Stonehenge, ein Ring und eine Hexe an der ScheinBAR

Hagen

Mitglied
Stonehenge, ein Ring und eine Hexe an der ScheinBAR

Nachdem die Wunderbare Ulrike und ich, eigentlich die Wunderbare Ulrike mehr als ich, im Garten gearbeitet hatten, gingen wir, wie sollte es auch anders sein, an die ScheinBAR, um einen finalen Abschlussdrink zu nehmen, weil uns die Rücken weh taten.
„Hast du“, die Wunderbare Ulrike panterte, trotz ihrer Rückenschmerzen, auf einen Hocker, „mal wieder einen neuen Cocktail kreiert?“, fragte sie.
„Natürlich!“ Ich stieg auch auf einen Hocker, „der ‘Summer solstice in Stonehenge‘! Du weißt, dass ich mich mit den Namen für die Cocktails immer etwas schwer tue. Zudem“, ich stieg vom Hocker und begann mit der Zubereitung der Cocktails, „hielt ich ‘Summer solstice in Stonehenge‘ für recht geschmackvoll!“
„Hoffentlich ist der Cocktail auch geschmackvoll! – Aber wieso ist der denn Grün? Ich dachte, seit du beim Bund warst, magst du kein Grün mehr sehen.“
„Stimmt! – Aber in diesem Fall habe ich unter Anderem ‘Hexengalle‘ gegen Schmerzen jeglicher Art verwendet. Hexengalle ist eine Kombination aus Kiwi und Kaktusfeige. Sie umspielt geschmacklich den Gaumen mit einer Kreuzung aus Melone und Birne!“
„Sag‘ bloß!“
„Ja, in einem früheren Leben war ich nämlich mal ein Medikus! Ich machte mir die heilende Wirkung der Natur zunutze und verstand es mit der richtigen Mixtur Schmerzen zu lindern! – Allerdings kam es zu Verschwörungen und Gerede. Böse Zungen ließen sogar das Wort ‘Hexerei‘ erklingen, weil meine Tinktur so gut gegen ‘Schmerzen jeglicher Art‘ wirkte. Sogar in der Burg zu Haselünne, es geht doch nichts über eine Prise Heimatkunde, erhielt die Kunst der ‘Hexerei‘ zwar ihre Zustimmung, doch wollte der damalige Herrscher, Dodo Freiherr von Innhausen und zu Knyphausen, nicht bezichtigt werden, diese ‘Hexerei‘ zu praktizieren. So erteilte er mir, seinem engsten Vertrauten, den Befehl, einen Trunk mit magischen Zusätzen zu brauen. Ich kam dem nach und nannte die so entstandene Textur ‘Hexengalle‘. – Leider hatte ich zu der Zeit noch keinen Granatapfelsirup zur Hand. Den hätte ich damals, im Gegensatz zu heute, gerne hinzugefügt, weil der Granatapfel Herz-Kreislauf-Beschwerden lindert, den Blutdruck senkt und anti-entzündlich wirkt.“
„Ja, ja, der Granatapfel …“ Die Wunderbare Ulrike bekam einen leicht träumerischen Gesichtsausdruck und sprach: „Der Granatapfel, auch ‘Paradiesfrucht‘ oder Frucht des Lebens genannt, gilt, soweit ich weiß, als eine der ältesten Heil- und Kulturfrüchte der Menschen! Schön, dass du ihn in deinem – wie sagtest du noch gleich? – Integrierst.“
„‘Summer solstice in Stonehenge‘!“
„Ah, ja. Stonehenge! Auch interessant, wollte ich mir schon immer mal ansehen! – Egal. – Schon im Alten Testament“, fuhr die Wunderbare Ulrike fort, „wird der Granatapfel erwähnt! Im »Hohelied« des König Salomons zum Beispiel werden Baum und Frucht gleich mehrmals als Symbol der Liebe beschrieben: »Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land und sehen, ob die Granatbäume blühen. Dort schenke ich dir meine Liebe.« Möglicherweise hat es sich bei dem für Adam und Eva verbotenen ‘Baum der Erkenntnis‘ im Paradies um einen Granatapfelbaum gehandelt. – Oh, ich glaube es hat geklingelt.“
Die Wunderbare Ulrike stieg vom Hocker und ging zur Tür. Zurück kam sie mit einer jungen Dame, die einen Reisstrohbesen in der Hand hielt. Die junge Dame trug ein elegantes Hexenkleid in elegantem Schwarz. Das Dekolleté war gerafft, mit einem verspielten Muster aus silbernen Sternen und einer silberne Schnalle versehen. Ein schwarzer Spitzhut mit breiter Krempe rundete das Outfit ab!
„Guten Abend. Ich bin Canidia“, sprach sie mit rauchiger Stimme wie die von Hanne Wieder als Claire Zachanassian 1984 aus ‘Der Besuch der alten Dame‘, von Friedrich Dürrenmatt, am Ernst-Deutsch-Theater.
Wir stellten uns auch vor und baten Canidia an der ScheinBAR Platz zu nehmen.
„Es ist kein Zufall wem wir im Leben begegnen!“, sagte Canidia als sie ihren Hut abnahm und ihren Besen in die Ecke stellte. „Alle Leute“, fuhr sie fort, „denen wir in unserem Leben begegnen, sind entweder Teil eines Tests, einer Strafe oder eines Geschenks. – Ich war gerade auf dem Weg zum Hexensabbat auf dem Blocksberg, als ich die wunderbare Hexengalle roch. So kehrte ich bei euch ein. Nenne es Schicksal, Bestimmung oder Karma. Es gibt ein Gesetz der höheren Gerechtigkeit, das irgendwie über uns regiert, allerdings nicht als Zufall, das sich in unseren Wesenszügen wiederspiegelt.“
„Du kannst gerne“, sprach die Wunderbare Ulrike daraufhin, „einen ‘Summer solstice in Stonehenge‘ haben, den Hagen gerade zubereitet. Der ‘Summer solstice in Stonehenge‘ beinhaltet auch Hexengalle. – Aber sprich, liebe Canidia, gehört Karma nicht eigentlich in den Buddhismus oder so?“
„Zähle nicht die Dinge, die du tust! Tu aber die Dinge, die zählen“, meinte Canidia daraufhin, woraufhin ich ihr auch einen ‘Summer solstice in Stonehenge‘ zubereitete.
Wir tranken andächtig ‘Summer solstice in Stonehenge‘, wobei Canidia weitere Sprüche wie zum Beispiel: „Ich versuche, mit der Vorstellung zu leben, dass Karma eine sehr reale Sache ist. Also gebe ich das, was ich zurückbekommen will! – Für den vorzüglichen ‘Summer solstice in Stonehenge‘ möchte ich euch meinen ‘Xandaneff‘ schenken!“, ablies.
