, lieber Walther,

ob Gedichte, die mit Farben "arbeiten", ein eigenes Genre bilden. So, wie Musik im Feld der zeitlichen Künste - vorgetragene Dichtung und kultische Rezitation, Bühnendrama, Film, Ballett, der Ikebana-Dreiklang eines Haiku usw. - eine ganz eigene, gewaltig große Sparte besitzt. Benn war angeblich dagegen, aber die Beispiele bei Trakl wiegen schwerer, erheblich schwerer. Nun ja, außer dem Trakl fällt mir ein Literaturbeispiel ein, das gar nicht in die Dichtung, sondern in die Prosa gehört: Hesses "Klingsohr"-Novelle. Man braucht fast nicht mit Farben zu "arbeiten", die tun das schon von alleine, malen sich durch den inneren Film des Lesers. Was für sie spricht, niemals gegen sie.

grusz, hansz
 

Walther

Mitglied
Ich überlege, lieber Walther,

ob Gedichte, die mit Farben "arbeiten", ein eigenes Genre bilden. So, wie Musik im Feld der zeitlichen Künste - vorgetragene Dichtung und kultische Rezitation, Bühnendrama, Film, Ballett, der Ikebana-Dreiklang eines Haiku usw. - eine ganz eigene, gewaltig große Sparte besitzt. Benn war angeblich dagegen, aber die Beispiele bei Trakl wiegen schwerer, erheblich schwerer. Nun ja, außer dem Trakl fällt mir ein Literaturbeispiel ein, das gar nicht in die Dichtung, sondern in die Prosa gehört: Hesses "Klingsohr"-Novelle. Man braucht fast nicht mit Farben zu "arbeiten", die tun das schon von alleine, malen sich durch den inneren Film des Lesers. Was für sie spricht, niemals gegen sie.

grusz, hansz
Hallo Hansz,
danke fürs lesen und deine gedanken. das ist poetische prosa. leider kann man das hier nicht anders zuordnen.
wer solche texte verfasst, ist ein grenzgänger. das bild steht im vordergrund. der schaffensprozess ist darauf ausgerichtet. der leser wird mitgenommen bei dieser reise. niemand malt schönes als die natur selbst.
lg W.

der dichter dankt @Mondnein für die leseempfehlung!
 


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