Tim

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Marc H.

Mitglied
Tim


Als ich an diesem Mittag im Open Butt ankam, noch etwas an gesoffen vom Vorabend, saß Tim nicht wie üblich in der hinteren Ecke der Bar und rauchte Dope. Er saß an der Theke vor einem halben Liter von Barneys Pisse, die er als Bier betitelte, auf meinem Hocker.
Ich grüßte in die Runde und sagte: „ Hey, Alter, bist du lebensmüde oder was? Das ist mein verdammter Hocker an dem dein Arsch klebt.“
Tim blickte mich aus abwesenden Augen an. Er war so bleich im Gesicht wie 'ne verdammte Leiche.
„Oh, ja, sorry Jake.“ Er wollte gerade vom Hocker springen. Ich hielt ihn am Arm.
„Schon gut Mann. War ein Scherz, ok? Bleib bloß da sitzen.“ Ich zog mir einen anderen Hocker ran, nickte Barney zu. Der stämmige Barkeeper zapfte lächelnd einen Halben an.
„Du siehst aus, als wärst du vorhin gestorben und hast es nicht gemerkt. Was ist los, Tim?“
Tim seufzte lautstark. Sagte aber erst nichts. Blickte mich nur aus glasigen Augen an.
„Raus damit, Alter, was ist nicht in Ordnung?“ Ich stieß ihn freundschaftlich in die Rippen.
Er sah mich an und sagte: "Ich scheiße Blut.“
Ok, das saß erst mal tief. Ich ließ meinen Blick in seine Augen gerichtet. Ließ mir nichts anmerken, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern. Ich ließ meine Zahnräder im Hirn kurz drehen.
„Und nun lass mich raten. Und du hattest nichts besseres zu tun als den bescheuerten Doktor Google nach einer Diagnose zu fragen, richtig?“
Er blickte zur Seite. Ich blieb dran.
„Habe ich Recht, Timmy Boy?“
„Ich hab 'ne beschissene Angst vor Ärzten, Mann. Wenn ich zum Zahnarzt muss, bekomme ich Dünnschiss vorher.“ , sagte er leise.
„Allein dafür hättest du schon eine aufs Maul verdient. Ich hab das auch mal getan. Hatte so leichte Beschwerden im Magen. Laut Doc Google, wäre ich schon längst verreckt, Mann.“ Ich hob den Krug Bier und nahm einen kräftigen Schluck.
„Aber wir verrecken eh alle an Barneys Gesöff hier.“ Ich stellte den Halben auf die Theke und sah Tim wieder an.
„Gott, siehst du Scheiße aus. Pass auf, ich mach' dir 'nen Vorschlag, wenn du dich vor Ärzten so einpisst. Wir saufen noch etwas weiter, bis du runterkommst. Später kommst du mit zu mir, pennst bei mir, und morgen Früh gehen wir zusammen zum Urologen.“
„Dein verdammter Ernst, Mann? Das würdest du für mich tun?“ Er sah mich ungläubig an.
„Scheiße, ja. Du würdest das Gleiche für mich tun, oder?, ich grinste Tim an.
„Ja sicher, Jake. Klar würde ich.“

Wir tranken weiter und Tim wurde sichtlich ruhiger. Ich überließ ihm später mein Bett und schlief auf der Couch. Ich weckte ihn zeitig.
„Steh auf, Alter. Wir müssen langsam los.“ Ich rüttelte ihn wach. „Ab unter die Dusche mit dir, Mann!“
Ich legte ihm frische Unterwäsche von mir hin. Wahrscheinlich würde er untersucht werden und dann sah es halt besser aus, wenn keine Pissflecke in der Unterhose wären.
Tim wurde wieder sichtlich unruhiger auf dem Weg zum Urologen. Wir liefen das Stück zu Fuß. Als wir in die Praxis traten, schienen wir die ersten an diesem Morgen zu sein. Eine nette Arzthelferin begrüßte uns. Verdammt, war die nett und heiß. Wenn ich Arzt wäre, hätte ich ein ganzes Rudel von solchen Mäuschen in meiner Praxis, soviel steht mal fest.
„Guten Morgen, die Herren? Was kann ich für sie tun?“, sie strahlte uns an.
Mir schossen tausend Gedanken in den Kopf, was sie denn für uns „tun“ könnte.
„Meinem Freund hier geht es sehr schlecht, deshalb müssten wir dringend den Doktor sprechen, wenn es geht.“, sagte ich lächelnd zu der Göttin. Tim starrte sie einfach nur an. So „krank“ schien er dann wohl doch nicht zu sein.
„Ok, dann gehen sie gleich durch. Der Doktor ist hinten in Raum zwei.“
Allein ihr Lächeln brachte wahrscheinlich Lahme zum tanzen. Wir gingen zu Raum zwei, klopften an und traten ein.
Dr. Hartkamp saß hinter seinem Schreibtisch und sah, über seine Brillengläser hinweg, zu uns auf.
„Setzt euch doch.“ Er wies mit der Hand zu den Stühlen.
Wir nahmen Platz. Er blickte erst mich an und dann Tim.
„Was kann ich für dich tun, Junge?“, fragte er Tim direkt.
Tim zögerte. Er rutschte nervös im Stuhl hin und her.
„Ich, ich scheiße Blut, Doc.“ ,stotterte er.
Ich ergriff das Wort: "Er meint, er hat blutigen Stuhlgang, Herr Doktor.“
Doc Hartkamp blickte mich kurz an. „Ich habe sehr wohl gehört was er sagte.“
Er blickte Tim eindringlich an, so als könnte er ihn lesen oder so was. Schließlich seufzte er lautstark.
„Und du hast natürlich sofort Doktor scheiß-allwissend Google gefragt, richtig?“
Tim wurde noch bleicher. Erwiderte aber nichts. Ich auch nicht.
„Weißt du was, Junge? Glaubst du eigentlich, ich habe diesen Scheiß hier jahrelang studiert um Typen wie dich zu treffen, die das beschissene Internet um eine Diagnose bitten? Ich hab mir Jahrelang den Arsch bis zum Nacken aufgerissen, um dich hier vor mir sitzen zu sehen? Blut scheißen, ist nicht das Ende, kapiert? Wenn das Ende naht, sage ICH dir Bescheid, ist das soweit klar?“
„J-j-ja...“, stammelte Tim und starrte den Arzt aus weit aufgerissenen Augen an.
„Soll ich jetzt also deinen Arsch ernsthaft untersuchen, Junge? Willst du eine Diagnose von mir?“ Hartkamp blickte meinen zitternden Freund weiter scharf an.
„Ja, Doc. Ich hab 'ne Scheißangst, Doc.“
„Gut, mein Junge, dann komm mit nach hinten. Was ist mit dir? Willst du Händchen halten während ich ihm im Arsch herumfummle, oder was?“
„Scheiße, nein.“ , erwiderte ich.
„Gut, na dann.“ Er wies zum Wartezimmer, in das ich mich dann auch wortlos begab.