„Du brauchst uns nichts zu schenken“, sprach die Wunderbare Ulrike daraufhin und nahm einen Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘, „selbst zufällige Begegnungen sind das Ergebnis von Karma. Dinge im Leben werden durch unser früheres Leben bestimmt.“
„Ja, ja“, meinte Canidia. „Karma ist eine knifflige Sache. Um dem Karma zu dienen, muss man das gute Karma an andere zurückzahlen.“ Sie nahm auch einen Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘ und fuhr fort: „Deshalb möchte ich euch den Ring geben! – Kann allerdings sein, dass ‘Xandaneff‘ schon abgelaufen ist, und ihr könnt ihn als Zierstück in eurer schönen ScheinBAR verwenden, denn nichts währt ewig.“ Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘. „‘Xandaneff‘ ist nämlich ein magischer Ring, der im Zweiten Zeitalter auch vom Dunklen Lord Sauron geschmiedet wurde! Er verlieh unermessliche Kräfte und die Fähigkeit in der Zeit und an jeden beliebigen Ort zu gehen. Leider ist er, wie gesagt, abgelaufen wie eine Batterie, oder eine Uhr mit Federwerk.“
„Ich glaube nicht“, sprach die Wunderbare Ulrike daraufhin und nahm einen Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘, „dass magische Gegenstände ‘ablaufen‘! Ein magischer Ring dient immer demjenigen, der guten Willens ist, moralisch einwandfrei, von reiner Seele, stets FFP2 Atemschutzmasken trägt, niemals Lügt oder dreckige Witze erzählt, niemals rumzickt, seinen Partner nie ankeift oder billige Geschenke macht und auf der Leselupe schlecht bewertet, obwohl der Beitrag gut ist, oder umgekehrt, sowie gute Ratschläge mit: „Da musst du mal …“ beginnt! – ‘Da musst du mal …‘ ist im Sanskrit, der klassischen Sprache der Brahmanen, nicht vorgesehen! Bramanen antworten stets mit einer Weisheit!“
Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘.
„Stimmt!“, sagte Canidia, „ihr habt mir einen wundervollen Cocktail kredenzt und damit Karmapunkte gesammelt. Wenn ich euch den Ring ‘Xandaneff‘ schenke, sammel ich auch Karmapunkte.“ Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘. Ich denke dabei an das jetzige Leben, aber auch an ein mögliches zukünftiges Leben. Ich möchte nämlich im nächsten Leben als Edelfräulein oder zumindest als Zofe wiederkommen. Und es heißt auch, dass alles, was einem im jetzigen Leben passiert und begegnet, eine Auswirkung und ein Resultat eines vorherigen Lebens ist. Dabei geht es um Geschenke, Taten, Worte und um Gedanken.“ Canidia nahm den letzte Schluck von ihrem ‘Summer solstice in Stonehenge‘, und fuhr fort: „Ich muss jetzt aber los zum Hexensabbat auf dem Blocksberg, noch ein Paar Karmapunkte sammeln.“
„Da will ich dich nicht aufhalten, liebe Canidia. – Ich bringe dich mal eben zur Tür.“
Die Wunderbare Ulrike nahm den letzten Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘, stieg vom Hocker, setzte ‘Xandaneff‘, und Canidia ihren Hut auf. Sodann griff Canidia ihren Besen und die beiden Mädels gingen zur Tür. Ich hörte noch wie die Wunderbare UlrikeDas Karma reagiert nicht auf das einfache gut sein, sondern darauf, dass man Gutes tut!“, sagte, dann klappte die Tür und es herrschte Stille.
Ich nahm auch den letzen Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘ und wartete, doch es geschah nichts, absolut nichts.
‚Die Wunderbare Ulrike wird zur Toilette gegangen sein‘, dachte ich und begann, bei ‘Grapefruit Moon‘ von Tom Waits die Gläser zu spülen. Das Lied endete nach fast fünf Minuten, und dann war die Wunderbare Ulrike auch wieder da. Allerdings sah sie, im Gegensatz zu ihrem sonstigen, properen Erscheinungsbild, fürchterlich schmutzig aus. Sogar in ihrem schönen Antlitz hatte sich verkrusteter Schmutz eingegraben und staubbedeckt waren ihre Sandalen.
„Puh“, meinte die Wunderbare Ulrike, „ich glaube, ich gehe erst mal duschen. – Der komische Ring hat mich nämlich nach Amesbury getragen, und zwar in die Jungsteinzeit!“
„Ah, ja! Funktioniert also doch das Ding“, meinte ich und begann neue ‘Summer solstice in Stonehenge‘ zuzubereiten. „Hat der Ring dir auch übernatürlichen Kräfte verliehen? – Stonehenge liegt doch bei Amesbury. Hast du etwa bei Amesbury das kaputte Stonehenge repariert?“
„Von wegen ‘repariert‘! Es war noch gar nicht da!“, sprach die Wunderbare Ulrike. „‘Xandaneff‘ hat mich, wie gesagt, nach Amesbury geschleppt, aber da war noch kein Stonehenge! Ich hab’s mal eben mit den übernatürlichen Kräften aus den Megalithen, die da nutzlos rumlagen, gebaut. – Allerdings nimmt die Kraft des ‘Xandaneff‘, tatsächlich ab, sodass ich nicht ganz fertig geworden bin und mit dem letzten Rest der magischen Energie zu dir zurückkehren konnte. – Danke für den ‘Summer solstice in Stonehenge‘, den kann ich jetzt wirklich gebrauchen.“
„Bitte schön, Wunderbare Ulrike“, ich reichte ihr den ‘Summer solstice in Stonehenge‘, „da werden die Archäologen mächtig zu grübeln haben! – Naja, notfalls müssen immer irgendwelche Religionen herhalten wenn die Archis nicht mehr weiter wissen, das kennen wir ja!“
„In der Tat“, nickte die Wunderbare Ulrike und nahm einen Schluck ‘Summer solstice in Stonehenge‘. „Stelle dich auf dich selbst! Ahme niemals nach! Mit deinen eigenen Gaben kannst du in jedem Augenblick die gesammelte Kraft deiner ganzen Lebensarbeit legen;- aber von dem angenommenen Talent eines andern, oder dem Bestehenden hast du immer improvisierten und halben Besitz! – Kommst du jetzt mit mir duschen?“

