Traumtod

sturmwind

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Traumtod

Die Nacht liegt noch auf dem Gesicht, obgleich der Tag schon versucht die Haut zu erwärmen. Sonnenstrahlen streifen Baumkronen, seichter Wind spielt mit den Blättern. Der Körper verharrt hier, schwach, doch in Gedanken versunken bin ich fern. Nichts ist hier, was mich hält, nichts ist hier, was mich weckt. Es liegt an mir, den Schritt zurück zu tun und den Weg zurück zu gehen, den ich einst wählte und der mich irreführte. Das Pochen des Herzens, es zerreißt die Stille, hallt dumpf durch stillgestandene Zeit. Alles verharrt, das Herz hält inne. Alles rückt in unerreichbare Fernen und scheint nur noch aus Schatten zu bestehen, die vor den erstarrenden Augen tanzen. Der Körper sackt zusammen, fällt zu Boden, gleich dem letzten Sandkorn einer Lebensuhr. Ich hörte es fallen...und alles verstummte. Die Augen sind aufgerissen, dennoch sehen sie nur dichter werdende Düsternis. Eine letzte Träne rinnt über kälter werdende Wangen und tropft auf den eisigen Boden herab, auf dem der Körper nieder liegt. Langsam schließen sich die Augen. Kann es sein? Kann es sein, daß der Tod nun siegte?
In der Dunkelheit richtet sich plötzlich ein Körper auf, Angst zeichnet das Gesicht, ein Schrei hallt wider und die Hand preßt sich auf den Brustkorb, legt sich über das Herz. Hastiges Atmen und noch immer begreife ich nicht. Der Kopf schmerzt und Schweiß perlt von der Stirn. Kälte streicht durch die Finsternis und leise haucht die Stimme, noch immer von Furcht ergriffen: „Es war nur ein Traum, nur ein Traum!“
Stille legt sich plötzlich nieder und nur noch das dumpfe, verstummende Pochen ist zu hören, als der Körper reglos auf den Boden fällt.
Die Zeit verstummt.



Dezember 2000 by sturmwind
 

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