terzinen von der königin von saba

Mondnein

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[ 4]terzinen von der königin von saba


der sklave muß singen holt mir diesen jungen
komm sing uns den salmon wie der sie besuchte
die queen der sabiner mit zwei flinken zungen

und lud sie dann ein – wie die stumm ihn verfluchte
da er sie aufs glatteis geführt wo der blick blick
der preisrichter auge in auge sie suchte

sie glitt in den saal sprang empor flic flac – flic – flic –
und tauchte tief ein da die spiegelnden flächen
nur wasser nur wellenlos glatt ihr geschick schick

im sauberen bild reflektiert wie ein lächeln –
da schoß sie hinein wie die ypsilon achse
die tricks quer durch ixt parallelen zu brechen

die treppen verzick zackt da wicken durch wachsen
die spuren der schwung skier schnitten geleise
der schwan salamanderin salmons – na sagste!

hat je nur ein hörer gehört diese weise
der weisen sabinen flott flickender faxen
den sec septy sadie? – wir lauschen – pscht – leise – –
 

Mondnein

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Bezugsquelle: qur'ân 27,44

Dort wird die alte jüdische Sage knapp skizziert, Salomon habe die Königin von Saba, als sie ihn besuchte, auf die Probe gestellt, indem er sie in einen Saal führte, dessen Boden so spiegelglatt poliert war, daß er wie Wasser glänzte. Sie schürzte ihren Rock und versuchte, sich darin zu erfrischen.

Dieses Motiv wird hier aufgebrochen: Sie steigt tatsächlich hinein. So, wie unser Verstand nicht an der Null abprallt, wenn wir größere natürliche Zahlen von kleineren substrahieren, oder in atonalem Wahn ertauben, wenn wir die Tonika als Dominante einer imaginären tieferliegenden Tonikabasis deuten (die wir seit Rameau "Subdominante" nennen). Die Königin von Saba ist dem König der Weisheitsliteratur ebenbürtig, mindestens.

Und sie hat schönere Beine.
 

Tula

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Moin Mondnein

Natürlich habe ich auch dieses gelesen. Der biblische Bezug macht es mir stets etwas schwerer. Habe aber eben auch mal die Handlung der Oper gelesen, klingt sogar sehr modern (ja, die lüsterne Bosheit mancher Damen :)

Die Verbindung zur Mathematik ist sicher auch Geschmackssache, ich hätte mich hier mit dem Bild der Spiegelung begnügt.

Nur die Sabinerinnen, ach nein - Sabinen - verwirren mich. Ich dachte gleich an die ersteren, die aber zu einer anderen Geschichte gehören.

LG
Tula
 

Mondnein

Mitglied
"Die Oper" zum Buch, lieber Tula,

kenne ich nicht. "Biblischen" Bezug habe ich kaum hergestellt, es ist im Qur'an etwas stärker fokussiert. Von "lüsterner Bosheit" hat meine Version eigentlich nichts, aber Wertungen eines Verhaltens sind ohnehin nicht so sehr Textsache als vielmehr Leserinterpretation. Letztere nicht vorzuprogrammieren, aber in Vieldeutigkeit zu fördern, also auch in der Freiheit fruchtbarer Neuentdeckungen, frecher Wertungen usw., ist mir schon wichtig.

Die alte Legende begnügt sich mit der Spiegelung (so wie Du es von Dir behauptest), ich aber keineswegs: Ich lasse die Sabienenkönigin "tatsächlich" eintauchen statt reflektiv abprallen. Der mit (s)einem Trugbild Gefoppte ist dann Salmon, der sich mit der Spiegelung begnügt hat. Er prallt gewissermaßen an der harten Materie ab, während sie in die geistigen Strukturen hineinspringt, von der glatten Reflexionsoberfläche nicht gehindert.

So wie ich mich von der misogynen Version des Weisheitswettbewerbs nicht ins Jahrtausende alte Vorurteil von Salmons Überlegenheit (obwohl Lachse eigentlich gute Springer sind) re-flektieren lasse, sondern durch den Spiegel hindurchsteige wie Orpheus in Cocteaus "Orphée".

grusz, hansz
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das Gedicht verwendet eine merkwürdig kristallin klingende Sprache.
Geschickte Verwendung von Assonanzen und eingestreuten Stabreimen.
Zum kristallinen Klang trägt die häufige Verwendung des "s"-Lauts bei, ebenso die Rhythmik mit abwechselnd zwei und drei Hebungen in einer in je zwei Teile geteilten Verszeile. Sie schwingt wie Wogen, die sich wiederholend an den Strand prallen.

Die Verwendung des Unendlichen ist sehr ansprechend für mich, ich beschäftige mich oft damit.

Ein wenig hat es etwas von Escherbildern, Dein Gedicht.
 

Mondnein

Mitglied
Das mit den Wogen, lieber Bernd,

die an den Strand prallen, sagt mir sehr zu. Es bezieht sich, denke ich, auf die End-Echos. Innerhalb dieses Liedes hier bilden sie (so lese ich es) die Spiegelreflexe ab.

Die Verszeilen sollten (ich muß den Verfasser mal fragen) gewiß allesamt vierhebig sein.
sie gl[blue]i[/blue]tt in den s[blue]aa[/blue]l sprang emp[blue]o[/blue]r flic flac – fl[blue]i[/blue]c – flic –
und t[blue]au[/blue]chte tief [blue]ei[/blue]n da die sp[blue]ie[/blue]gelnden fl[blue]ä[/blue]chen
nur w[blue]a[/blue]sser nur w[blue]e[/blue]llenlos gl[blue]a[/blue]tt ihr gesch[blue]i[/blue]ck schick
Es ist hier ausgerechnet die Spiegelei (f.), die das Echo einsilbiger Wörter so gleichgewichtig hält, daß die Unbetonten nicht sicher herausgelesen werden. Der "Flic-flac" ist in dem ersten Vers dieser Terzine nur die Doppelunbetonte eines daktylischen Verfußes, der folgende Trochäus "flic - flic" läßt die tänzerische Sprungfigur am Eis gewissermaßen abprallen, wie bei Sinuskurven, die nicht unter die X-Achse gehen, sondern die positive Schwingungshälfte schlicht wiederholen.

Oh, ich muß arbeiten gehen,
grusz, hansz
 

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