Tagebuch einer N8katze

Februar 1999
Einsam und verlassen saß das Miezekätzchen vor dem Zauberkasten. Sollte es wirklich mit Hilfe dieses Wunderdings vergessen und abschalten können? Das Fell von vielen Auseinandersetzungen zerzaust, die unglücklich schauenden Augen zu schmalen Schlitzen geschlossen, erhoffte sich die N8katze Ablenkung vom finsteren Katzenalltag. War es denn möglich, das ein einziges Katzenherz so bluten konnte? Wie sollte es nur weitergehen? Nicht denken, sagte sich die Katze und verwandelte sich am Zauberkasten in eine männermordende Bestie. Ja sie würde es den Anderen schon zeigen. Das warme, rote Blut tropfte noch immer aus den nie heilenden Wunden der Streites mit ihrem Gefährten. Am liebsten würde sie sich ihre kleinen Kätzchen schnappen und aus dem heimatlichem Körbchen weglaufen...

März 1999
Durch den Zauberkasten lernte die N8katze viele andere Tiere kennen. Dumme Schafe ebenso, wie schlaue Füchse und widerlichen Insekten. Die dummen Schafe ließ sie ungeschoren weiterziehen, warum sollte sie denn ihre kostbare Zeit mit ihnen verplempern, denn sie blökten doch nur kläglich um sich herum. Die schlauen Füchse durchschaute sie bald und so ließ sie ihren Frust an den widerlichen Insekten aus. Fühlte sich groß und stark. Doch die N8katze fand im Net auch ein sehr liebenswertes Tier, einen Kater. Schnell freundeten sich die beiden Katzen an und verspotteten gemeinsam die widerlichen Insekten. Und mit jedem Mond, der groß und rund über die durchwachten Nächte schien, wurden die beiden immer unzertrennlich.


April 1999

Immer stärker wurde der Wunsch, den sprechenden Zauberknochen in die Hand zu nehmen, um des N8katers Mauzen zu hören. Des Nachts lag sie einsam und allein in ihrem Körbchen und malte sich in Gedanken süße Katzenträume aus.
Aber es waren doch nur Träume, die die N8katze für wenige Stunden aus ihrem grauen Alltag rissen und sie ihren Kummer vergessen ließen. Bis eines Tages der N8kater von ihr als seiner Traumkatze schrieb...doch die N8katze hatte sich in den letzten Monaten ihr zartes Herz verbrannt und war sehr mißtrauisch geworden.


Mai 1999

An einem sonnigen Tag trafen N8katze und N8kater das erste Mal zusammen. Nach vielen Stunden in dem fahrbaren metallenen Häuschen kam der erschöpfte und ewig hungrige Kater in der fremden Stadt an. Gemeinsam suchten sie sich eine Futterstelle. Doch der Kater hatte aufgehört zu mauzen und die einsame Katze fühlte die schleichende Schlange der Enttäuschung an sich hochwinden.
Mit einem inneren, traurigen Blick geleitete die N8katze den N8kater, der ihr plötzlich so fremd erschien, zu dem angemieteten Katerkörbchen. Ja, der Zauberkasten war wohl doch kein Zauberkasten, denn es schien, als sei der mit bangendem Herzen erwartete Kater doch nur eins der vielen Tiere, die durch die Welt des Nichtrealen reisten.
Müde und enttäuscht bettete die Katze ihren leeren Kopf auf des Katers Schoß und erinnerte sich an die vielen Zärtlichkeiten, die sie per Tastatur und Zauberknochen ausgetauscht hatten. War alles wieder nur ein Traum? Ein Traum, ja aber, wovon denn???
Als des Katers sanfte Pfoten brennende Spuren auf ihrer Haut hinterließen, wandte sich ihr erstaunter weiter Blick in N8katers Augen. Wie konnte es sein, daß nur ein zartes Berühren seiner Pfoten so viel Gefühl in ihr hervorrief? Was war es, das von ihr Besitz ergriff und sich mit Windeseile durch die geschundene Katzenseele ausbreitete. Und die N8katze ließ sich in die wogenden weichen Wellen fallen und fühlte sich eins mit dem ihr fremden und doch so vertrautem Kater.
Unendliche Angst überfiel die Katze, denn sie hatte ihr schützendes Fell abgestreift und breitete dem Kater ihre verwundbarsten Stelle auf, die niemand je zuvor gesehen hatte, ja, die sie selbst erst wenige Minuten vorher mit Katers Hilfe erkannte.
Nein, die N8katze war nicht die wilde Bestie, die ihr Unwesen mit Hilfe des Zauberkastens trieb, die provozierend die Tiere der Nacht anmautze. Sie war eine unendlich zarte, schutzbedürftige Miezekatze, die wohlig schnurrend mit überquellendem Herzen ihren sehnsuchtsvollen Blick in die tiefen Augen des Katers senkte und in seinen Gefühlen schier zu ertrinken schien.
Doch die Wirklichkeit holte die N8katze ein. Warteten nicht im heimatlichen Körbchen ihre Katzenkinder? Und mußte sie nicht ihren Gefährten belügen, um sich mit dem Kater treffen zu können...
Unbarmherzig rissen die langen Zeiger des Zeitmessers mit gierigen Fingern Stück für Stück aus der Gegenwart an sich. Kläglich mauzend, löste sich die N8katze aus Katers Pfoten und konnte doch ihren Blick nicht von ihm wenden.
Was würde am nächsten Tag geschehn, an dem das qualmende Häuschen ihr den Kater wieder nahm und ihn zurück in seinen finsteren lichtlosen Käfig schleppte. Wie konnte sie vergessen, was mit ihr geschehen war. Panik machte sich breit und die Angst vor der Zukunft schnürte ihr den Atem zu. Als die N8katze wenige Stunden später wieder im eigenen Körbchen lag, reisten ihre Gedanken noch lange durch die dunkle Nacht und erinnerten sie an die zärtlichen Stunden zu zweit, die ihr nun wie wenige, unendlich kostbare Sekunden vorkamen. Schlaflos wälzte sie sich hin und her, auf die ersten Sonnenstrahlen wartend, die ihr weitere glückliche Augenblicke mit ihrem Kater verhießen.
Kurz nachdem sich der Gefährte zur morgendlichen Mäusejagd aufgemacht hatte, rannte die Katze mit eiligen Sprüngen durch die Kilometer der schlafenden Stadt zu ihrem N8kater zurück, der wonnig schlummernd im Körbchen lag. Flugs streifte sie Ihr Fell herrunter und und rollte sich, an den vom Schlaf noch warmen Katerkörper an. Fest aneinander gekuschelt, brannten, die vom Schlaf gezeichneten Augen des Katers, mit lodernde Flammen, heiße Spuren in N8kätzchens Seele.
Während sich die Sonne ihren Weg durch die dunkle Nacht bahnte und hoch und höher stieg, vergaßen die beiden schnurrenden Kätzchen alles um sich herum, bis sie schmerzhaft daran erinnert wurden, daß die Gegenwart den Kater fest in ihrer Gewalt hatte, und das metallene Häuschen ihn unbarmherzig aus Kätzchens Armen reißen würde.
Nie mehr loslassen wollte die Katze ihren Kater, die kostbaren Sekunden der süßen Ohnmacht festhalten, denn was seit wenigen Stunden mit ihr geschah war das Schönste, das sie je erlebt hatte. Die N8katze wußte, daß der entführte Kater recht bald durch seinen kleinen sprechenden Zauberknochen zu ihr süße Worte mauzen würde und das machte sie froh und glücklich, als sie nach einem langen Abschied zu ihren Katzenkindern fuhr.
Die verrinnenden Stunden erfüllten das auf des Katers Stimme wartende Kätzchen mit großer Angst. Sie fühlte, daß etwas Schlimmer geschehn war, denn der große Kasten, aus dem sonst liebevolle Katerworte klangen, blieb stumm. Erinnerungen an zugefügtem Schmerz der Vergangenheit holten sie ein, und das Kätzchen vergrub ihren nassgeweinten Kopf tief in das weiche Kissen ihres Körbchens.
Enttäuschung breitete sich in ihrem Innern aus. War alles nur eine Katerlüge? So mußte es wohl sein, denn die N8katze fand keine andere Erklärung für des Katers Schweigen. Sollten diese zärtlich blickenden Augen wirklich voller Lüge und Hinterlist sein? Mit schmerzhaftem Bangen versuchte sie Kontakt durch den leblosen Zauberkasten zu ihrem Kater zu bekommen und kratzte, mit zitternden Pfötchen, kläglich zusammengekauert, wehmütige Vorwürfe auf die Tastatur des Todes, um den Schmerz in Katers Ohren zu schreien.
Die Angst und Verzweiflung hinterließ blutendend brennende Spuren in ihrer bloßgelegten Seele.
Doch dann durchfuhr die N8katze ein freudiger Schreck, als sie ein "Hi" des Katers am Bildschirm erreichte. Ihr Pfötchen schleppten sich über die Tastatur, um dem Kater mitzuteilen, daß sein Katzerbriefkasten gefüllt war. Schluchzend trennte sie die Verbindung und warf sich bebend in das Körbchen, ihren Kuschelbären fest an sich gepreßt. Weinkrämpfe brachten den Katzenkörper zum Beben, nahmen ihr die Luft des Lebens. Sie erinnerte sich mit Qual an ihr unglücklichen Katzenlebens, dem sie versucht hatte, glückliche Momente zu stehlen. Ja, sie hatte es nicht anders verdient und die Pein nahm von ihr Besitz.
Wenige Augenblicke später riß sie die Stimme des N8katers aus der Tiefe der Leere an die Oberfläche des Lichtes, denn er mautzte mit bebender Stimme ihr liebende Worte der Erklärung ins Ohr. Ein glückliches Lächeln breitete sich über ihr verquollenes Katzengesicht aus und sie fühlte eine nicht definierbare Wärme in sich aufsteigen.
Endlich Ruhe, dachte sich die N8katze, als die Schwester sie zu ihrem Krankenkörbchen führte. Das Zimmer war hell und freundlich und die Katze freute sich auf die Tage des Alleinseins, denn sie wollte endlich Ruhe in ihr Leben einziehen lassen, Abstand von ihrem Gefährten finden und über ihre N8katergefühle nachdenken.
Angst vor dem scharfen Messer hatte sie nicht, denn sie wußte, daß es ihrer Seele gut tun würde und sie sich danach als Katze wieder liebenswerter finden würde. Rasch packte sie ihr mitgebrachtes Köfferchen aus und verstaute die mitgebrachten Sachen in den Schränken. Mit einem erleichterten >yappp< machte es sich die N8katze in dem fremden, nach Frische riechendem Körbchen bequem.
Ja, so gefällt es mir, sagte sich die N8Katze und drückte auf den kleinen silbernen Knopf, um sich die Katzenmusik anzuhören und wieder einmal von Liebe und Sehnsucht zu träumen. Der erste Tag in der ungewohnten Umgebung verging wie im Flug und die Vögel draußen auf den Bäumen im Krankentierheim sangen die N8katze in Schlaf.
Am nächsten Morgen wurde sie freundlich von den Menschen in den weißen Kitteln geweckt, erhielt ihre Spritze und wurde in den nackten unpersönlichen Raum zu den scharfen Messern geschoben. Aufgekratzt versuchte die N8katze noch einen Witz zu erzählen, doch die Pointe gingin der schnelleinsetzenden Narkose unter. Und so schlief sie ihren Schönheitsschlaf.
Aus der Narkose erwachend, befand sie sich wieder in ihrem Körbchen und durch das offenen Fenster streichelte sie der Wind.
Als sie dann noch die Stimme ihres Katers durch den Zauberknochen auf ihrem Nachttisch hörte, war sie eine der glücklichsten Katzen unter der Sonne.
Oh ja, der Zauberknochen sprach jeden Tag mehrere Stunden zu ihr, machte sie ruhig und zufrieden und fraß die kleinen bösen Zweifelungeheuer auf, die versucht hatten, sich in ihrem Herzen breit zu machen. Ob sie sich auf dem Balkon in der Sonne räkelte, in ihrem Körbchen eingekuschelt lag oder vor ihrem reichgefüllten Freßnäpfchen saß, stets hörte die das liebevolle Mauzen des N8katers durch den sprechenden Zauberknochen. Gab es je irgendwann einmal eine Katze, die in einem Tierkrankenheim so viel telefonierte?
Und mit jedem Mond der auf und unterging, war sich die N8katze in ihren Gefühlen zu ihrem N8kater sicherer, bis sie eines Tages erstaunt feststellte, daß sie diesen Kater wirklich und wahrhaftig innig liebte. Diese Gefühl war neu für sie, war anders, als alles was sie bisher erlebte. Auch wenn sie manchmal sich im Körbchen vor Schmerzen krümmte, versuchte sie, dem N8kater die schweren Schmerzen zu verheimlichen, denn sie wollte nicht, daß er mit ihr litt
Sehnsucht krampfte so manches mal ihr Katzenherz zusammen, doch tapfer hielt sie durch, nur noch wenige Sonnen und sie würde allein mit ihrem N8kater vier wunderschöne Tage am großen Wasser verbringen. Allein der Gedanke an diese Tage halfen ihr schnell wieder hüpfen und zu springen zu lernen. Für die N8katze und den N8kater schien die Sonne in ihre Herzen und brachte es mit seinen heißen Strahlen zum Rasen. Sie mauzten jeden Tag miteinander, schreiben sich mit verliebten Pfötchen ihre Sehnsucht aus dem Herzen und konnten die Zeit des Wiedersehens kaum erwarten.
Die Tage am großen Wasser wurden für sie zu den schönsten Tagen ihres Katzenlebens. Gemeinsam streunten sie durch die Gegend, fuhren auf einem großen Eisenkasten über das Wasser und kuschelten sich jeden Abend eng in ihrem Körbchen aneinander, bevor sie, einander zärtlich zumauzend, der Schlaf sie in himmlische Träume entführte.
Hoffnung auf ein gemeinsames Katzenleben hatten die beiden liebenden Katzen. Die dunklen Wolken der Vergangenheit schienen ihnen nicht mehr ihr Katzenleben zu verdunkeln, denn die Liebe leuchtete ihnen so hell und warm, daß sie viel Kraft für den Katzenalltag sammeln konnten.
Während der N8kater seit einigen Tagen aus dem engen Katerkäfig ausgebrochen und bei seiner alten Katermutter Schutz und Zuflucht gezogen hatte, nutze die N8katze jede freie Minute, um die vielen unerledigten Dinge zu tun, die sie auf ihrem gewählten Katzenweg weiterbringen sollten.

