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Steht

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Vera-Lena

Mitglied
Lieber Walther,

da hast Du gleich zwei Gestalten aus der griechischen Mythologie vereint und siehe, es passt, jedenfalls nach meinem Verständnis.

Wenn der Mensch übermäßig zu irgendetwas greift, so dass es ihm schadet, also wenn er seine Gier nicht zu überwinden versteht, dann bringt er diesen Fehler auch bei einer Neugeburt wieder mit auf die Erde, denn er soll ja lernen, Negatives zu überwinden, indem er es gegen etwas Positives austauscht, in diesem Falle gegen ein maßvolles Verhalten.

Kurz und knapp:Auch der Phönix konnte ihn nicht aus seiner Qual erlösen.

Der Text ruft geradezu nach einem Pendant, finde ich, da man dem Leidenden ja eine Erlösung wünscht.

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

Walther

Mitglied
Steht


Da hat einer wacker
steine bewegt – diesen berg
hang hin auf
ihr wißt schon den da
bei dem alles wieder runter
rollt was man rauf
rollt

Die leber hat der gin
gefressen – das tonic
hat er gespart & den
greif

Vogel fliegen lassen da
mit ihm die sonne die
federn versengt:
nun steht er schwer
atmig breit beinig &
röchelt seinen
schmerz ans firmament
 

Walther

Mitglied
Lb Vera-Lena,

in der tat. die griechischen sagen kennen de facto kein "happy end". das mußte das christentum hinzufügen. ;)

danke fürs reinlesen und fast komplett entschlüsseln. ich habe noch zwei weitere drin vergraben.

und danke für die tolle wertung!

lg W.
 

Label

Mitglied
gefällt mir auch sehr gut, lieber Walther
und schließe mich Vera-Lenas Kommentar an

"sisyphus, prometheus und vielleicht ein quäntchen ikarus"

hmm röchelt Atlas?
Das Ganze zusammengenommen hat mich an an einen Mythenverfechter, also an eine noch lebende Person denken lassen. ;)

lieber Gruß
Label
 
Lieber Walther,
immerhin finde ich es mutig, die griechische Mythologie für ein modernes Gedicht zu nutzen. Wem es so gelingt wie Dir, dem gebührt Bewunderung.
Glückwunsch und Gruß
Karl
 

Mondnein

Mitglied
Mich beeindruckt die coole "Wetgwerf"-Sprache dieses Gedichts. Diese Kombination von heftiger Dynamik und Trockenheit, durchädert von Ansprache des Lesers (wie heißt das noch, so vom Bühnenrand hinab ins Publikum?) und einem zwischendrin geöffneten Interpretationsfenster zu unserer Alkoholkultur, -

das ist ein Geschmacksfaktor gegen das altphilologische Pathos und den Neoklassizismus anderer Mythenbeleber, und natürlich auch gegen die kindische Nacherzählung, wie sie in Hollywood gepflegt wird, wo dann alle poetischen und tragischen Substanzen verschwinden. (Wobei ich durchaus ein Freund guter Hollywooderzählungen bin; aber es gibt drei genera, wo es regelmäßuig schiefläuft: bei Mythen, bei Märchen und bei dem Versuch, Könige, Königinnen oder andere mittelalterliche Gesalbte zu verstehen, aber das ist ein weiteres Feld.)

Ein Glanzstück, Dein Gedicht.
 

Der Andere

Mitglied
lieber Walther,
das gehört zu den besten Gedichten, die ich bislang von dir gelesen habe (zugegenermaßen habe ich aber auch nie in den hier geschätzten Festen Formen gelesen).
warum?
weil es dir hier gelingt, wie die weise Verneinung des Mondes, der ich fürs Hervorholen danken will, es auch schon bemerkte, in einer sehr eigenen sprachhaltung mythologie mit modernen motiven zu verbinden. dabei ist das gedicht wunderbar dicht geblieben.
sehr gern gelesen,
der Andere
 

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Walther

auch ich bin begeistert von diesem Werk, kann jedoch neben Sisyphos, Prometheus und Ikarus keine weiteren mythologischen Bezüge finden.

Das Werk ist mir eine Lehre. Die Worttrennung über Verse und Strophen hinweg reißt die Aufmerksamkeit auf sich und erlaubt es, das Gedicht ganz aufs Neue mit

zu erleben, sozusagen fast beim Entstehungsprozess und beim Sich-Entfalten zu beobachten.

Die letzte Strophe ist mir vielleicht am liebsten, wie er "schwer atmig [und] breit beinig" "seinen schmerz ans firmament" "röchelt".

-Peter
 

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Den Mythos von Atlas kenne ich leider nicht, sollte ich vielleicht nachlesen. Walther gab auf Atlas sein Amen nicht, daher war mir unklar ...

Google sagt auf "Atlas röcheln" nichts weiteres, ich recherchiere weiter.
 

Mondnein

Mitglied
(zugegenermaßen habe ich aber auch nie in den hier geschätzten Festen Formen gelesen)
immerhin schämst Du Dich so dafür, daß Du dieses Bekenntnis in Klammern setzt.

Ich vermute, in der gereimten Lyrik schaust Du auch nie rein.

Schande!
 

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