Summer solstice in Stonehenge
1 Tropfen Granatapfelsirup
2 cl Wermut
4 cl Hexengalle
Auffüllen mit Zitronenlimonade
Eis
Deco Cocktailkirsche
 
Hei, in diesem Cocktail ist ja mal wieder alles drin, was gut + teuer ist. Hexen, Magie, das Karma, das alte Testament, die Weisheit der Bramanen, eine Zeitreise, das Geheimnis von Stonehenge und, und, und ... sogar Leselupen-Bewertungen kommen vor!! Da muss ich aber sehr aufpassen, dass ich nicht versehentlich eine falsche gebe, wenn das so doll dem Karma schaden kann.

Da schreibe ich lieber anstelle der Punktevergabe: Was braucht der Leser mehr, um köstlich amüsiert zu werden? Fazit: Ein Besuch in der ScheinBAR lohnt immer!

MfG

Binsenbrecher
 

Hagen

Mitglied
Hallo Binsenbrecher,
zunächst mal Danke für das fulminante Lob.
Mit den Cocktails ist das natürlich so eine Sache; - aber man gönnt sich ja sonst nix.
Die Wunderbare Ukrike und ich haben uns sehr gefreut und möchten Dich und Deine Frau/Freundin/Geliebte oder was auch immer, daraufhin gerne mal auf einen Cocktail sowie eine Runde Billard an der ScheinBAR begrüßen.

Nun denn, in diesem Sinne, wir sehen uns in der ScheinBAR!
Zudem lesen wir uns weiterhin!
... und bleib' schön fröhlich, gesund und munter!
Herzlichst
Yours Hagen

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Darin aber liegt die höchste Weisheit, dass ihr weise werdet durch die Cocktails an der ScheinBAR!
Alles Wissen aber ist ohne die Cocktails an der ScheinBAR nichts nütze!
Darum bekümmert euch zunächst nicht so sehr um ein vieles Wissen um das Karma,
sondern genießt viele Cocktails!
So werden euch die Cocktails das geben, was euch ohne diese nichts und niemand je geben kann!

Meister Tofu (Meister der absoluten Ignoranz)​
 

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