Täuschung - Sonett

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Walther

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Täuschung

Der Träumer hofft, dass Träume Wahrheit werden.
Die Hoffnung weiß, dass Hoffen Hoffen bleibt;
Und ist die Hoffnung schließlich erst entleibt,
Entflieht sie, Träumen gleich, und die Beschwerden,

Mit denen man den Alltag sich vertreibt,
Die hängen schwer in Kleidern und Gebärden
Und zeichnen das Gesicht. Den Traum gefährden,
Indem zu viel verlangt wird? Das beschreibt

Doch das Dilemma allen Traums: Vergebens
Erwartet man Erlösung, hellste Zeiten,
In denen Wölkchen durch das Blaue gleiten,

Als sei das Glück das Sinnen jeden Lebens.
Am Ende war’s das Scheitern allen Strebens,
Auf dem wir unsre Zeit zu Tode reiten.
 
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Kaetzchen

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Hallo Walter
Ein interessantes Gedicht, regt mich zum Nachdenken an.
Aber man kann auch Träume wahr werden lassen, wenn man etwas dafür tut.
Gern gelesen
LG Kaetzchen
 

Walther

Mitglied
Hallo Walter
Ein interessantes Gedicht, regt mich zum Nachdenken an.
Aber man kann auch Träume wahr werden lassen, wenn man etwas dafür tut.
Gern gelesen
LG Kaetzchen
Hi Kaetzchen,
danke dir fürs lesen und empfehlen. das mit dem träume wahr machen ist wie mit dem systemlotto. es sind immer mühe, kluge vorbereitung und glück dabei.
lg W.
 

Mondnein

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Mich beschäftigt, auch unabhängig von diesem abwägend-ausgewogenen Sonett, die Idee vom "Scheitern" als konsequentem und fruchtbarem Opfer. Der existentialistisch gewendete Sisyphos. Resignation als liebevolle Substanz der Altersweisheit.
 

Walther

Mitglied
Mich beschäftigt, auch unabhängig von diesem abwägend-ausgewogenen Sonett, die Idee vom "Scheitern" als konsequentem und fruchtbarem Opfer. Der existentialistisch gewendete Sisyphos. Resignation als liebevolle Substanz der Altersweisheit.
lb Hansz,
dieses sonett spiegelt die memento mori figur des barocksonetts - ohne die damalige heilserwartung. glaubenslosigkeit führt am ende zur zerstörung der hoffnung und der eiseskälte der endlichkeit: wir scheitern immer. es bleibt nichts von uns. das gilt vor allem für alle die, die keinen nachwuchs haben - aus welchem grund auch immer.
man kann es als das lesen, was es ist: ein schonungsloses fazit unseres schicksals. und dennoch müssen wir atmen und strampeln. und es versuchen. immer und immer wieder - bis auch der letzte von uns gegangen ist und nichts mehr von uns nachhallt.
lg W.
 

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