Es dauerte ziemlich lange. Hin und wieder lief die Göttin in ihrer engen, weißen Hose entlang. Ich blickte auf ihren wippenden, strammen Arsch und vergaß beinahe, warum ich hier war. Irgendwann öffnete sich die Tür der Praxis und Tim humpelte mit rotem Kopf heraus. Der Arzt winkte mich heran.
Ich folgte ihm in die Praxis. Er ließ sich seufzend in seinen Stuhl fallen, stützte sich mit den Ellenbogen auf die Tischplatte und hielt sich mit einer Hand das halbe Gesicht und Augen zu.
„Setz dich“, sagte er.
Ich gehorchte. Es vergingen Minuten der Stille.
„Beim Herrn, ich habe in meiner ganzen Laufbahn, ich habe noch niemals, so ein erbärmliches Arschloch zu Gesicht bekommen.“
„Bitte?“ Ich sah den Doc verwundert an.
„So ein verhunztes Kackloch habe ich noch nie gesehen, sagte ich! In diesem Arsch tummeln sich so viele Hämorrhoiden, wie ich es nie sah. Sie baumeln aus dem Arschloch heraus, so groß sind die Dinger. Ich hatte reichlich mühe, meine geliebte Kamera in das ekelhafte Loch zu führen, geschweige denn wieder heraus. Himmel, ich hätte mir um ein Haar in die OP Maske gekotzt, wäre ich nicht so ein verdammt harter Mistkerl.“
Er nahm die Hand vom Gesicht und blickte mich an. Wieder Minuten des Schweigens.
„Das Blut in seiner Scheiße ist hell und frisch. Ich bin mir verdammt sicher, dass es von diesen Viechern stammt. Ich habe trotzdem eine Kot und Blutprobe genommen. Hab' „Höchste Priorität“ draufgekritzelt oder son' Mist. In ein paar Tagen, rufe ich ihn an und sage ihm die Ergebnisse. Ach noch was. Könntest du ihn eventuell dazu bringen mit dem Saufen aufzuhören?“
Wir blickten uns kurz stumm an.
„Ach, vergiss es.“
Hartkamp reichte mir seine Hand über den Tisch rüber. Ich drückte sie.
Er erhob sich vom Stuhl. Ich mich auch. Wir sahen uns an und konnten uns beide ein Grinsen nicht verkneifen.
„Tu mir einen Gefallen und bring den Jungen runter. Geht euch einen ansaufen oder so was. Ich würde es ihm ja selber sagen aber wenn ich den nochmal sehe, kotze ich wirklich gleich noch. Wenn ich den Laden nachher absperre hier, saufe ich mir auch einen. Und danach gehe ich zu 'ner Nutte, damit ich das elende Kackloch aus meinem Hirn bekomme, herrgottnochmal.“
Er verließ den Raum vor mir. Ich stand noch länger dort allein und lachte in mich hinein. Scheiße, dieser Arzt war der Hammer.
Ich ging mit Tim ins Open Butt und brachte ihn runter. Und wie ich ihn runter brachte.

Das Blut stammte tatsächlich von den Hämorrhoiden. Ansonsten waren die Werte sehr gut. Tim lernte irgendwann ein nettes Mädchen kennen. Er brachte sie natürlich nie mit ins Open Butt. Seine Besuche wurden immer seltener und blieben dann irgendwann ganz aus.
Nachdem ich hier gleich den letzten Punkt hinter das Geschriebene gesetzt habe, trinke ich auf Tim und die schöne Zeit, mit einem Lächeln im Gesicht. Schönes Leben noch, du verdammter Mistkerl.
 

texxxter

Mitglied
Hey

ich finde es unglaubwürdig, dass der Arzt so eine Sprache benutzt, wo er die beiden ja nicht mal kennt. Auch inhaltlich fand ich es dieses Mal nicht so umwerfend. Deine beiden anderen Geschichten fand ich wesentlich stärker

Gruß
texxxter
 

Heinrich VII

Mitglied
Hallo Marc,

den Arzt seriöser gestalten, das würde die Story enorm verbessern und authentischer gestalten. Er könnte in scharfem Kontrast
zur Ausdrucksweise von Tim stehen und der Ich-Erzähler könnte es dem Arzt in dessen Sprache übersetzen. Potenzial für amüsante Szenen.
Am Ende würde ich ein bisschen mehr über diese Freundin erzählen, damit klarer werden kann, warum sich Tim von seinen Saufkumpanen
im Butt nach und nach verabschiedet.

Gruß, Heinrich
 



 
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