stephen h. (hexameter)

L'étranger

Mitglied
Hallo,

"hexameter" in Klammer für dieses moderne Gedicht ist in meinen Augen gewagt. Kein Leser würde, so glaube ich, ohne diese Überschrift einen Hexameter darin vermuten, weil der typische Hexametersound beim Lesen nicht erklingt.
Das liegt im wesentlichen daran, dass die Verse 2 bis 5 eine sehr schwache Mittelzäsur haben. Da es nur einen ersten Vers hat (den ersten), der sie annähernd klar zeigt, kann der unbedarfte Leser angesichts der dominierenden Zeilenbrüche
(nach jeweils zwei Hebungen) sie sicher nicht finden.

Die angebotenen Zäsuren an den Zeilenumbrüche liegen größtenteils unmittelbar vor einer Hebung, was sie als Hauptzäsur eines Hexamter-verses disqualifiziert.

Für mich ist es einfach ein freies modernes Gedicht, dass sich an die
Hexametermetrik anlehnt. Darin entfaltet es seinen ganz eigenen Sound.

wenn im schwarzen / loch ein uni /versum begoenne
XxXxX - xXxXxxXx

in den singu / lari taeten im / plurale tantum
XxXxXx - XxxXxxXx

infinit in sich ver / senkt in die goettin der / mono politen
XxXxxXx - xxXxxXxxXx

bluehten aus eigenen / haenden sie auf als waern / nie sie gewesen
XxxXxxXx - xXxxXxxXx

eine der schwarz loch / knospen der juniper / versuum versus
XxxX(X)Xx - xXxxXxXx

wenn im schwarzen
loch ein uni
versum begoenne

in den singu
lari taeten im
plurale tantum

infinit in sich ver
senkt in die goettin der
mono politen

bluehten aus eigenen
haenden sie auf als waern
nie sie gewesen

eine der schwarz loch
knospen der juniper
versuum versus

Gruß Lé.
--
Gesendet über myMail für Android
 

Mondnein

Mitglied
selber hallo.

"hexameter" in Klammer für dieses moderne Gedicht ist in meinen Augen gewagt. Kein Leser würde, so glaube ich, ohne diese Überschrift einen Hexameter darin vermuten, weil der typische Hexametersound beim Lesen nicht erklingt.
Ich wußte garnicht, daß es einen typischen "Hexeametersound" gibt. Und wenn es den gäbe, würde ich ihn natürlich verfremden. Es ist auch egal, ob eine Form erkannt wird, wenn sie nicht Thema des Gedicht ist. In der Regel gelten verselbstständigte Formen als ausgeleiert.

Das liegt im wesentlichen daran, dass die Verse 2 bis 5 eine sehr schwache Mittelzäsur haben. Da es nur einen ersten Vers hat (den ersten), der sie annähernd klar zeigt, kann der unbedarfte Leser angesichts der dominierenden Zeilenbrüche
(nach jeweils zwei Hebungen) sie sicher nicht finden.
In welcher ausgeleierten Hexametermaschine ist von "Mittelzäsuren" die Rede? Das klingt ja, als hättest Du, Le, Hexameter mit Pentametern verwechselt.

Die angebotenen Zäsuren an den Zeilenumbrüche liegen größtenteils unmittelbar vor einer Hebung, was sie als Hauptzäsur eines Hexamter-verses disqualifiziert.
Wo hast Du denn dieses Qualifikationskriterium ausgegraben?
Ich habe tausende von Hexameterns gelesen, natürlich nicht irgendwelcher Zäsuren wegen, sondern deshalb, weil sie ganz schlicht und einfach die Grundform der antiken Lehrgedichte und Epen sind. Da im Lateinischen und im Griechischen nicht solche Monsterkomposita wie im Sanskrit üblich sind, die ganze Zeilen füllen, hat jeder Vers so seine drei bis fünf Pausae (Worlücken), an jeder denkbaren Stelle des Verses. Die alten Dinger von Ennius enden sogar oft auf einsilbigen Unbetonten, was Vergil und Ovid vermieden haben. Ansonsten kommen Zäsuren und Diehäresen vor, wir man sie eben vorfindet: Für jede Möglichkeit gibt es dann entsprechende Namen, man zählt einfach ab, z.B. bis zum fünften Versfuß, und dann nennt bzw. zählt man die Worlücke als "Penthemimeres", oder den berüchtigten "kata ton triton trochaion".
Aber, liebes Le, was ist denn eine "MIttelzäsur"? Etwa die Pause, die man lesen muß, um da Aufeinandertreffen zweier Betonter auszuhalten? Das ist notwendiges Merkmal eines Pentameters.
Wie gehabt.

grusz, hansz
 

Mondnein

Mitglied
In der Tat, liebes zufällig hier hereinschneiendes Leserohr,

haben diese fünf zu dreizeiligen Strophen gebrochenen Langverse eine feste Form gemeinsam:
Daktylische Hexameter,
hier überformt von einer weiteren festen Form, die aber so schlicht ist, daß sie keinen kanonischen Namen braucht, weil das immer nur dreimal ein Versfüßepaar ist, ein daktylisches (manchmal sind dann Daktylen Xxx geglättet zu Spondeen XX, wie üblich), also einfach drei mal ein Hexameterdrittel.

Als ob es in drei Schichten von Stufe zu Stufe hinabfiele,
eine Melodie.

Das verselbständigt jeden der Hexameter zu einem runden Gedanken.
Oder einem Satz-Dreieck.