Juni 1999

Wieder einmal saß die N8katze schlaflos an ihrem Schreibtisch und schrieb mit zittrigen Pfoten ihr Leid ins Katzentagebuch. Sie wußte nicht wohin mit den Worten des Kummers, denn niemand verstand sie.
Seit vielen Jahren spürte sie, daß sie nichts mehr mit ihrem Gefährten verband. Aber wie sollte sie sich lösen, wie sollte sie das ihren Katzenkindern erklären? Sich die tiefe Wunde leckend, fragte sich die N8katze, wieviel Elend ein Katzenherz verkraften kann, bevor es in tausende Stücke zerspringt.
Und würden sich nicht die spitzen Scherben in die Samtpfötchen ihrer Katzenjungen bohren und sie in fernen Zeiten am Spingen und Toben hindern? Hatte sie das Recht dazu und durfte sie es denn verantworten, sich von ihrem Gefährten zu trennen und ihren Jungen den Vater zu nehmen?
Nächtelang weinte sie Tränen des Schmerzes und der Verzweiflung, denn sie sah keinen Weg, bewegte sich mit unsicheren Schritten auf dem Grat der Entscheidung.
Als sie am nächsten Tag mäusefangend durch die Stadt lief, erreichte sie die Stimme ihres Gefährten durch den kleinen Zauberknochen. Bittere, kränkende Worte des Vorwurfs mußte sie sich anhören, denn ihr Gefährte hatte entdeckt, daß sie heimlich gefangene Mäuse als Vorrat hortete um hungrigen Zeiten vorzubeugen. Panik machte sich breit, denn sie wußte was im heimatlichen Körbchen auf sie zukommen würde.
Wieder einmal würde es verletzende Worte geben, würde ihr Gefährte sie mit Anschuldigungen quälen, sein Leben weggeworfen zu haben. Warum sah er nicht, daß sie Welten trennten, daß es keine Gemeinsamkeiten mehr gab und daß die vielen Büchsen gegorener Milch ihn und das Leben der Katze und der Katzenkinder verändert hatten.
Hoffnungsvoll schloß sie die Tür auf, denn sie wollte Worte der Erklärung für ihr Handeln geben, denn das war sie ihm schuldig. Doch sie traf nur die schneidende Peitsche seiner Worte. Der Schmerz krümmte ihren Gang, als sie sich resignierend mit einem Buch in den Pfoten an den großen schwarzen Tisch im Katzenarbeitszimmer setzte. Nein, sie wollte nichts hören, sie wollte nichts fühlen und das Buch sollte sie in entfernte Welten von Liebe und Harmonie entführen, die sie schon lange nicht mehr kannte.
Einsam und unglücklich die Pfoten um ein nasses Taschentuch geklammert, verschwammen ihr die Worte vor den Augen. Wie sollte sie je dem Strudel des langsamen Todes entgehen, denn sie wußte doch aus Erfahrung, daß sich ihr Gefährte irgendwann beruhigen würde und alles wieder von vorne begann. Ja, er hatte Recht mit seinen Vorwürfen, aber warum fragte er nicht nach dem Grund des Handelns, verurteilte sie und ließ keine erklärenden Worte zu?
Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Aussichtslos erschein ihr die Situation, denn sie meinte, daß der Gefährte sich Leid antun würde, wie damals in der Weihnachtsnacht, als er von ihren Trennungsabsichten erfuhr und den mit gegorener Milch gefüllten Körper aus dem Fenster stürzen wollte.
Hatte die N8katze nicht auch Verantwortung für das Leben ihres Gefährten, denn es sie verbanden sie Jahre des gemeinsamen Körbchens und drei Katzenjunge forderten ihr Recht ein.
Doch wie sollte sie weiterleben, mit welch dunklen Flügeln würde die Nacht der Verzweiflung sie immer und immer wieder einholen. Wo waren ihre Träume von einem sonnigen Katzenleben geblieben? Was ihr blieb, war bitterer Alltag. War das denn alles, was ihr vom Leben bleiben sollte? Das durfte sie nicht zulassen.
Während im Innern der N8katze ein Kampf der Giganten gekämpft wurde, forderte der Gefährte sie mit barscher, leicht lallender Stimme zu einem weiteren Gespräch auf.
Plötzlich bäumte sich die N8katze auf, ihre Augen funkelten wild und entschlossen und ihre Nerven wurden zu starken Seilen, die ihr Halt gaben.
Ja, es mußte sein, ja sie würde zu Ende bringen, was sie mehrmals begann und doch nie zum wirklichen Ende führte. Sie wollte diesen Gefährten nicht mehr. Nein, sie wollte ihn nicht. Nein, nein und nochmals nein.
Angst vor den nächsten Stunden und doch fest entschlossen, nie nie wieder sich von ihrem Zukunftsweg abbringen zu lassen, folgte sie dem Gefährten ins andere Zimmer. Kein Betteln und Flehen, keine bösen, verletzenden Worte brachten sie mehr von ihrem Ziel ab und sie informierte, mit ruhiger und entschlossener Stimme, sich zu keinen Gefühlen zwingend, ihren Gefährten von ihrem Weg , der nach langen Monaten der Unentschiedenheit, zu einer endgültigen Entscheidung geworden war.
Juli 1999
Die N8katze nahm ihren Kuschelbären und baute sich ein neues Schlafkörbchen in einem anderen Zimmer. Hier lag sie nun und dachte mit wehem Herzen an des N8katers Mauzen. Mit allen Vieren stand die N8katze fest verwurzelt auf der Erde und gleichzeitig schwebte sie auf watteweiche Wolken, wenn sie an ihren N8kater dachte. Trotz allem waren sie da, die kleinen Zweifelungeheuer, die auf leisen Sohlen sich in die Gedanken der N8katze schlichen und sie nicht an Liebe und Glück hoffen ließen.
Auch der Gefährte der Katze hatte sich in der Zwischenzeit wieder beruhigt, denn er wußte nun - und begriff es, daß die N8katze ihre Zukunft nicht mehr mit ihm verbringen würde. Gemeinsam setzten sie sich an einen Tisch und beratschlagten, wie sie sich in Freundschaft trennen könnten. Ab und zu wandte sich der Gefährte sich in seinem Schmerz von der Katze ab und griff wieder zu den Büchsen gegorener Milch, denn er hatte Angst vor dem Leben allein. Die N8katze half dem Gefährten über diese traurigen Momente hinweg und versicherte ihm, daß sie auch weiterhin freundschaftlich miteinander umgehen würden.
Auch die Katzenjungen atmeten innerlich auf, in ihrem Körbchen wurde es ruhiger und es fielen nicht mehr so böse Worte zwischen dem Gefährten und ihrer Katzenmutter. Doch die N8katze hatte ein schlechtes Gewissen ihren Mietzekätzchen gegenüber.
Sie hatte mit dem N8kater und ihren Jungen einen gemeinsamen Urlaub im Land des Käse geplant und die Kleinen wußten nicht, daß sie zu fünft fahren würden. Immer und immer wieder schob sie die klärenden Worte auf, wartete auf den richtigen Moment und wußte doch, daß sie es nicht hinaufschieben durfte, denn die Zeit eilte mit langen Schritten durch die Sommertage.
Über den sprechenden Zauberknochen und dem Zauberkasten war sie in den Tagen der Trennung mit ihrem N8kater eng verbunden. Die N8katze teilte ihrem Schatz all ihre Gedanken und Ängste mit und der Kater versuchte ihr Mut und Kraft zu geben, bis sie die befreienden Worte zu ihren Jungen mauzen konnte.
Letztendlich hatte sie es gepackt und sie holte gemeinsam mit ihren Katzenjungen den N8kater von dem Haus des eisernen Ungeheuers auf Schienen ab, um alle zusammen, ein Sonnenwochenende im grünen Garten der Heide zu verbringen.
Jedesmal, wenn sich die N8katze an diese gemeinsamen Tage erinnerte, erleuchtete ein Lächeln ihr Katzenanlitz und ihr Herz puckerte wie wild.
August 1999
Als der N8kater am Tag nach dem Käseurlaub ihr Lebwohl durch den Zauberkasten sagte, denn die Macht des Zauberknochens hätte seine Entscheidung beeinflußt, brach für die Katze eine Welt zusammen. Sie konnte die Entscheidung des Katers nicht verstehen, in seinem Käfig weiter gefangen zu bleiben, denn sie wußte um die Macht der Sehnsucht und Liebe in des Katers Herzen.
In wenigen Tagen wurden die vorher strahlenden schönen Katzenaugen leer und starr, ihr Gang kraftlos und müde. Sie fraß nichts mehr und das ehemals glänzende Fell, verwandelte sich in eine stumpfe, häßliche Hülle, die um ihren abgemagerten Katzenkörper schlotterte.
Während ihre Katzenjungen wütend auf die Feigheit des N8katers waren und ihn am liebsten in der Luft zerrissen und mit Behagen gefressen hätten, versuchte die Katze mit leblosen Worten ihren Kätzchen Verständnis für die Handlungen des geliebten Katers rüberzubringen, die sie selbst ja nicht einmal hatte.
Die liebende Katze hatte ihr weites, offenes Herz in die Pfötchen des N8katers gelegt gehabt und ihm Einblick in alle Gedanken und Träume ihres bisherigen Katzenlebens gegeben. Sie fühlte sich nackt und bloß und vertraute dem Kater unendlich, daß er sie nie würde verletzen. Sie dachte an die damals zusammen geträumten Zukunftspläne, an die geplante Reise auf die Sonneninsel und an all die Dinge, die den N8kater aus seinem finsteren Käfig befreien sollten. Ja, der N8kater hatte sich sogar in der Stadt der N8katze einen neuen Mäusefangplatz gesucht.
So manches mal fühlte sie, wenn es dem N8kater schlecht ging und sie machte sich unendlich große Sorgen. Auch dem N8kater ging es so.
Doch dann bekam der Kater unendlich große Angst.
Angst vor sich selbst und Angst vor der tiefen Liebe der N8katze zu ihm. Bis zum heutigen Tag konnte und kann sich die N8katze nicht erklären, warum sie der Liebe des N8katers so sicher ist, obwohl ihr viel Leid angetan wurde.
September 1999

