Tote Fische und Penizillin

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Roger Izzy

Mitglied
Locke und ich sassen tot auf einer Parkbank in Cassis, einem kleinen schmucken Fischerdörfchen in Südfrankreich. Völlig besoffen vor dem verführerischen Angesicht Maria Magdalenas starrten wir im Hafen auf leblose Fische auf ihrem epileptischen Trip in einer Öllache liegend, zuckend, nach Sauerstoff, dem Elixier des Leben ringend.
Der Ölteppich gab ihre Elegie nicht frei.
Ein trauriges Schauspiel. Eine griechische Tragödie.
„Ein lecker Fläschchen Kronenbourg zur Trauerbewältigung?“, fragte Locke.
„Yep, gute Idee.“
Wir schleppten uns in eine Bar. Locke bestellte ein Kronenbourg. Ich blieb beim Pastis. Eine verfluchte Zahntaschenentzündung quälte mich schon den ganzen Tag. Auch der Kiefer schmerzte und löste zunehmend eine Maulsperre aus. Schnauze halten und Saufen durch einen Strohhalm war meine Devise, mein Plan, um mich über Wasser zu halten, den gottverdammten Schmerz zu ertragen. Anisschnaps als Medizin.
„He, Locke, lass uns in eine Apotheke gehen, vielleicht geben sie mir Schmerztabletten. Es wird immer schlimmer.“
„Klar, mate.“
Wir zogen los. Jeder beschissene Schritt in Richtung Apotheke verhiess Erlösung von den Schmerzen, trieb mich an – one, two steps in a row auf dem seligen Weg der Peinigung en direction de la pharmacie.
Endlich fanden wir eine Apotheke.
„Je peux vous aider?“, fragte eine Blondine mit dicken Titten in einer weissen Schürze.
Ihr Sexappeal ging mir am Arsch vorbei. „Oui, j‘ai mal au dent. Ici, vous voyez. Je ne peux presque pas ouvrir ma bouche. Vous voyez? Vous voyez?!“ Sie rief den Apotheker. Dieselbe Litanei schiss ich ihm an den Kopf. „Vous voyez? Vous voyez?“
„Oh, là là. Vous avez de la fièvre aussi. Vous habitez au village?“, fragte mich der Apotheker besorgt.
„Oui, Auberge L‘éspoir - Rue de l‘étoile 13.“
„Vous y rentrez. Je vous envoie une infirmière. Elle vous donne du pénicillus contre l‘inféction trois fois par jour.“
„Oui, d‘accord.“

Dreimal am Tag einen Schuss Penizillin in den Arsch. Jede Injektion kostete 50 Francs.
Mein ganzes Feriengeld ging drauf. Das war mein Verdikt: Drei Tage lang isoliert in einem dreckigen Zimmer. Eine Krankenschwester, die pünktlich like clockwork auf der Matte stand, die Spritze mit Penizillin aufzog und mir abwechslungsweise in die linke oder rechte Arschbacke stiess – mit sichtlichem Vergnügen, die alte Drecksau!
Locke sah regelmässig nach mir.
„Wie geht‘s? Besser? Ich gehe mal wieder, habe eine geile Ische kennengelernt.“
„Schön, grüss die Tussi von mir. Und fick für mich einen mit...“

Die Schmerzen wurden schlimmer. Ich entschied mich nach Hause zu gehen.
Am Bahnhof fuhr der Zug ein. Locke und ich umarmten uns.
„Save journey home!“
„Danke, Locke, dir wünsche ich Saver Sex bis zum Abwinken.“
Im Zug nach Genf schlief ich die meiste Zeit oder betäubte meinen Schmerzen mit einer Flasche Pernot, die mir Locke auf meine Reise mit gesegneten Grüssen in die Heimat mitgeben hatte...
Auf der Flaschenetikette stand: „TOTE FISCHE UND PENIZILLIN“
 
Wann ist wieder mit dir zu rechnen? Ich vermisse die ehrlichen, unterhaltsamen, tragischen Zeilen von Dir?
vor allen wenn man selber angetrunken im Park rum lungert und nichts vom Abend zu erwarten hat, außer Jack Daniels Cola aus der Dose. Ich finde du kannst schreiben...
 
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Roger Izzy

Mitglied
Hallo Wolfgang
Ich bin seit drei Tagen unterwegs...
PERNOT pflastert meinen Weg...
Die folgenden Zeilen habe ich
gestern nach dem Coitus bei einer
Nutte geschrieben:
"See girls without their painties,
giving head to rotten blokes in their
lonely beds, jerking off their guts,
where everybody rolls in a gunfire,
staggering down hateful strips."

Dear Wolfgang
Komm doch mal nach Zürich.
Ich gebe einen aus.
Die Hunde haben bei uns im Park
auch die Scheisserei...
Cheers aus Zürich
Roger Izzy
 
Hallo Wolfgang
Ich bin seit drei Tagen unterwegs...
PERNOT pflastert meinen Weg...
Die folgenden Zeilen habe ich
gestern nach dem Coitus bei einer
Nutte geschrieben:
"See girls without their painties,
giving head to rotten blokes in their
lonely beds, jerking off their guts,
where everybody rolls in a gunfire,
staggering down hateful strips."

Dear Wolfgang
Komm doch mal nach Zürich.
Ich gebe einen aus.
Die Hunde haben bei uns im Park
auch die Scheisserei...
Cheers aus Zürich
Roger Izzy
Großartige Zeilen, ich erinnere mich an nichts mehr, wenn ich bei einer gewesen bin...zu besoffen, zu unerfahren zu jung
Ja, das wäre ein Erlebnis... und etwas was ich aufschreiben könnte, wenn du ausgibst dann wird es teuer...ich vertrage zu viel

alles gute aus Köln
Jonas
 
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