Sturheit

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anemone

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Es war einmal ein Astronaut. Er lief auf seinem Planeten herum und langweilte sich. Da plötzlich sah er eine Schnecke. Schnell verkroch sich die Schnecke in ihr Haus, denn einen Astronauten hatte sie noch nie gesehen. Der Astronaut klopfte immer wieder auf ihr Schneckenhaus, damit das Tierchen herauskäme. Doch es fürchtete sich vor seiner
schrecklichen silbernen Verkleidung. Es fühlte sich von seiner ständigen Klopferei bedroht.
Der Astronaut hätte seine Verkleidung mal abnehmen können, aber stur wie er nun einmal war, dachte er im Traum nicht daran.
Ja, so war das und wenn sie nicht eines einsamen Todes gestorben sind, so verkriechen sie sich noch heute.
 

LeseWurm

Mitglied
Hallo liebe anemone,

schöne Fabel, die ermuntert, Neues auszuprobieren.

Der Titel gefällt mir weniger.
Ist das wirklich Sturheit oder vielmehr Verbohrtheit, Engstirnigkeit oder einfach Angst, mangelndes (Grund-)Vertrauen oder mangelnde Aufgeschlossenheit?
Das gleiche gilt für den Teilsatz gegen Ende: "...aber stur wie er nun einmal war...".
 

anemone

Mitglied
hallo Lesewurm

Um Vertrauen zu gewinnen, muss man sich öffnen. Das will uns diese kleine Geschichte sagen. Die beiden Gestalten öffnen sich beide nicht. Bei dem Einen ist es Sturheit,
bei der anderen Angst, die sie verlieren könnte, wenn er seine Sturheit aufgibt. Er könnte sich zu ihr beugen, in das Schneckenhaus schauen ohne diese grausliche Astronauten-Verkleidung. Vielleicht legt er sie nicht ab, weil sie ihn schützt. Er findet diese glitschge Schnecke widerlich oder
er hat noch nie eine gesehen und fürchtet sich ebenfalls
vor Ansteckung. Man kann ja nie wissen. Übervorsicht!
 

LeseWurm

Mitglied
Bezüglich des Inhaltes gehe ich völlig konform und finde ihn wunderbar.

Mein Problem sind weiterhin die Worte "Sturheit" und "stur".

Für mich ist es Sturheit, wenn jemand in einer Diskussion trotz eindeutiger Argumente und Beweise seine Meinung beibehält.

Wenn jemand aber einfach, um Neues auszuprobieren oder um beim Gegenüber Vorbehalte (z.B. Angst) abzubauen, eigene Grenzen überschreitet, dann ist das Aufgeschlossenheit oder Offenheit gegenüber Neuem, dann ist ein Grundvertrauen da, dass der Andere nicht sofort die Schwäche ausnutzt.

Um aber erst einmal diese Idee zu haben, darf der Betreffende nicht engstirnig oder verbohrt sein, sich nicht einfach gedankenlos an bestehende Zustände klammern.

Aus deiner kleinen Fabel ist für mich nicht klar zu erkennen, ob der Astronaut erkennt, dass die Schnecke sich nur verkriecht, weil sie Angst vor seiner Kleidung hat.

Also ist er entweder dumm und engstirnig, weil er die Situation nicht erkennt. Oder er ist wirklich stur, obwohl er sie erkennt.
Du scheinst den zweiten Fall zu meinen.

Das ständige Klopfen könnte man im Zweifel mit der (positiven) Eigenschaft "Beharrlichkeit" belegen.

... nur meine Meinung :)
 

anemone

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hallo Lesewurm,

Computerwürmer sind ebenfalls stur und deshalb antworte ich dir erst jetzt:
Sie sind beide mit sich und dem Planeten allein.
Was bleibt ihnen also anderes übrig als sich im Lauf der Zeit aneinander zu gewöhnen, wenn sie nicht vor Einsamkeit
zugrunde gehen wollen? Es sei denn.....
(sie sind doch nicht allein?)
Lassen wir das mal offen
 

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