Viele mal ging die Sonne auf und wieder unter. Viele schlaflos durchgeweinten Nächte vergingen, ehe das älteste Katzenkind den Schmerz ihrer Mamakatze nicht mehr mit ansehen konnte, einen Brief über den Zauberkasten schrieb und nach einem weiteren Tag, den sprechenden Zauberknochen nahm und mit energischer Stimme den Käfigwärter aufforderte, den N8kater an den Knochen zu holen. Mit allen dem jungen Kätzchen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfte es, für das Glück ihrer Mamakatze. Und N8kater und N8katze fanden wieder zusammen.
Die Sehnsucht hatte über die N8katze und den N8kater gesiegt und sie wollten nun aus den gemachten Fehlern der Eile lernen. Sie sprachen mit Hilfe des Zauberknochens zueinander und versicherten sich gegenseitig ihrer Liebe. Diese Liebe sprengten die Ketten, die das Herz der N8katze zusammengeschnürt hatten und sie glaubte wieder an die gemeinsame Zukunft, an der sie im Innern nie gezweifelt hatte.
Doch der N8kater war freiwillig wieder in seinen Käfig zurückgekehrt. Zwar hatte er sich einen Nachschlüssel besorgt, um sich ungehindert mit der N8katze zu treffen, doch er beeilte sich jedesmal wieder in seinen Käfig zu kommen, bevor der Käfigbesitzer nach Hause kehrte.
Oktober/November 1999
Die N8katze wollte es ihrem N8kater leicht machen und fuhr alle 14 Tage mit dem eisernen Ungetüm in die fremde Stadt mit dem großen gläsernen Elefanten.
Jedesmal mietete sie sich das gleiche Körbchen und wartete sehnsuchtsvoll auf das Erscheinen ihres N8katers. Die gemeinsamen Stunden gaben der verzweifelten Katze nur für wenige Tage Halt, dann griffen die riesigen Fangarme der Sehnsucht wieder nach ihr und machten ihr das Herz schwer und ihre Augen müde.
Jeden Tag kämpfte sie gegen sich selber, wollte dem entfernten und geliebten Kater nicht die Luft zum Atmen nehmen. Doch die Liebe, die sie verspürte und vor allem auch die Gewißheit seiner Liebe zu ihr, ließen sie so manches mal nicht mehr klar denken.
Als sie schmerzhaft erkannte, daß sich der N8kater bedrängt fühlte - obwohl sie dieses im Innern ihres Katzendaseins nicht glauben wollte - nahm sie sich zurück. Damit begann ein weiterer Leidensweg, von dem sie damals nicht einmal etwas ahnte.
Doch der N8kater versicherte ihr jeden Tag seine große und innige Liebe, sie vertraute ihm wieder vollkommen und wartete sehnsüchtig auf den Augenblick, an dem er die rostigen Eisenstäbe seines Käfig aufbrechen würde und mit gezielten Schritten für immer zu ihr eilen würde.
Sie wußte alles von ihm, wie der tägliche Stand im fernen Käfig war, was sein Käfigbesitzer machte und tat, wie weit der Stand der Käfigverkaufes war und welchen neuen Käfige sich der Kerkermeister anschaute. Und immer noch glaubte sie fest an die Kraft der Liebe ihres N8katers. Nein sie glaubte nicht, sie wußte darum.


Dezember 1999

Wenige Tage sollten sie von ihrem Glück trennen, da wurde ihr ein spitzer Dolch in das geöffnete Katzenherz gestoßen. Die N8katze konnte nicht glauben, was mit ihr geschah, sie sah das Blut und fühlte den Schmerz, der sie schier umzubringen schien. Alles in ihr bäumte sich auf, unbarmherzige Weinkrämpfe ergriffen von ihr Besitz und ließen sie nicht mehr los. Mit jeder Sekunde ihres Katzedaseins floß ein weiterer Lebenstropfen aus ihr heraus und machte sie zu einer Geisterkatze. Ihr sonst lächendes Anlitz verwandelte sich in eine vor Schmerz verzerrten Grimasse. Sie fand keine Kraft, sich aus dem Sumpf der Verzweiflung herauszuziehen, der sie tief und tiefer unter die Oberfläche des Lebens zog.
Egal, was sie auch versuchte, sie schaffte es nicht, sich gegen den Sumpf zu wehren und verfiel jeden Tag mehr. Mit letzter Kraftanstrengung erinnerte sie sich an den Zauberkasten und daß es eine Möglichkeit gab, ihren Schmerz in die Welt herauszuschreien. Und vielleicht hörte ihr Kater eines Tages diesen Schrei und wurde so aus seiner Ohnmacht geweckt. Die N8katze wollte verstehen, was da mit ihr geschah, denn sie wußte, daß wenn sie es verstehen würde, dieses auch vielleicht verarbeiten und irgendwann einmal vergessen zu können.
Tage- und Nächtelang saß sie vor dem Zauberkasten, schlaue Bücher vor sich, und versuchte mit ihren zarten geschundenen Pfötchen und tränennassen Augen ihrem Schmerz in Worte zu fassen. Versetzte sich in die Lage des Käfigwärters und auch in die des N8katers und schrieb sich ihre ohnmächtige Lage mit blutenden Pfötchen aus ihrer gefolterten Katzenseele, erstellte eine Homepage der geschundenen Liebe.
Nach einem Jahrtausend der Ewigkeit, der doch nur wenige Tage dauerte, schickte sie ihren Schrei um die Welt, denn sie hatte niemand mehr, der sie trösten konnte und an den sie sich im Schmerz anlehnen konnte.
Ihre Katzenjungen sahen jeden Tag das Elend ihrer Mutterkatze und konnten ihr doch nicht helfen.


