Neisseria Meningitidis
Mitglied
Nach drei Stunden auf dem Beifahrersitz stehe ich mit den Füßen im Schlick und blicke über das Watt. Der Himmel spiegelt sich im Brackwasser, am Horizont ein Streifen Land und Kräne.
Bremerhaven, sagt der Mann.
Ein Krebs versucht, den Wall aus Pflastersteinen, der vom Watt ans Ufer führt, hinauf zu krabbeln, und sinkt immer wieder in seine Pfütze hinab. Die Hälfte seiner Gliedmaßen fehlt. Gewächse aus Zeit überkrusten seinen Rückenpanzer. Er lebt noch. Aber er ist kaputt. Die Kinder stecken ihn in den Eimer. Eins hat Angst, er kneift. Der Mann hält ihm die Schaufel hin. Ein metallisches Klong und er hängt daran. Dabei sieht er mit seiner riesigen Schere auf absurde Weise wie ein Sieger aus.
Später steht mir das Salzwasser bis zur Hüfte, denn das Meer ist zurückgekehrt. In der Ferne zieht ein Frachter vorbei. Wir teilen uns dasselbe Wasser. Ich denke an die Person, die da drüben das Schiff steuert und stelle mir einen alten Seebären vor. Dann stößt das Schiff rostbraunen Rauch aus, der in den Himmel quillt, und alles wird Industrie. Fünf Minuten später schlagen Wellen aus seinem Kielwasser mächtig gegen meinen Körper.
Der Tag vergeht. Flut kommt und geht. Ich schlafe im mühsam gebauten Schatten. Mein Fuß wird rot. Als ich erwache, machen die Kinder Kunststückchen vor fremden Leuten und der Mann ist irgendwo da draußen, denn das Watt ist wieder da.
Zu Hause am nächsten Morgen lade ich das Auto aus. Ich stelle den Eimer auf den Hof und der Krebs ist noch drin. Zumindest für einen Moment. Dann doch nicht. Was täte ich, denke ich. Hier ist doch weit und breit kein Meer.
Gut, dass ich ihn jetzt nicht entsorgen muss.
Bremerhaven, sagt der Mann.
Ein Krebs versucht, den Wall aus Pflastersteinen, der vom Watt ans Ufer führt, hinauf zu krabbeln, und sinkt immer wieder in seine Pfütze hinab. Die Hälfte seiner Gliedmaßen fehlt. Gewächse aus Zeit überkrusten seinen Rückenpanzer. Er lebt noch. Aber er ist kaputt. Die Kinder stecken ihn in den Eimer. Eins hat Angst, er kneift. Der Mann hält ihm die Schaufel hin. Ein metallisches Klong und er hängt daran. Dabei sieht er mit seiner riesigen Schere auf absurde Weise wie ein Sieger aus.
Später steht mir das Salzwasser bis zur Hüfte, denn das Meer ist zurückgekehrt. In der Ferne zieht ein Frachter vorbei. Wir teilen uns dasselbe Wasser. Ich denke an die Person, die da drüben das Schiff steuert und stelle mir einen alten Seebären vor. Dann stößt das Schiff rostbraunen Rauch aus, der in den Himmel quillt, und alles wird Industrie. Fünf Minuten später schlagen Wellen aus seinem Kielwasser mächtig gegen meinen Körper.
Der Tag vergeht. Flut kommt und geht. Ich schlafe im mühsam gebauten Schatten. Mein Fuß wird rot. Als ich erwache, machen die Kinder Kunststückchen vor fremden Leuten und der Mann ist irgendwo da draußen, denn das Watt ist wieder da.
Zu Hause am nächsten Morgen lade ich das Auto aus. Ich stelle den Eimer auf den Hof und der Krebs ist noch drin. Zumindest für einen Moment. Dann doch nicht. Was täte ich, denke ich. Hier ist doch weit und breit kein Meer.
Gut, dass ich ihn jetzt nicht entsorgen muss.