Sprachkonfetti und gefüllte Wortkrapfen!

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„Ich bin zu Tode gerührt, sprach der Kaffee, und wurde blass vor Milch!“ – Dieser philosophische Kernsatz wurde kürzlich in meiner Schafkopf-Runde geprägt, die im übrigen ganz andere Probleme hat: seit längerem gibt es Diskussionen um den „Tarif“. Über 20 Jahre lang haben wir ein simples Zehn-Zwanzig-Fünfzig gespielt und dann kam der Euro. Da fehlt uns jetzt die 25-Cent-Münze. Und nun drängen Alfred und Horst auf Abrundung – 20 Cent fürs Solo, während Erwin nonchalant auf ein Euro fürs „Herzsticht“ plädiert und damit alle Geldbörsen und finanziellen Möglichkeiten sprengt.

Es ist ganz typisch für die öffentliche Meinung, dass sie sich mit den Randthemen wie Inflation, Stabilität, Wechselkurs oder Preisentwicklung kaum beschäftigt, dafür aber die wirklichen Traumata des Volkes antastet: wie schreibt man Euro in der Mehrzahl? Euros, Euri, Euroten, Eurien? Oder wie nennt man das neue Geld im Genitiv beim Namen: des Euros, der Euroten? Oder bleibt – Plural hin/Deklination her – immer alles beim Alten – sprich beim Neuen: beim Euro! Im Duden steht: >Euro, der; - -; europäische Währungseinheit<. Aber da steht ja so allerhand, seit der sogenannten Rechtschreibreform!

Und nicht nur deshalb, weil man ja bekanntlich im Fasching jede Menge Geld in die Gaudi investiert, bin ich jetzt endlich beim Thema: die Logik der Deutschen Sprache bzw. Sprachkonfetti und Wortkrapfen. Das fängt beim Faschingszug an. Wenn nämlich der Personenzug Personen transportiert, der Güterzug Güter, der Schlafwagenzug Schlafwägen und der Lkw-Zug Lkws, befördert dann der Faschingszug den Fasching? Ich weiß schon, eigentlich – hochsprachlich – muss es Faschingsumzug heißen. Aber das macht die Sache auch nicht ernsthaft besser, denn wenn beim Wohnungsumzug, die Wohnung gewechselt wird, was passiert dann beim Faschingsumzug mit dem Fasching?

Da aber beim Faschingsumzug auf alle Fälle jede Menge Umgezogene, Gardemädchen in knappen Kostümen und Bonbon werfende Elferräte in schillernder Montur, von getarnten Traktoren auf liebevoll geschmückten Anhängern durch die Straßen gezogen werden, mag das alles noch angehen. Was aber soll man von allgemein gebräuchlichen Worten wie „Unfallinstandsetzung“ oder „Unfall-Reparatur“ halten. Diese Begriffe liegen nun völlig daneben, auch wenn man sie laufend auf Geschäftsfahrzeugen, Anhängern und Reklametafeln lesen kann; denn mitnichten wird doch der Unfall instand gesetzt, sondern hoffentlich das beschädigte Auto. Und nicht der Unfall wird repariert, sondern der eingebeulte Kotflügel.

Der Sprachfasching geht weiter – und hat am Aschermittwoch leider kein Ende. Seit die Börse ein Tummelplatz für jedermann geworden ist und sämtliche Kleinsparer ihre persönlichen Verluste am Neuen Markt gemacht haben, hantiert alle Welt mit dem griffigen Wort „Gewinnwarnung“. Erfahrende Aktionäre wissen natürlich, dass in diesem Fall nicht davor gewarnt wird, dass der Kursgewinn zu hoch sein könnte. Im Gegenteil: auch wenn im Falle der Haiwarnung vor Haien und bei Sturmwarnung vor Stürmen gewarnt wird, bei Gewinnwarnung drohen herbe Verluste. Und das soll ein kleiner unbedarfter Mensch mit einem Rest von Sprachgefühl dann noch verstehen.

Kürzlich beim Skifahren im Hotel: Also, ich bin schon auf der Piste Ski gefahren. Aber gewohnt hab' ich im Hotel. Und da las ich im Aufzug immer stirnrunzelnd neben dem zweiten roten Knopf von unten das rätselhafte Wort „Gästewäscherei“. Also in der Flaschenwäscherei der Brauereien werden die Flaschen gewaschen, in der Gardinenwäscherei die Gardinen, in der Kieswäscherei der Kies. Was aber geschieht in der Gästewäscherei, wenn doch alle Zimmer im Haus mit komfortablen Nasszellen bzw. Bädern ausgestattet sind?

Zum Schluss will ich noch eine Geschichte erzählen, die fast tragisch ausgegangen wäre. Ich wollte gerade bei meinem Zahnarzt klingeln, da las ich das Schild im Treppenhaus: „Bitte Füße abstreifen!“ – Ich versuchte alles. Stundenlang. Da sich meine Füße aber partout nicht abstreifen ließen, kehrte ich schließlich trotz heftiger Zahnschmerzen unverrichteter Dinge nach Hause zurück.
 

Isbahan

Mitglied
Ich bin für "Euronen" und kann aus Erfahrung sagen, dass bei der "Seniorenwäsche" keinesfalls auch nur ein verwahrloster Senior gewaschen wird. Ich hab`s versucht. Mit Opa …
 

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