Januar 2000

Und der Schrei wurde gehört. Aus allen Teilen des Landes erreichte sie tröstende Worte von gleichem Leid Geplagter. Sollte die Welt des Zauberkastens nur noch aus Lug und Trug bestehen? War der Zauberkasten vielleicht ein Wunderding des Teufels, um hoffende Seelen in seine Gewalt zu bekommen?
Um ihren Schmerz und ihr Leid zu verdrängen, machte sie den fremden Geschöpfen Mut und stand ihnen mit Rat und Tat jederzeit zur Seite. Nach außen hin wurde die N8katze immer ruhiger, doch der Schmerz griff des Nachts mit unbarmherziger Gewalt zu und stieß sie in die Abgründe von grauenhaften Albträumen, so daß sie den Schlaf vermied, so immer sie es konnte.
Unendlich war ihre Sehnsucht nach Zärtlichkeit. Unendlich der Wunsch, sich anzulehnen und auszuruhn. Sie versuchte krampfhaft in einem anderen Wesen den N8kater wiederzufinden, zu groß waren die Gemeinsamkeiten und die Ähnlichkeiten. Doch sie betrog sich selbst und fügte sich selbst noch mehr Leid zu, ehe sie aufschreiend vor Schmerz aus ihrer Scheinwelt erwachte. Nein sie konnte und sie wollte niemanden außer ihren Kater. Er war ein Teil von ihr, er war ihr Salz, ihr Blut, Teil ihres Leben.
Ihre Gedanken weilten stets und ständig bei ihrem geliebten Kater, sie fühlte, daß er unglücklich mit seiner Entscheidung war, und die Zeit des Käfigs sein Denken vernebelt hatte.
Februar/März 2000
Sie mußte tatenlos zusehen, wie die Sonne ihre winterlichen Bahnen zog, ohne daß sie je des Katers Mauzen hören konnte.
Stumm liefen ihr jeden Tag die Tränen aus den vor Leid geschlossenen Augen und mit jeder Faser ihres zarten Katzenkörpers kämpfte sie lautlos den ungleichen Kampf der Liebe, bis sie schließlich kraftlos und erschöpft zum Zauberknochen griff.
Die N8katze machte sich mehr Sorgen um das Wohlbefinden ihres Katers, als um sich. Glücklich sollte ihr Kater sein, auch wenn sie der Gram und das Leid tief und tiefer rissen.

April 2000
Und sie fanden beide wieder einmal zusammen, den die Homepage rüttelte den Kater aus seinem Verdrängnisschlaf. Er erkannte die Liebe in seinem Herzen. Doch die N8katze konnte und durfte ihm dabei nicht helfen, denn wenn er es nicht von alleine schaffte, würde es nie gemeinsame Träume geben.
Des N8katers liebevolle Mauzen, seine Worte der Liebe, die er so spät erkannte und vor allem, daß von ihm nur für seine N8katze geschriebene Lied der Liebe, heilten das kranke Katzenherz und machte die N8katze von Tag zu Tag stärker.
Still für sich dachte die N8katze an die schweren Zeiten, die vor dem N8kater lagen. Sie allein wußte, wie schwer und doch wie einfach es war, die Fesseln der Gefangenheit für immer abzulegen.
Fest glaubte sie wieder an die Kraft der Liebe und erstickte Gedanken des Scheiterns in ihrem Keim, denn sie wußte genau, daß sie einen weiteren Schmerz nicht überleben würde. Und ebenso fest vertraute sie den zukünftigen Taten des Katers, denn er war endlich aus dem Schlaf der Verdrängung erwacht.


Mai 2000

Einen Tag vor des N8katers Geburtstag stand er vor dem neuen Katzenkörbchen in Berlin mit all seinen Sachen. Er hatte den Mäusefangplatz in der Stadt des gläsernen Elefanten gekündigt, seine Gitterstäbe hinter sich gelassen.
Ein strahlendes glückliches Lächeln breitete sich über das Katzenantlitz aus. Sie war die glücklichste Katze auf dieser Erde. Sie zeigte ihrem geliebten Kater alles und bat ihn, sich häuslich einzurichten.
Den N8katergeburtstag feierten sie an des Katers schönstem Platz, auf dem Wasser, auf einem schwimmendem Eisenkasten.
Einen Tag nach dem Katergeburtstag war alles vorbei.
Als die N8katze vom Tierarzt kam, war ihr Kater und alle seine Sachen verschwunden. Starr vor Schock las die N8katze den ihr hinterlassenen Brief, der nur wenige Zeilen enthielt. Nicht eine einzige Katzenträne rann über das Gesicht, zu groß war der Schock, zu tief die Enttäuschung, zu schmerzvoll das hintergangene Vertrauen.


Juni 2000
Es gab nur Momente, da holte der Schmerz sie ein, obwohl sich die N8katze fest vorgenommen hatte, nie wieder so zu leiden, wie im Dezember 1999, als der Kater vor seiner eigenen Courage kniff.
Die N8katze verdrängte ihren Schmerz mit Macht und Gewalt und baute um ihre Seele eine hohe undurchdringliche Mauer. Der Verstand sagte ihr, den N8kater zu vergessen, doch das geschundene Katzenherz konnte im Innern der Katze nicht loslassen.
So verging die Zeit und in die Katzenseele zog Ruhe ein, eine trügerische Ruhe, aber dennoch eine Ruhe.
Bis sie eines Tages von einem baggernden Fremden, den sie sehr unsanft in seine Schranken verwiesen hatte, eine Mail bekam. Es sei ein Freund eines gemeinsamen Bekannten und diesem Bekannten ginge es sehr schlecht. Der Freund hieß N8kater.
Eine an die Katze nicht abgeschickte Mail aus des N8katers Zauberkasten, die der Fremde auf das Verlangen der N8katze an sie abschickte, brachte die geschundene Katzenseele in Aufruhr.
Sie erfuhr aus der "Tagebuch"Mail, wie es dem Kater nach seiner Flucht ging und es zerriss ihr das Herz vor Schmerz, denn sie liebte ihren N8kater und dachte, daß er, mit seiner Entscheidung in den Käfig zurückzugehen, glücklich sei.


Juli 2000

Während eines gemeinsamen Urlaubs mit ihren beiden jüngsten Katzenkindern, unter der heißen Sonne im fernen Land des Ostens, fand die N8katze endlich die Ruhe und Kraft, über ihr weiteres Katzenleben nachzudenken. Und die Gedanken um den N8kater gehörten dazu. Sie erfuhr über sich selbst, daß sie bisher in ihrem Katzenleben immer die starke Kampfkatze war und ihre Gefährten schwächer als sie waren. Sie beschloß, daß dieser rote Faden, der sich durch ihr Leben zog, mit dem Urlaubsende abreißen mußte. Die N8katze wollte ein offenes, klärendes Gespräch mit dem N8kater, denn seine Flucht war für sie kein Abschluß, das erkannte sie mit tränenden Augen.
Als sie sich in der Stadt des gläsernen Elefanten gegenüberstanden, siegte die Liebe über Beide. Und doch zwang sich die N8katze, ihrem Kater mitzuteilen, daß sie keinen schwachen Kater wolle, sondern nur einen Kampfkater, der weiß, was er will und der die Kraft hat, seinen Weg zu Ende zu gehen.
Ein eigenes Katerkörbchen sollte es sein, denn den Käfig seines Gefährten wollte er verlassen. Ein Körbchen in der Stadt des gläsernen Elefanten, denn dort sollte auch die 104 Monde dauernde neue Ausbildung für einen neuen Mäusefangplatz sein. Und in dieser Zeit würde sich herausstellen, ob der N8kater ein Kampfkater war und der N8katzenliebe wert wär.
Bis zum klirrenden Winter wollte der N8kater sein eigenes Körbchen bezogen haben und den Einzug dann gemeinsam mit seiner N8katze feiern.
Doch die N8katze war keine dumme Katze mehr. Sie glaubet fest an die Liebe ihre N8katers, wußte aber gleichzeitig, daß sie nicht warten darf und ihre Gedanken nur um den Kater kreisen dürfen, sondern, daß sie ihr Katzenleben LEBEN muß...


September/Oktober 2000

Viele Stunden mauzten sich die Katzen, bei einem erneuten Treffen, ihre Gedanken und Befürchtungen zu, während ihre verschlungenen Pfoten sich gegenseitig zärtlich streichelten. Tausende aufrichtige und wichtige Worte der Erkenntnis wurden getauscht und der Weg zum gemeinsamen Ziel geebnet.
Erst jetzt erkannte die N8katze, daß sie nicht nur die Liebe und ein gemeinsames Ziel verbanden, sondern, daß jede Katze ihren eigenen Weg wählen und gehen mußte, um sich selbst treu zu bleiben.
Ab und zu zogen dunkle Erinnerungen an Schmerz und Pein und die daraus resultierenden Erwartungsängste die N8katze in die Tiefe. Doch sie kämpfe mit aller Macht und Gewalt dagegen an, zumal Ihr liebster Kater alles in seiner Macht stehende tat, um ihr die Sicherheit und das Vertrauen an ihn wiederzugeben.

