störanfällig

Mondnein

Mitglied
Es versandet, lieber Karl,
im Allgemeinen.
Ins Einzelne:

vorgewarnt vom sommerflimmern
fiebt ein rüttelnder turmfalke
Nun ja, der Anfang ist nicht zu "allgemein", ganz im Gegenteil ist das zukunftsgewandte Vorgewarntsein zu anthropomorph.
"fiepen" üblicherweise mit p

instinktiv umkreisen mauersegler
die turmruine am toten flussarm
"instinktiv" - wie denn sonst? Bei Tieren geschieht alles instinktiv. Die Leser, die es für alternativlos halten, daß Menschen keinen freien Willen haben, sehen sogar die scheinbaren Handlungen (eigentlich nur Reaktionsabläufe) der Menschen als instinktiv. Das heißt natürlich nicht, daß die Reaktionsabläufe unintelligent wären, vielmehr sind sie Antworten auf Schlüsselreize und leiblich verankerte Triebstrukturen. Die Mauerseglenr fangen auf diese Weise Insekten. Davon ernähren sie sich.

und die opfer der verhältnisse
werden zu rächenden spannern
glotzen in die monitore
und warten auf staatsallmacht
Ach so, war nur metaphorisch, deshalb die Anthropomorphismen.
"opfer der verhältnisse" - so wie ich. Wer auch nicht.
Zum "rächenden spanner" werde ich, wenn ich mein Fernglas wiederfinde, um dem Nachbarn in der Mietskaserne gegenüber in seine Opferverhältnisse zu linsen, aber meine Frau hat es verlegt. Und wenn der sein Autoradio anläßt, wenn er auf den Innehhof fährt, singe ich ihm meinen "kerl gott". Oder den Poesie-Spannern der Lelu. (Aber das will keiner hören, ja nicht einmal lesen.)
Und ich glotze gerade in den Monitor, sonst wäre ich auch schreibblind.
Warte ich auf die Staatsallmacht?
Nein, eigentlich nicht.
Wer wartet denn auf die Staatsallmacht? Die Mauersegler wohl kaum, denn die Insektenfütterung ist keine Tierpflegeraufgabe wie im Zoo.
Die rüttelnden Falken wohl auch kaum. Die Falken sind auch keine Staatsmacht, schon gar keine allmächtige. (Außer den Falken, die in der chinesischen kp sind. Aber ich bin nicht bei Ticktock oder wie dieser youtube-analoge Zensurapparat heißt.)

freiheiten waren schon immer
störanfälliger
An dem "schon immer" ist was dran.
Eines der ältesten Gedichte der Weltliteratur ist das "Enuma Elisch". Die ältere Göttergeneration beklagt sich über den Krach, den die jüngere Generation macht. Ich stelle mir vor, wie die alten Säcke und Säckinnen mit dem Besen an die Zimmerdecke klopfen, weil da oben Coronafeten gefeiert werden.
Natürlich, um die "freiheiten" der Kinder da oben zu stören, die leider nicht so störanfällig sind wie wir alten Säcksterninnen.

Aber das ist trotzdem eine Phrase, die in dieser Generalissimisierung nicht gut zur Pointe eines zunächst beobachtenden Gedichtes taugt. Trotz der Metaphernbrüche, aber in denen bist Du (ohne Störanfälligkeit) frei, es soll ja ein Gedicht sein.

grusz, hansz
 

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