Aber sie hängen in Schleifen oder logischen Richtungswechseln aneinander, es sind nicht fünf komplett ausformulierte Gedanken, also Sätze, subjektbezogene Prädikate, -
sondern im rundgeschwungenen Gesamtgedanken nur zwei Sätze,

und der Bedingungssatz, mit dem es beginnt, stuft sich vom "begoenne"​
über die zweite Strophe - ein Adverbiale mit einem diesem entgegengesetzten Adverbiale: "singu lari taeten im plurale tantum" -​
und die dritte Strophe - ein nachschlagendes Attribut ("versenkt") zu den "uni versum", die Mythisierung und Personifizierung des "einen Verses", der einen infinit umschlagenden Zeit-"Umwendung" -​
zur endlich, endlich erscheinenden These hin:
mündet in die Hauptaussage ein,
die dieses ins Unendliche (infinit) versenkte Plurale tantum der Singularitäten
als Lied der musenjung tanzenden Schöpfergöttinnen singt, -

oder auch als figural gemusterte Tapete mit aus ihrem eigenen Schoß hervorblühenden Grotesken (in der Gestalt pervertierter Verse oder knospender Juniper-Pflanzen):


bluehten aus eigenen
haenden sie auf als waern​
nie sie gewesen​

eine der schwarz loch
knospen der juniper​
versuum versus​

grusz, hansz
 
Zuletzt bearbeitet:

Mondnein

Mitglied
Hallo Le,

ich warte noch auf die Erklärung von der angeblich fehlenden "Mittelzäsur". Hast Du tatsächlich Hexameter mit Pentametern verwechselt? Und auf solchen "Kenntnissen" Deine ganze lange Besprechung aufgebaut, ohne Rücksicht auf den Inhalt?

Eigenartig, sehr eigenartig.

grusz, hansz
 

L'étranger

Mitglied
Nein, Hans.

Jeder Hexameter hat eine Hauptzäsur. Der dafür vorgesehene Ort liegt im Versfuß (nicht davor) zwischen der 3. Und 4. Hebung; deswegen habe ich sie hier salopp "Mittelzäsur" genannt.
Es gibt Ausnahmeregelungen, die in einzelne Versen zur Anwendung kommen können.

Für das, was ich den typischen Hexametersound genannt habe, ist die Hauptzäsur wesentlich; sie wird beim Rezitieren von Hexameterversen deutlich gesprochen.

Natürlich kann man als Dichter der "Moderne" oder "Avantgarde" die Regeln brechen; es wundert mich aber, dass du von dir sagst, du kennst sie nicht.

Wenn du dich informieren magst, suche einfach nach der "Verserzähler"-Seite. Da findet sich viel lesenswertes über den Hexameter.

Gruß Lé.
 

Mondnein

Mitglied
Nein, Le,

Du hast nicht in Dein Bewußtsein aufgenommen, daß ich bei der Musterung von Hexametern nicht deduktiv von den allmöglichen "Regeln" ausgehe, die doch für jede Besonderheit einen Namen haben, sondern induktiv von dem, was ich vorfinde, wo - wie gesagt - jede Besonderheit ihren Namen hat.

Der Ausdruck "Mittelzäsur" ist so unüblich, daß er nicht einmal in dem überfrachteten Wikipedia-Artikel auftaucht, aber da nun einmal jede Besonderheit (wie gesagt) ihren Namen hat, findet sich die "Mitteldihärese"; sie ist allerdings nicht gerade "notwendig":

Weitere Brücken, an denen ein Wortende selten bzw. unerwünscht ist, sind die bukolische Brücke nach der zweiten Länge bei Spondeus im vierten Metrum:

—◡◡—◡◡—◡◡——⏜—◡◡—×
sowie die Mitteldihärese nach dem Ende des dritten Metrums:


—◡◡—◡◡—◡◡⏜—◡◡—◡◡—×
Das ist ungefähr das Gegenteil von dem, was Du behauptest.

Aber in induktiver Argumentation nimmst Du besser das, was vorliegt, und wenn Du es beschreiben willst, greif Dir die richtigen Namen bzw. Fachbegriffe. Und siehe da: Es gibt in der Tat Deine Mitteldihäresen, aber sie sind nicht notwendig. So wie es Spondeen als fünften Versfuß gibt, aber ich würde sie vermeiden.
Notwendig "verboten" sind nur Kürzen-Dreier (überhaupt mehr als zwei Kürzen, wie auch alleinstehende Kürzen, aber das betrifft nicht die deutschen Hexameter) und Hebungspraller (außer natürlich in der Mitte des Pentameters, aber um diese notwendigen Mittelzäsuren geht es hier nicht).

Ich empfehle Dir, das Wesentliche vom Unwesentlichen und das Notwendige vom bloß Möglichen zu unterscheiden; alles andere verwirrt nur.

grusz, hansz
 
Zuletzt bearbeitet:

L'étranger

Mitglied
Hallo Hans,

Ich hatte ja jetzt hinreicgend klargestellt, wovon ich rede - Hauptzäsur im dritten Versuch zwischen sritter und vierter Hebung; und selbstverständlich darfst du schreiben, was du magst.

Deine Ausführungen zeigen nur eines, dass dir die Regeln u d der Klang egal sind.

Der Rest deiner Äußerungen vergesse ich gerne.
Ich hattest dir ja indirekt auch eine Empfehlung ausgesprochen.

Gruß Lé.
 

Oben Unten