Oktober 2000
Stille, leise Tränen liefen über das Katzengesicht, als die N8katze den Hörer des Zauberknochens wieder auflegte. Ihr N8kater unterbrach die Verbindung als sein Gefängniswärter kam. Viele Monde waren vergangen, als der N8kater über seinen Weg zu seiner N8katze sprach. Doch all die aufgezählten Zwischenstationen...wo waren sie? Leer fühlte sich die Katze, leer und ausgebrandt. Obwohl sie der Liebe ihres Katers wußte, war sie nicht mehr in der Lage, zusätzliche Schmerzen zu ertragen, denn sie fühlte sich sehr gedemütigt. Sie verstand ob der Angst ihres Katers, bestimmte Worte zu seinem Gefängniswärter zu sprechen, sie konnte seine Angst davor sogar spüren. Und doch war es an der Zeit - fast 15 Monde nach ihrem erneuten Zusammentreffen - daß der Kater aufräumte. Daß der Kater sich seine, ihm zustehende Freiheit von seinem Gefängniswärtner nahm, denn dieser wußte seit langem von der Katze. Immer und immer wieder hatte die N8katze in den zurückliegenden Wochen Verständnis für den N8kater gezeigt, hatte ihm ihr vollstes Vertrauen geschenkt. Eine Gabe, die es kostbarer nicht geben könnte. Daß es einige Monde bedarf, ehe der N8kater ein eigenes Körbchen hatte, das war der Katze durchaus bewußt. Aber sie hatte kein Verständnis mehr dafür, daß der N8kater sich weiter fesseln und knebeln ließ. Die N8katze wollte klare Fronten, denn der Worte waren genug gewechselt. Und so saß sie dann vor dem Zauberkasten und tippte alles entscheidenden Fragen an ihren geliebten Kater:
- Warum die Katze diese zusätzlichen Demütigungen ertragen mußte,
- Warum der N8kater es zuließ, daß Fremde über seinen Willen entschieden,
- Warum der Kater nicht in der Lage war, seine ureigenste Angst zu überwinden,
- Warum er, wissend um das Innere seiner Katze, es hinnahm, daß diese Pein erlitt,
- Welchen Stellenwert die N8katze überhaupt in N8katers Leben hat, denn den Handlungen des Katers zufolge, war sie nicht mehr als eine Mäträssenkatze.
Diese Worte zu schreiben, fiel der N8katze unheimlich schwer, doch sie konnte und durfte sich nicht aufgeben. Die N8katze hatte der Probleme in ihrem Leben bereits genug, denn Ihre kleinen Miezekatzen zu Hause machten ihr so manches Mal das Leben schwer.
Sie wollte einfach nur Ruhe in ihr Leben einziehen lassen können, sie wollte mit ihrem starken Kater eine neue glückliche Katzenfamlie gründen. Daß der Kater dieses auch wollte, ja das wußte die N8katze. Aber sie war sich immer unschlüssiger, ob ihr geliebter N8kater die Kraft für den letzten - endgültigen - Schritt aufbringen konnte. Mit Schrecken dachte die N8katze an das Weihnachtsfest. Den Worten ihres Katers zu Folge, wollte dieser die Zeit mit ihr und ihren Miezekätzchen verbringen, doch der Katze fiel das Glauben daran unsagbar schwer, denn bisher handelte der Kater nicht.
Die N8katze hatte Angst, unsagbar große schmerzende, sie zerfleischende Angst. Angst vor sich selbst und Angst vor der Zukunft. Immer und immer wieder tönte aus den kleinen Kisten auf dem Zauberkasten das Katzenlied. Es sollte sie aufbauen, es sollte ihr Vertrauen und Kraft schenken, doch die Tränen flossen immer schneller.
Die N8katze wußte, daß sie über ihre Ängste mit dem N8kater nicht mehr sprechen durfte, eine zusätzliche Belastung, die ihr schier das Herz zerriß, denn sie wollte nicht, daß sich ihr geliebter Kater gedrückt fühlt, lieber litt sie still vor sich hin und zwang sich bei jedem Mauzen zu Fröhlichkeit.
Die N8katze hatte niemanden, außer ihrem Tierarzt, mit dem sie über ihre Ängste reden konnte, denn das Unverständnis für das Katerhandeln war in der ganzen Tierwelt. Sie wußte, daß der Tierarzt ihr die Schmerzen nehmen konnte und hatte gleichzeitig Angst, was der Tierarzt aus ihrer geschundene Katzenseele ausbuddeln würde. Sie kämpfte mit sich und um ihre Liebe, immer in der Hoffnung, irgendwann einmal eine glückliche Katze zu sein dürfen.

November 2000
Eines Tages rief der Gefängniswärter die N8katze über den Zauberknochen an und versuchte, sie über den N8kater auszufragen Die N8katze wollte und konnte nicht lügen und mautzte die Wahrheit in das Ohr des Gefängniswärter. Sie wollte ihm nicht weh tun und überlegte sich jedes einzelne mauzen. Ihr N8kater schalt sie darüber, denn er fauchte, daß es seine Aufgabe wär, und er von beiden Seiten an seinen Pfötchen gezogen wird, ohne daß man nach seinem Befinden fragte. Dies tat der N8katze mehr weh, so glaubte sie anfangs, als die schneidenden Worte des gemeinsam geteilten Körbchens zwischen dem Gefängniswärter und dem N8kater. Sie redete sich ein, daß sie ja nicht danach gefragt hatte und vor Monaten dem Kater bereits zugemauzt hatte, daß sie das körperliche Verlangen verstehen würde. Doch die N8katze hatte sich tief in ihrem Innern getäuscht. Es tat ihr weh. Es tat ihr sehr, sehr weh. Anfangs verspürte sie eine tiefe innere Ruhe, da sie wußte, daß der N8kater offene, alles klärende Worte zu seinem Gefängniswärter sprach, doch diese Ruhe wurde von dem Schmerz der Erkenntnis verdrängt, daß der geliebte N8kater den Gefängniswärtner zärtlich mit seinen Pfötchen gestreichelt hätte und sie übereinander lagen. Die N8katze fühlte den beissenden Schmerz in sich aufsteigen, wollte sich mit allen Pfötchen dagegen wehren...und trotzdem...diese Vorstellungen kamen immer und immer wieder. Viele stille, salzige Tränen liefen über das Katzenantlitz und verschleierten ihr die Sicht. Sie wollte schlafen und vergessen, doch die Gedanken daran ließen sie sich nur in ihre tränennassen Kissen wälzen.
Hatte die N8katze noch vor wenigen Stunden eine wohltuende Ruhe verspürt, so rasten böse, faulende Gedanken jetzt durch ihren Katzenkopf. Kleine Dinge, die die N8katze dachte, selbst aufgebauscht zu haben, fanden eine neue Bedeutung, ja die Katze stellte sogar die Liebe ihres N8katers in Frage. Mit bangem Herzeklopfen sah sie dem nächsten Zauberknochenmauzen entgegen.
Aber die N8katze begann auch ganz, ganz langsam sich wieder selbst zu erforschen und zu entdecken.
Und was das Wichtigste war, aus der immer schnurrenden Mieze, wurde eine Katze, die ihren Widerwillen zu bestimmten Katerhandlungen herausfauchen konnte und in der Lage war, Forderungen zu stellen. Forderungen die der N8kater bedingungslos zu erfüllen versprach.
Aber auch der N8kater wurde in seinem Inneren ruhiger. Er war nicht mehr der rapplige Kater, der vor dem Gefängniswärter kuschte, er bog mit aller Kraft die ihn einzwängenden Gitterstäbe seines Käfigs auseinander und nahm sich, was ihm zustand.
Und wieder zog eine tiefe innere Ruhe in die N8katze ein und glättete ihre sensibilisierten Nervenstränge.


Dezember 2000

Die ersten Dezembertage gingen ins Land und die innere Ruhe hielt immer noch an. Inzwischen wußte sie, daß ihr geliebter Kater das Weihnachtsfest und auch den Jahreswechsel mit ihr und ihren kleinen Miezekatzen verleben wollte. Sogar der Tag stand fest. Auch wenn die N8katze vor behagen schnurrte, wenn sie an die letzten Wochen im Jahr dachte, so blieb sie etwas skeptisch. Lieber nahm sie das Schlimmste an, als sich unangenehm überraschen zu lassen. Doch ihr N8kater mauzte ihr täglich liebende Worte durch den Zauberknochen zu und nahm ihr jeden Tag ein wenig mehr von ihrer Skepsis.
Aber eines Nachts war alles anders. Die N8katze lag wie jede Nacht in ihrem Körbchen, fest ihren Schmusekater an sich gepreßt. Doch der Schlaf wollte und wollte nicht kommen. Erst wälzte sie sich in ihrem Körbchen rum, dann las sie ein Buch. Urplötzlich liefen leise, stille Tränen aus ihren Äuglein. Warum nur? Hatte die Miezekatze nicht allen Grund sich zu freuen? Nur noch wenige Tage und ihr N8kater würde für viele Nächte ihr Körbchen teilen und mit ihr und ihren Katzenjungen um den grünen Baum im Zimmer tanzen. Was machte sie so traurig? Wenn sie ihren Kopf nach rechts wendete, sah sie liebevoll lächelnd auf ein Bild ihres N8katers und wenn sie nach links schaute, las sie die schönste elektronische Karte die sie jemals bekommen hatte, eine wundervolle Liebeserklärung ihres Katers. Und doch fühlte die N8katze eine schleichende Angst in sich hochsteigen. Vor genau 12 langen Monaten war sie auch eine glückliche Katze, bis sie wenige Tage vor dem Weihnachtsfest in einen tiefen tiefen Abgrund stürzte. Die N8katze hatte Angst. Hatte Angst vor Wiederholung.
Und diese Angst holte sie ein, als sie Mitte des Monats bei Freunden auf halben Weg zum gläsernen Elefanten weilte. Ihr Kater wollte am Sonntag zu ihr eilen, aber war es nicht besser, sie fuhr weiter und bleib ein paar Tage dort, um bei ihm zu sein, wenn er die letzten notwendigen Wege ging? So bräuchten sie nicht nochmals diesen Weg zu fahren. Doch des Nachts ereilte sie über den kleinen Zauberknochen eine Nachricht. Sie solle, wenn sie der Beziehung eine Chance geben wollte, nicht dorthin fahren. Es war die Nacht der Tränen. Doch am nächsten Tag versicherte der N8kater dem Kätzchen wieder und wieder seine Liebe. Er wollte sie mit bereits gegangenen Wegen überraschen. Und die N8katze faßte wieder Vertrauen in das Mauzen des Katers. Doch auch der nächste Mond stürzte sie wieder in ihr finsteres Loch, denn als sie zum Zauberknochen griff, um des Katers Mauzen zu hören, nahm der Gefängniswärter den Knochen auf. Er war nicht arbeiten, wie gesagt worden war. War alles wieder eine Lüge, griff die Panik mit harten Krallen wieder nach dem N8kater?
Der eiserne Reifen um des N8kätzchens Kopf zog sich enger und enger, der beißende Schmerz trieb ihr die salzigen Tränen in die Augen. In wenigen Tagen wurde das Fest des grünen Baumes gefeiert und die N8katze hatte eine furchtbare Angst, denn dieser Tag würde eine Entscheidung in ihr Katzenleben bringen.
Doch es war nicht der Weihnachtstag, es war der Tag vorher. Und es kam, wie die N8katze befürchtet hatte. Ihr Kater blieb in seinem Gefängnis. Diesmal weinte die Katze. Sie weinte nicht um den Kater, sie weinte nicht um sich. Sie weinte um der Liebe willen. Ihr N8kater hatte sich als zu schwach erwiesen, er hatte sich an die lange Gefängniszeit gewöhnt und meinte seinen Gefängniswärter zu lieben. Die N8katze nahm Abschied in Form eine Mail, denn sie wußte, daß sie nicht sprechen konnte. Als sie ein letztesmal die Stimme ihres N8katers, der nicht mehr der ihrige war, vernahm, war sie ganz ruhig und gefaßt. Und sie drückte ihm die Daumen für seinen eigenen Weg.
Nein, sie verbrannte nicht die Katerfotos und sie nahm auch nicht alle Erinnerungen aus ihrem Körbchen, sie wollte immer daran erinnert werden: an das tiefe Gefühl der Liebe. Unser N8kätzchen mußte aus ihren N8katzenträumen aufwachen und sich der Welt stellen.
Und irgendwo, weitentfernt in der Stadt des gläsernen Elefanten, war ein Kater, der immer noch geliebt wurde. Von der N8katze und ihren jungen Kätzchen.


