tief im norden

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Guten Abend, HerbertH!

Ein kraftvolles Meeresgedicht mit einer interessanten Robben-Allegorie:

Es herrscht ein ein starkes Gefühl des Sich-selbst-genügens vor. Die selbsterwählte Isolation wird zugunsten einer als sehr wichtig empfundenen Unabhängigkeit gewählt und nur kurz in bestimmten Abständen (am Atemloch) durchbrochen.

Das lyrische, einzelgängerische Ich scheint in den eisigen, einsamen Tiefen zu Hause zu sein, nicht in den gesellschaftlichen "Untiefen".
Dennoch erachtet es diesen Kontakt als zwingend, so, wie die Robbe nun einmal Luft zum Atmen braucht.

Das Eis trennt zwei Welten voneinander, womöglich den dichterischen Schaffensprozess vom gesellschaftlichen Kleinklein...? Aber hier verirre ich mich vielleicht in eigenen Assoziationen.

Auffällig auch das Präteritum. Wird nur eine zeitlich abgeschlossene Phase beschrieben?

Geheimnisvoll und faszinierend!

Gruß,
Artbeck
 

HerbertH

Mitglied
Guten Abend, Artbeck,

in der Tat geht es in diesem Gedicht um eine Robbe. Ich lernte erst kürzlich, dass diese Ostseebewohner sich in der nördlichen Ostsee im Winter sich ihr Atemloch selbst freihalten, indem sie an den Rändern kratzen. So sichern sie ihr Überleben in einer feindlichen Umwelt. Dies ist schon für sich genommen faszinierend, zeigt es doch wie anpassungsfähig diese Tiere sind.

Dieses Bild ist natürlich auch sehr geeignet für ein Gedicht, wie Dein Kommentar ja schon herausgearbeitet hat. Danke dafür. Das Präteritum kann man hier auch so deuten: Die Robbe machte es uns vor.

Ich denke, ich werde dieses Gedicht in den Strandlieder-Zyklus einbauen, gerade weil es starkes Naturbild mit Bezug zur See enthält.

Herzliche Grüße

Herbert
 

Perry

Mitglied
Hallo Herbert

ein guter Entschluss, den Text zu den Strandliedern hinzuzufügen.
In diesem Naturmoment steckt viel (Über) Lebenskraft des Nordens.
Gern Gelesen und Hineingefühlt!
LG
Manfred

Kleine Randbemerkung:
Da das "tief" sich durch die Robbenassoziation bereits ergibt,
würde ich trotz seiner Bekanntheit das "Hoch im Norden" bevorzugen. Alternativ vielleicht "nordwärts."
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Perry,

freut mich, dass das Gedicht Dir zusagt. Hinsichtlich Titel ist
"Hoch im Norden" gar nicht überraschend, und daher tendiere ich eher zum "tief im norden".

Herzliche Grüße

Herbert
 

Mondnein

Mitglied
"tief" ist wunderbar; mehr als nur witzig gegen die Gewohnheit der genordeten Karten, es zielt ja auf die Wasserräumlichkeit.
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Hansz,

Du hast völlig recht, hoch im Sinne des Vertikalen würde gar nicht passen. tief passt besser ins Bild.

Danke für den guten Rat.

Herbert
 

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