Stillleben von Eierlikör und Hartweizengriesspaghetti - Sonett

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Walther

Mitglied
Stillleben von Eierlikör und Hartweizengriesspaghetti


Es ist gegeben wie genommen: Bald
Verspricht die Lösung sich als Wohlgefallen,
Als Pseudonym für Tanzen, Träumen, Lallen.
Es mangelt nicht Täuschungswohlgestalt.

Das Walnusseis ist hart und eklig kalt.
Es hat Likör aus Ei zum Schleckvasallen.
Gerieben ist der Parmesan aus allen
Geschlitzten Reibenlöchern ohne Halt

Auf Nudelnester fein hinabgeregnet,
Tomatensoßenangerötet liegen
Die Pilze drüber, just als wär’s gesegnet,

Dabei ist es nur ausgeschwitzt aus Kriegen:
Die Gabel kämpft sich durch den vollen Teller.
Der Nachtisch schmilzt. Der Wein ist noch im Keller.
 

Mondnein

Mitglied
klasse!
Nicht nur, daß Du keinerlei Schwierigkeiten mit dem Formulieren flüssiger Terzette hast, da kommt noch eine feine Pointe. Herrlich, das schmelzende Eis und der Wein, der noch nicht aus dem Keller heraufgeholt worden ist.

Das Beste ist, daß Du Dich in vielen Farben und Formen von Lyrik tummelst. Das macht immer neue Freude.

Nicht zu vergessen: die beiden monströsen Komposita: das in der Überschrift und das unten mit der Röte. Herrlich!
 
Hallo Walther,
ohne das "Vorwort" der ersten vier Zeilen könnte es mir auch gefallen, erinnert an die Banalstillleben der Kubisten - wobei sie nicht die Möglichkeit hatten, über etwas noch Abwesendes zu klagen ...
Hinter "nicht" fehlt m. E. in der vierten Zeile ein "an".
Mit Gruß
E. L.
 

Walther

Mitglied
Stillleben von Eierlikör und Hartweizengriesspaghetti


Es ist gegeben wie genommen: Bald
Verspricht die Lösung sich als Wohlgefallen,
Als Pseudonym für Tanzen, Träumen, Lallen.
Es mangelt nicht an Täuschungswohlgestalt.

Das Walnusseis ist hart und eklig kalt.
Es hat Likör aus Ei zum Schleckvasallen.
Gerieben ist der Parmesan aus allen
Geschlitzten Reibenlöchern ohne Halt

Auf Nudelnester fein hinabgeregnet,
Tomatensoßenangerötet liegen
Die Pilze drüber, just als wär’s gesegnet,

Dabei ist es nur ausgeschwitzt aus Kriegen:
Die Gabel kämpft sich durch den vollen Teller.
Der Nachtisch schmilzt. Der Wein ist noch im Keller.
 

Walther

Mitglied
Hi mondnein,

der wahnsinn hat methode. danke fürs reinlesen und goutieren.

man darf ver-rückt sein, wenn man schreibt. sonst ist es eher weniger gern gesehen. also: machen wir's. drehen wir ein bißchen durch, ein bißchen ab. haben wir einfach spaß dabei!

lieber gruß W.
 

Walther

Mitglied
Hallo Eike,

deinen hinweis habe ich oben umgesetzt. danke. man wird betriebsblind, wenn man schreibt. das sieht man alles erst nach ein paar wochen, wenn man nicht mehr zu wissen meint, was da stehen sollte. ;)

deine anmerkung zu s1 kann ich zwar nachvollziehen, aber in der tat ist s1 wichtig für das gedicht. am ende muß man sich wie mondnein drauf einlassen, im bewußtsein, daß nicht alles so gemeint ist, wie man es liest. der erste eindruck täuscht.

lieber gruß W.
 
Hallo Walther, Deine Gebrauchsanweisung in der ersten Strophe läuft darauf hinaus, dass Du uns ein Rätsel aufgibst. Die beschriebenen Speisen stehen für jeweils etwas anderes, der Hinweis auf Kriege dürfte zielführend sein. Man hat Dir hier wohlfeiles Wühlen im Entsetzlichen angekreidet, jetzt verbirgst Du es unter den Gängen eines (essbaren) Gerichts. Hm. Nette Idee - aber ich beharre darauf: Dass es sich um ein allegorisches Rätsel handelt, darauf möchte ich nicht in den ersten Zeilen mit der Nase gestoßen werden, sondern selbst drauf kommen - z.B. durch die völlig chaotische Anordnung der Gänge!
Mit Gruß
E.L.
 

Walther

Mitglied
lb Eike,

das aufgeben eines rätsels lag und liegt mir fern. der vorschlag des genauen lesens und auf den text einlassens ist als bitte zu verstehen - der leser hat am ende immer recht.

lieber gruß W.
 

Mondnein

Mitglied
Bravo!

Ich geb Dir die 10 aufgrund von Eikes augenöffnendem Kommentar. Also der Vielschichtigkeit wegen.

Ich weiß jetzt nur leider nicht, wie man die Biene unter Eikes Kommentar setzt. Das will ich jedenfalls auch noch tun.
 

Walther

Mitglied
Hi mondnein,
danke fürs werten. ich betrachte das als unterstützung dafür, auch einmal gegen den strich sonetten zu dürfen!
lieber gruß W.

PS.: das Bienchen verteilt Bernd, der redakteur der "Festen Formen". einfach eine pn mit vorschlag an ihn ...
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Walther,

den Hartweizengriesspaghetti fehlt ein "s". Naja, genau genommen sind es Hartweizengrießspaghetti.

Gruß

Jürgen
 

Walther

Mitglied
Stillleben von Eierlikör und Hartweizengrießspaghetti


Es ist gegeben wie genommen: Bald
Verspricht die Lösung sich als Wohlgefallen,
Als Pseudonym für Tanzen, Träumen, Lallen.
Es mangelt nicht an Täuschungswohlgestalt.

Das Walnusseis ist hart und eklig kalt.
Es hat Likör aus Ei zum Schleckvasallen.
Gerieben ist der Parmesan aus allen
Geschlitzten Reibenlöchern ohne Halt

Auf Nudelnester fein hinabgeregnet,
Tomatensoßenangerötet liegen
Die Pilze drüber, just als wär’s gesegnet,

Dabei ist es nur ausgeschwitzt aus Kriegen:
Die Gabel kämpft sich durch den vollen Teller.
Der Nachtisch schmilzt. Der Wein ist noch im Keller.
 

Walther

Mitglied
hallole JoteS,

stimmt. könntest du vielleicht den titel ändern, so als redakteur? :D doppelt danke!

lieber gruß W.
 

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