Januar 2001
Vier Monde gingen ins Land und für die N8katze schien die Sonne wieder.
Klar und wegweisend. Aus der Dunkelheit erwacht, strahlte sie für sich und ihr Miezekätzchen eine himmliche Ruhe aus. Insbesonders für sich selbst.
Die Miezekatze, die Zeit ihres Lebens zwar im Innern spürte, daß irgendwas Unbestimmtes ihr fehlte, verspürte eine Ruhe und Zufriedenheit, wie nie zu vor in . Nein, nicht diese vorübergehende, zeitweise Ruhe, sondern eine wohltuende Zufriedenheit mit sich und der ganzen Welt. Diese Zufriedenheit, öffneten ihr die Katzenaugen für die vielen, vielen Kleinigkeiten des Lebens, die das Leben erst lebenswert machten.
Klar und deutlich lag ihr weiteres Leben vor ihr: sie wußte endlich, was sie FÜR SICH wollte. Und fernen Katzenträume nahmen mehr und mehr Gestalt an. Nicht die Träume für Andere oder mit Anderen, nein, es waren ihre ureigensten Träume für IHR Katzendasein.
Aus dem noch so fernen Ziel würden im Laufe der nächsten Vollmonde, viele, viele kleine und doch bedeutsame Schritte auf dem Weg in die Zukunft werden.
Jeder Schritt ein Meilenstein, um aus der Katze der Nacht, eine würdige, stolze, das Tageslicht beherrschende Katze zu machen.
Weil sie es sich wert war. Weil sie, SIE war! Nicht nur irgendeine Katze, sondern DIE Katze, die Katze namens Judith.
Und in dem Moment, in dem sie die Erkenntnis der Wahrheit einholte, in dem wichtigsten Moment, der ihr gesamtes weiteres Leben bahnbrechend beeinflussen sollte, wurde ihr bewußt, daß alle, aber auch alle salzigen Tränen der vergangenen Monate nicht umsonst geweint waren, daß jede einzelne Träne, jeder doch so überaus traurige Moment in ihrem bisherigen N8katzenleben, wichtig war.
Wichtig, um zu sich selbst zu finden.
Die N8katze hatte gelernt.
Gelernt aus dem Leid der Erfahrung. In ihrem Zauberkasten hatte die N8katze, einen Tag nach des N8katers feigem Dezembermauzen, eine Lichtung entdeckt, auf der sich viele, viele Tiere tummelten.
Und sie schrieb mit zitternden Pfötchen und weinenden Augen wahre Katzenworte und stellte ein Abbild auf diese Lichtung.
Obwohl sie sich immer und immer wieder fragte, warum sie es tat, fand sie keinerlei Antwort.
Irgendwann gab die die geschundene Katzenseele auf. Sie versteckte sich hinter dem schlauen Katzenköpfchen und ließ sich führen.
Und dieses machte die N8katze von Tag zu Tag größer und stärker, zeigte der versteckten Seele, wie wunderbar die Welt der Tiere sein konnte.
Die N8katze konnte nicht verstehen, daß es so viele Tiere gab, die ihre Gegenwart und ihr Mauzen suchten und ihre großen erstaunt schauende Augen wurden immer weniger von salzig brennenden Wassern getränkt.
Doch mehr als einen Napf Milch schlappern und mehr als wenige Stunden zusammen mauzen, nein mehr wollte die Katzenseele nicht zulassen.
Keiner der Tiere berührte ihr Katzenherz oder ließ klitzekleine Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzen.
Nicht, daß die N8katze auf der Suche nach einem anderen Kater war, aber die schützende Mauer um ihr geschundenes Herz wurde von Milchnapf zu Milchnapf immer kleiner und kleiner.
Die Katzenkinder bemerkten die Veränderung ihrer Mutterkatze mit leuchtenden Augen, denn sie sahen, wie ihre Katzenmama immer weiter aufblühte.
Und so zog auch im heimatlichen Katzenkörbchen wieder Ruhe ein.
Nach jedem Milchschlappern fragten die jungen Kätzchen "UND?", doch die N8katze hatte nichts Lohnenswertes zu berichten.
Die N8katze leckte die Wunden ihrer Kleinen mit ihrer zärtlichen Zunge und versicherte ihren jungen Miezekätzchen, daß es ihr gut ging.
Aus den gierigen Fingern des Zeitfressers tropfte mehr und mehr Lebenselexier und ließ die blutenden Wunden langsam vernarben.
Mit den Sonnen und Monden fing das Fell der Katze wieder an zu glänzen, freuten sich die Katzenaugen wieder an den Wundern der Welt. Eines Tages kam es, wie es kommen mußte.
Ihre Katzenseele hatte etwas entdeckt...
Entdeckt, wie schön das Katzenseelenleben sein kann, wenn man eine gleichgesinnte, geschundene Seele trifft.
Aber nicht nur die Katzenseele freute sich, denn sie verführte die N8katze zu verrückten Dinge, die tief in ihr schlummerten.
Und so fanden sich zwei Seelen, die vieles miteinander verband.
Mit der Zeit verwandelte sich die N8katze in eine schnurrende Wohlfühlkatze, und ihre Lebensgeister wurden groß und kräftig.
Verwundert sich mit ihren Pfötchen die Augen reibend, fragte sich die Katze, wie es denn möglich war, daß ihr eine andere Seele so viel geben konnte. Viel, viel mehr, als sie je in ihrem Katzenleben erhalten hatte.
Febr. 2001
Und doch bliesen die finsteren Winde der Erinnerung ihr so manche Sturmbö ins Gesicht und eine schleichende Zukunftsangst verdunkelten ihr immer öfter das Antlitz.
Was würde sein, wenn das Katzenherz anfangen würde zu schlagen, zu schlagen für eine fremde Seele? Und wenn diese Seele ihr Schmerz und Pein bereiten könnte?
Nein, daran wollte die Katze nicht denken, denn sie war ja schließlich eine Wohlfühlkatze, die das Jetzt und Hier mit leuchtenden Augen in sich aufsog.
Jede Nacht räkelte sie sich viele Stunden voller Wohlbehagen in ihrem Körbchen und lauschte dem Zauberknochen. Tauschten zwei Seelen Worte der Gemeinsamkeit aus, trockneten sich gegenseitig Tränen der Erinnerung, machten sich Mut und lernten aus den Erfahrungen des Anderen.
Die Katze lernte, daß die Weiten des Landes überwindbar waren, lernte eine Welt des Schnurrens kennen, die sie seit so langem vermißt hatte.
Immer öfter tauschten sich die Seelen aus, sprachen zueinander in wunderbarer Vertrautheit mit offenen, ehrlichen Worten...
Und doch weilte in beiden Seelen die Angst der Vergangenheit, holte sie mit klebrigen Fingern immer dann ein, wenn wenn sie sich am wohlsten fühlten.
Mit jeder aufgehenden Sonne verband die Seelen Unerklärliches, tankten sie Mut und Kraft und flüsterten sie sich liebevolle Worte zu.
Bis die Katze eines Tages die Kraft fand, sich das Abbild des N8katers von ihrem Katzenhals zu reißen um es mit nassen roten Augen des erinnerten Schmerzes, aus dem Fenster eines gemietetem Körbchen in der Stadt des Alaaf, mit Entschlossenheit zu werfen.
Frei sei wollte die Katzenseele, frei von blutend beißenden Gedanken der erlittenen Pein, denn sie empfand die Tränen der Erinnerung als schneidendes Messer in ihrem Herzen.
Als die Wohlfühlkatze sich der zärtlichen anderen Seele wieder zuwandte, erhellte ein Lächeln in Gesicht und ließ sie tief in ihren Bauch das Gas der Hoffnung einatmen.
Doch auch die andere Seele lernte, sich vom quälenden Strom der falschen Hoffnung freizumachen und das Jetzt und Hier noch mehr zu genießen.
Doch die Ruhe der Katze war trügerisch, denn des N8katers Mauzen holte sie ein und wühlte ihre zarte Katzenseele wieder auf.
Nein, nicht so tief und schmerzhaft wie vor vielen, vielen Monden...und doch nahm es ihr von der so dringend benötigten Kraft.
Sollte der N8kater in den Monaten ihres Schmerzes zu einem Kampfkater geworden sein?
Aber selbst wenn es so wäre, könnte sie je vergessen, was sein Handeln ihr antat?
Herz und Verstand kämpfen wiedereinnmal einen Kampf der Giganten. Und doch war es diesmal ein anderer Kampf.
Unsere Wohlfühlkatze wußte inzwischen, wer sie war und was sie wollte...
UND...
sie hatte eine starke Seele an ihrer Seite, die ihr so viel Gutes brachte.
Nein, das Herz im großen Katzenbauch würde sich nicht beugen lassen, würde sich nicht vom hellen Verstand des Lichtes unterkriegen lassen!
Und so schrieben ihre Pfötchen Worte des Abschiedes von einem irrenden N8kater, brachten mit aller Kraft die Gewißheit in die Stadt des gläsernen Elefanten, daß die Katze zwar keinen Fußtritt verhindern könnte, sich jedoch nie wieder in ihrem Katzenleben freiwillig bücken würde, um evtl. weitere schmerzende Momente zu erhalten.
Oh ja, die Katze wünschte sich mehr als alles auf der Welt, daß die quälende Schlacht ihres Bauches und Kopfes aufhören möge.
Daß die vor ihr liegenden Tautropfen, die blühenden Blumen auf der sonnigen Waldwiese, die rotgold raschelnd fallenden Blätter und der neue, frische, weiße, gefrorene Sternenregen sie mit Wohlfühlzukunft überschütten würden.
Ihre tränennassen Pfötchen ließen den Schlüssel zu ihrem Bauch, sich grausam quietschend im Schloß umdrehen und verschlossen die Katzenaugen vor weiteren N8katerworten im Zauberkasten.
Weder die Wohlfühlkatze noch die andere Seele wußten, was die neuen Monde bringen würden.
Aber sie wußten eins:
Nach jede Nacht folgt ein wunderschöner Sonnenaufgang.
Man muß nur bereit sein, die Augen zu öffnen...


