Stanze von den alten Ölen und den Geistesblitzen

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HerbertH

Mitglied
Ein Tor zu öffnen in ein neues Denken
wird oft genannt, doch selten nur erreicht.
Denn meistens wird man alte Öle schwenken,
im Glauben, dass der Dunst ja gleich entweicht -
den geistig Armen wird's den Darm verrenken
mit Nahrung, die dem Altbekannten gleicht.
Wie köstlich aber schmecken Geistesblitze,
sie wecken aus der dumpfen Mittagshitze.
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Herbert,

für mich eine sonst gut geschriebene Collage etwas schiefer Bilder. Ich hab da einen Weinschwenker mit der falschen Füllung, verknotetes Pupsgedärm und einen an der Zunge angesetzten Elektroschocker vor Augen und fremdle von daher sehr mit diesem Gedicht...

Gruss

Jürgen
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Jürgen,

erfrischend, Deine Sichtweise. :D

Fehlt eigentlich noch, dass die Geistesblitze in der Wokpfanne die alten Öle richtig explodieren lassen, woraufhin sich die Gedärme nach der Wärme dehnen? ;)

Aber man kann auch anders damit umgehen, denke ich.

Liebe Grüße

Herbert
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Herbert,

natürlich kann man anders damit umgehen. Ich sehe eben eine "klassische" Stanze mit Metaphern, die bei mir komische Bilder auslösen. Ich habe eben eine sehr bildliche Phantasie... :S

Das Ding ist ohne Zweifel gut gemacht aber bei mir wirkt das Kopfkino eben etwas bizarr. Wenn das nur bei mir der Fall ist, ist alles gut (ich ticke eh nicht ganz normal).... :D

Gruss

Jürgen
 

HerbertH

Mitglied
Ja, das Kopfkino ...

Dass der Darm immer solche Assoziationen auslöst :D

Dass die Bilder durchaus - passend zum Inhalt - spassig gelesen werden können, wollte ja auch der Titel schon nahelegen.

Liebe Grüße

Herbert
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich habe nachgeschaut, was "Fremdeln" bedeutet.
Es ist im Wesentlichen die Angst vor Fremden in einem Entwicklungsstadium des Säuglings vom 8. Monat an bit etwa 2. Lebensjahr. Ich sehe es also als Metapher an, das JoteS dem Gedicht fremd gegenübersteht, es also fürchtet und ablehnt. Fremdeln ist aber eine zeitweilige Erscheinung, die wieder vergehen wird, wenn man mehr lernt. Habe ich das einigermaßen korrekt verstanden?
(Früher hatte ich intuitiv vermutet "Fremdeln" sei Anbändeln mit Fremden, das ist aber hier nicht gemeint.)

Für mich erzeugt das Gedicht eine andere Wahrnehmung, und ich sehe es in der Nähe alten christlich-abendländischen Denkens.

Schwenken ... hier habe ich das Bild eines Priesters vor Augen, der Weihrauch schwenkt, der Öle schwenkt, alt, auf historische Art. Der Dunst von Krankheit und Öl entweicht, die Miasmen entschwinden - das ist die Hoffnung.

Gehen wir weiter. Es geht um das Denken. Die christlichen Symbole (schwenken, und "die da geistig arm sind) sind Staffage, Symbole, poetische Bilder.

Auch die "Därme" reihen sich ein, zum einen durch gestörte Verdauung (da gehe ich mit JoteS mit) und zum anderen durch altes Öl in alten Schläuchen (statt neuer Wein in alten Schläuchen).

Alles ist starr, dumpf. Man braucht einen Geistesblitz, neue Ideen, die aufwecken, die befreien.

Da ich hier JoteS zitiere muss ich es nun auch im nichtöffentlichen Bereich bringen. (Zum einen und hauptsächlich wegen des Urheberrechts, zum anderen, weil die Leser sonst nicht sehen, um was es geht.)
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
...das Fremdeln hat übrigens aufgehört. Die Bilder finde ich nun stimmig. Jetzt finde ich die Aussage etwas banal, aber das ist sie bei meinen Gedichten oft auch. ;)
 

Label

Mitglied
Lieber Herbert

diese Verse widersetzten sich mir:

Denn meistens wird man alte Öle schwenken,
im Glauben, dass der Dunst ja gleich entweicht -
den geistig Armen wird's den Darm verrenken

ich denke zwar, dass die alten Öle für ein konservatives Weltbild stehen, oder für das Unvermögen Neues unvoreingenommen zu betrachten und zu prüfen, aber warum Öl?

Weihrauch erschiene mir, falls ich mit meiner Vermutung richtig liege noch stimmiger.

liebe Grüße
Label
 

HerbertH

Mitglied
Ihr Lieben,

leider bin ich im Augenblick unter Zeitdruck. Ich kann daher nicht so ausführlich antworten, wie Ihr es verdient.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Ein Tor zu öffnen in ein neues Denken
wird oft genannt, doch selten nur erreicht.
Denn meistens wird man alte Öle schwenken,
im Glauben, dass der Dunst ja gleich entweicht -
den geistig Armen wird's den Darm verrenken
mit Nahrung, die dem Altbekannten gleicht.
Wie köstlich aber schmecken Geistesblitze,
sie wecken aus der dumpfen Mittagshitze.

Rezitation: mp3/114476_clip008.mp3
 

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