März 2001

Langsam, ja fast unmerklich hielt die Frühlingssonne Einzug. Auf den Feldern und Wiesen streckten, vorsichtig aus dem eisigen Boden blickend, die ersten Krokusse ihre bunten Köpfchen ans Tageslicht.
Mit jedem Sonnenstrahl wurden die zarten Pflanzen kräftiger, mit jedem aufgehenden Mond freuten sie sich auf das nächste Morgengrauen, das neue Wärme, neues Licht versprach. Wispernd hielten sie ihre Blütenköpfchen zusammen, ihre Wurzeln fühlten noch immer den Frost des eisigen Winters.
Und auch, die N8katze fühlte sich in dieser Zeit, wie eine zarte, erwachende Pflanze, sehnte sich nach wärmenden Sonnenstrahlen, nach nahrhaftem Regen, brauchte Ruhe und Zeit zum Gedeihen...
Mit jedem morgendlichen Sonnenstrahl, der das Katzennäschen kitzelte, bekam die Katze mehr und mehr von dem, was sie so dringend benötigte.
Am Anfang unmerklich, vorbeihuschend wie ein Gedankenblitz, dann, sich irgendwann aufbäumend, staunend den erwachenden Frühling betrachtend, fühlte sie die vorsichtige Wärme, die Einzug hielt. Eine grenzenlose Wohlfühlwärme, die sie immer stärker durchströmte und ihr mehr und mehr Elexier gab.
Unmerklich schlossen sich langsam die tiefen Wunden der N8katze, streichelten sanfter Atem und vorsichtig gehauchte Worte das geschundene Katzenbäuchlein.
Wohlig schnurrend räkelte sich die Wohlfühlkatze, umarmten ihre Pfötchen die Sonnenstrahlen, schlapperte ihre Katzenzunge Tautropfen des Frühlings, schnüffelte ihr Näschen das sanfte Grün der Hoffnung, während sich der rostige Schlüssel quietschend weiter im Schloß drehte.
Mit erschrecktem Erstaunen stellte die N8katze fest, daß sie sich in Gegenwart der anderen Seele immer besser und wohler fühlte.
Immer wenn sich beißende salzige Tränen aus ihren Äuglein stahlen und versuchten, das harte feste Schloß aufzuweichen, malten die Katzenmühlen in ihrem Köpfchen auf Hochtouren, ließen den Kampf der Giganten nicht zu, paßten auf, daß die N8katze sich nicht all zu sehr grämte und von ihrem gewählten Weg abkam.

April 2001
Die Reise auf den silbernen Flügeln, in die große Stadt im Land der Stiere, schweißte die beiden verwandten Seelen noch fester zusammen. Fünf lange Mondstrahlen, die doch so kurz erschienen, schenkten der N8katze immer mehr Vertrauen und Geborgenheit in den sanften Atem der anderen Seele.
Es gab immer mehr Momente, da fragte sich die Miezekatze, warum sie so reagierte, wie sie reagierte. War es denn möglich, daß eine liebende Katzenseele - auch, wenn sie arg geschunden war - sich einer anderen Seele zuwenden konnte?
Sie erinnerte sich an die vielen, vielen, ihr immer noch unerklärlichen Vorahnungen, die den N8kater betrafen und die sich IMMER im Nachhinein als gerechtfertigt herausstellten.
Was war es aber, das sie in ihrem Bauch, fest hinter dem eisernen Schloß, mit dem N8kater verband? Bohrende Gedanken machten sich breit und stellten unbequeme und quälende Fragen, auf die die N8katze keine Antwort sondern nur Vermutungen fand.
Sollte alles nur Trug gewesen sein? Das Katzenbäuchlein bäumte sich auf und schrie verzweifelt um Hilfe. Schreie, die die festen Mauern durchbrachen, das Schloß erzittern ließen und Risse in den frisch verheilenden Narben hinterließen.
Ja, sie hatte auf ihr Bitten hin, einen Mäusefangplatz in der Stadt des gläsernen Elefanten angeboten bekommen. Und sie hatte auch vor wenigen Stunden zum Zauberknochen gegriffen und diesen neuen Fangplatz, der sie in unmittelbare Nähe zum N8kater geführt hätte, wieder abgesagt.
Die N8katze hatte begriffen, daß sie sich selbst belogen hatte, als sie meinte, nur aus dem Moloch des Abgases in den ruhigen Schatten des Elefanten zu wollen, eben weil sie die Elefantenwelt so wunderbar erholsam meinte. Nein, sie wollte nicht nur den stinkenden Abgasen entfliehen, sondern sie suchte damals die Nähe des Katers.
Doch was war jetzt? Was war mit ihr passiert? Wäre es nicht so, daß die Nähe des Elefanten und des Katers ihr wieder Pein bereiten könnten? War sie sich ihres Katzenbauches nicht mehr sicher oder hatte auch eine andere Seele in ihr Katzenbäuchlein Einzug gehalten?
Ihre Äuglein brannten und während sie sich in ihr Katzenkörbchen kuschelte, malten große Mühlen des Denkens in ihrem Köpfchen.
Vieles war neu für sie. War anders als sonst. Zweifel hatten sich still und heimlich eingeschlichen. Zum ersten Mal zweifelte die N8katze an der Liebe zum N8kater. Zum ersten Mal zweifelte sie ihren Katzenbauch, ja selbst die Mauern ihrer Vorahnungen an.
Und die N8katze stürzte in einen tiefen Strudel und begann sich mit aller Kraft durchzustrampeln.
Was würde sie an der Wasseroberfläche erwarten???


Mai 2001

Innerlich aufgewühlt, wie der Meeresboden nach einem starken Orkan, und trotzdem gefaßt, versuchte die N8katze, ihr verworrenes und verfilztes Gedankenknäuel zu ordnen. Nichts ging mehr. Ihre Gedanken rasten immer und immer wieder im Kreis herum. Sehnsuchtsvoll suchend rasten des N8katzes Augen mit, versuchtesie eine Tür zu finden, um aus der endlosen, kraftzehrenden Karusellfahrt auszubrechen. Schwindlig von den unzähligen Drehungen, sich an die schmerzhaften Prellungen der vergebenen Ausbruchversuche erinnernd, hielt die N8katze inne. Erschöpft sank sie zu Boden und bettete den gemarteterten Katzenkörper auf ihre Pfötchen. Während ihre Augen angst- und doch hoffnungsvoll ins Leere blickten, fielen ihr die Augen zu und sie träumte einen Traum:

Hungrig und seit Tagen ziellos durch die weiten Felder und Wäder irrend , traute die N8katze ihren Augen nicht, als sie plötzlich vor sich ein riesiges, in warmes Licht getauchte, großes, kreisrundes Etwas sah. Sie wischte mit ihren Pfötchen über ihre, von dem Licht geblendeten Augen und kniff sich schmerzhaft in das zerzauste Fell.
War das eine fliegende Untertasse? Staunend stand sie vor dem silberglänzenden Metallding, als sich ohne erkennbaren Grund ein Segment verdunkelte und eine Türöffnung sichtbar wurde. Angstvoll um sich blickend, ihre Nerven wie Seile gespannt, starrte sie diese Öffnung an, unfähig sich auch nur einen Millimeter vom Fleck zu rühren. Tief in ihrem Innern wuchs die Neugierde und drängte alles andere beiseite. All ihren Mut zusammennehmend, schlich sie geduckt, die Ohren gespitzt und jederzeit zum Weglaufen bereit, auf die dunkle, Öffnung zu. Stundenlang starrte sie das geheimnisvolle Etwas an, lauerte, daß sich irgend etwas bewegte..
Als der Mond unterging und und die ihr bereits so vertraute Umgebung in einen gespenstigen fahlen Schimmer tauchte, seufzste sie tief auf und kroch, alle Muskeln zum Zerreißen gespannt und jederzeit zur Flucht bereit, in das Innere der Kugel.
Als sich jedoch die Öffnung hinter ihr lautlos wieder schloß, erstarrte sie vor Schreck und eine nie dagewesene Panik ergriff die N8katze. Doch so schnell, wie diese Panik kam, so schnell verschwand sie wieder, denn wohlige Wärme durchflutete den Katzenkörper und nahm ihr jegliche Angst.
Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah sie genau vor ihren Füßen kleine Vertiefungen. Grübelnd, die Nase kraus zusammengezogen, versuchte sie den Sinn dieser Vertiefungen zu erkennen. Ob ihre Pfötchen dort hineinpaßten? Unheimlich neugierig stellte sich die Katze auf die Hinterpfoten genau in die kleinen Vertiefungen. Sie wußte selbst nicht einmal, woher sie so plötzlich ihren Mut nahm. Kaum berührte ihr zweites Pfötchen behutsam den Grund der Vertiefung, da erstrahlte das Innere der Kugel plötzlich in hellem Licht.
Staunend blickte sich die N8katze um. Es war ein Ufo!
Sie war in einem Ufo!
In Windeseile zogen unzählige Beschreibungen von gesichteten Ufos an ihrem geistigen Auge vorbei, erinnerte sie sich an unglaubliche Flugbewegungen, an eine nicht vorstellbare Geschwindigkeit, an ein lautloses Auftauchen und an all die Wunderdinge, die über diese Ufos hinter vorgehaltenen Händen berichtet wurden.
Oh ja, die N8katze wollte solch ein Ufo fliegen lernen.
Niemand war zu sehen, die N8katze fühlte sich nicht nur wohl, sondern auch so sicher in diesem Ufo, daß sie es sich auf dem Boden bequem machte und anfing zu denken.. wie können die Konstrukteure dieses Ufos aussehen: hatten sie Arme oder Beine zum Bedienen der Knöpfe? Und wenn ja, wo würden sie welche Knöpfe platziert haben? Rote Knöpfe, als Achtung und gefährlich, müßten nicht dieselbe Bedeutung haben, wie für N8katzen. Also gab die N8katze weniger acht auf die Farbe und Form der Knöpfe. Sie versuchte sich vorzustellen, welche wichtigen Funktionen in unmittelbarer Nähe sein müßten, um einfacher und unkomplizierter in dieser oder jener Situation bedient zu werden. Und sie schaute sich aufmerksam um, ob eine Sitzgelegenheit vorhanden war, denn ein Ufo zu steuern, würde mehr als einige Minuten, Tage oder Wochen dauern. Ein unbekanntes Flugobjekt zu steuern, würde die N8katze sicherlich schneller ermüden und mehr Kraft kosten, als die der Konstrukteur.
Wie sieht diese Art der "Erholung" aus und wäre die N8katze in der Lage, diese auch zu nutzen?
Und wie es in einem Traum so ist, plötzlich hatte die N8katze eine kleinen Zauberkasten und viele Sternenkarten.
Flink huschten die Pfötchen der N8katze über die Tastatur des kleinen Zauberkasten , um festzuhalten was ihr wichtig erschien. Ich muß mich mit den Meteroiten, mit den schwarzen Löchern vertraut machen, muß herausfinden, welcher Stern ein mir lohnenswertes Ziel ist, dachte die N8katze, während sie mit wachen Augen die Sternenkarte studierte.
Ja, sie wollte sich mit all den Gefahren des Weltraumfluges intensiv beschäftigen, denn nicht nur von der Sicherheit des Ufos würde eine Menge abhängen. Was wäre, wenn ihr ein Geisterufo entgegenkäme und sie blitzschnell reagieren müßte? Wie würde sie regieren, wenn vom Linksausweichen ihr Leben und vom Rechtsausweichen, das ihres Passagieres abhing? Kaum fand die N8katze eine Antwort auf eine Frage, so stellte sich bereits hunderte neue Fragen Und das Katzenköpfchen qualmte vom Denken!
Die N8katze stellte sich vor, wie es wäre, wenn die Startbahn ihres Ufos drei Wege hätte: links, den für volles Risiko im Vertrauen auf die Technik, ihren gesammelten Erfahrungen und die Hilfe eines Passagiers, geradeaus in die ungewisse Dunkelheit und rechts viel Wald und Gestrüpp, das erst gerodet werden müßte...
Und die N8katze fand ihre Startbahn, und sie hatte sich auch intensiv mit der Technik des unbekannten Flugobjektes vertraut gemacht, sie kannte ihre Fähigkeiten, und wußte der technischen Möglichkeiten.
Sie entfernte unnötigen Ballast aus dem Ufo, denn was würde ihr ein Fallschirm im Weltraum nützen?
Viele viele kleine Mosaiksteinchen, früh gespürt, doch nicht erkannt, in ihrem Traum-Ufo mit unbekannten und doch vertrauten Werkzeugen zusammengefügt, ergaben für die N8katze eine logische Sternenkarte und ein Ticket für einen Passagier. Und irgendwann wußte die N8katze in ihrem Traum, daß sie dieses, inzwischen nicht mehr unbekannte Flugobjekt - erkundet durch das Zusammensetzen vieler kleiner Mosaiksteinchen mit unbekannten und doch vertrauten Werkzeugen zusammengesetzt - auch allein steuern konnte, daß sie bekannten Gefahren ausweichen konnte und, daß sie durchaus in der Lage war, das einzige Ticket für einen Passagier aufzubewahren und mit Verstand zu verschenken. Denn sie wußte ganz genau, wie wertvoll ein solches Ticket ist. Sie wußte nicht, wie lange solch ein Sternenflug dauern würde, aber sie wußte mit Bestimmtheit, daß es etwas Einmaliges, etwas nie Dagewesenes, und etwas nie wieder Missende sein würde.
Als Die N8katze verwundert aus ihrem Traum erwachte, wußte sie, daß das Traumufo aus Wärme und Geborgenheit besteht, das es gebaut ist, auf Verständnis und Einfühlvermögen, das es Sicherheit und ungeahnte Kräfte gibt und daß es die seltenes Gabe des sich über alles Unterhaltende, niemals Verletzend besitzt.
Und der N8katze wurde bewußt, wie dieses Ufo hieß......es hieß LIEBE!
Friedvoll lag sie, zusammengerollt und kuschlig warm, während ihre blinzelnden Katzenäuglein ihre Umgebung wachsam beobachteten. Durch den Zauberkasten wußte sie, daß der N8kater ihr Passagier sein wollte. Obwohl sie glücklich darüber war,holten sie doch ab und zu die Stürme der Vergangenheit ein und wirbelten ihren Katzenkörper durch. Tief bohrten sich die nachdenklichen Falten in die zusammengezogene Stirn, denn alles war ihr nicht neu. Wenn die N8katze Kontakt über den Zauberkasten zu dem N8kater hatte, las sie jedesmal die Zeilen der Liebe. Und doch war irgend etwas anders als sonst. Die N8katze hatte es geschafft loszulassen, sie wußte, daß sie dem Kater nicht entgegen gehen würde, sondern, das Geschehen beobachtend, ihr Katzenleben leben würde. Ja, die N8katze hatte ihr eigenes Leben wieder.
Einen wichtigen Anteil an diesem Leben hatte die andere Seele, mit der sie eine tiefe, innere Freundschaft verband. Die N8katze wußte, daß sie ohne diese andere Seele nicht die N8katze wäre, die sie heute war. Egal, ob es ihr gut oder schlecht ging, diese Seele war immer für sie da. Und die N8katze spürte, wie gut ihr dieser Seelenkontakt tat.


Juni/Juli 2001
Die gierigen Zeitfinger fraßen Monde und Sonnen auf. In des N8katers Körbchen tat sich immer noch nichts. Die Falten um des N8kates Äuglein wurden tiefer und skeptisch rümpfte sie ihr Näschen. Aber es war auch der Monat der Gedichte, denn ihre Pfötchen schrieben Seelenworte des Denkens in den Zauberkasten.
Schatten der Finsternis umhüllten das N8katzenköpfchen und tauchten ihren Bauch in ein Meer aus Dunkelheit und Leere. Der Tag der Entscheidung rückte immer näher und mit jeder verrinnenden Stunde krallte sich die Angst immer tiefer.
Immer abends, wenn die N8katze zur Ruhe kam, fuhren ihre Gedanken Karussell, drohte sie in Abgründe zu versinken und das Verlangen nach Ruhe in ihrer Seele wurde so groß und stark, daß sie darüber immer öfter salzige Tränen vergoß.
Worte des Verstandes wuchsen zu mächtigen Bergen und füllten allmählich des N8katzes Bauch.
Doch mit jeder Füllung wuchs auch wieder der Schmerz.
Er wurde so groß und mächtig, daß er alles zu beherrschten schien.
Wenn die Katze sich in ihr leeres Körbchen kuschelte und sehnsuchtsvoll auf den befreienden Schlaf wartete, war es besonders schlimm. Und je schlimmer es wurde, desto weniger konnte sie in himmlische Träume versinken.
Das Karussell drehte sich schnell und schneller und wirbelte die Katze mit sich. Unerträglich schien ihr jeder Mond und die Gedanken der Erinnerung überkamen sie.
Wo waren die schönen Katermomente, wo war die Liebe, von der er seit vielen, vielen Vollmonden mauzte?
Worte der Liebe, die überzeugend klangen, doch leere Worte waren, denn es fehlte des Katers Handlung.


August 2001

Wie gelähmt daß die N8katze auf ihrem Körbchenrand. In wenigen Stunden sollte sie ihrem N8kater wieder gegenüber stehen. Neun lange Monate waren vergangen, daß sie sich das letztemal sahen. Was würde sein? So oft sich auch die N8katze versuchte vorzustellen, wie der erste Moment des Zusammentreffens war...ihre Gedanken liefen ins Leere.
Sie ahnte, daß sie leiden würde, doch sie konnte nicht bennen warum...
Als sie in ihrem rollenden Körbchen saß, das sich immer weiter auf die Stadt des gläsernen Elefanten bewegte, freute sie sich über jede Blechkarawane, die ihr den Weg versperrte. Hinauszögern wollte sie den Moment der Begegnung, vor der sie so viel Angst hatte, denn eine Nacht davor mauzte ihr der N8kater durch den sprechende Zauberknochen zu, daß er nicht die Kraft eines eigenen Körbchen fühlte.
Doch die N8katze konnte sich nicht auf einen fünften Sturz in die Finsternis einlassen, noch zu groß und mächtig waren die Erinnerungen der erlittenen Pein. Die Katzenpfötchen hingen kraftlos herab..
In ihren Tagträumen sah die N8katze noch einen liebevoll mauzenden Kater vor sich, der mit einem energischen Fauchen das Tor der Liebe weit öffnete. Aber die N8katze spürte auch, daß irgend etwas in ihr zerbrochen war und hoffte auf die mächtigen Katerpfoten der Handlung. Doch hoffte sie wirklich oder waren es nur Wünsche der Erinnerung?
In schwarzes Plastik gehüllt, schauten des N8katzes Augen beim ersten Zusammentreffen traurig ins Leere. Wie ein Fremder saß der N8kater neben ihr im Blechkasten, schlaff und emotionslos erschien ihr die Begrüßung.
Und wieder kullerten die Tränen über das seidige Fell der Katze. Die N8katze war nicht in der Lage zu mauzen und so schaltete sie die klingenden Worte an, die sie die vielen Monate begleiteten. Lieder der Hoffnung, der Verzweiflung und Skepsis füllten des N8katers Ohren.
Warum hatte die geschundene Katzenseele nur das Gefühl des Nichtverstehens?
Die klingenden Worte, mit viel Gefühl und Leid zusammengetragen, sollten doch des N8katzes fehlende Mauzen ersetzen. Sprachen beide Katzen verschiedene Sprachen?
Doch es war nicht nur die Verschiedenartigkeit der Sprache, es war die Angst vor der Widerholung bereits gemachter Erfahrungen.
Je mehr Stunden der gläserne Elefant fraß, desto schlechter fühlte sich die N8katze, bis sie, mit ängstlich angelegten Ohren das und schreiendem Bäuchleinignorierend, in ihr heimatliches Körbchen zurück flüchtete.
Nur die Sterne am Firnament, die allabendlich mit ihren Strahlen die N8katze zur Ruhe betten, wissen, ob eines Tages die Liebe siegen wird oder ob ein Ameisenkriegerpfeil ins Leere schoß...
 

B.Wahr

Mitglied
Hallo Ameisenkriegerin, Dein modernes Un-Märchen find ich sehr schön geschrieben: Blumig aber nicht kitschig, detailreich aber nicht erschlagend - spannend aber ganz und gar unkriegerisch. Oder hab´ ich da vielleicht was übersehen? Ich werd´s auf jeden Fall nochmals lesen und weitereiten. Liebe Grüße
B.Wahr
 


Oben Unten