Über Rot -Sonett

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Walther

Mitglied
Über Rot


Am Rot soll es nicht mangeln, spricht die Rose
Und setzt fesch drei, vier pralle Knospen an:
Die Muse ist die Kraft, die alles kann.
Doch sie ist eine Himmelsmacht, die lose:

Sie wendet sich, verdirbt die ganze Chose.
Es kommt der Frost. Er mag das Knospenküssen,
Dass sie erfrieren und dann sterben müssen.
Das Rot vertrocknet in der Farbendose,

Dem Maler bleibt am Pinsel nur ein Grau.
Die Rose grämt ihm Dornen in die Leinwand -
Am Ende wird nicht mal der Himmel blau.

Die Liebste ist ihm gut, und auf den Einwand,
Der Winter mache alle Farben flau,
Entgegnet sie: Mir reicht der rote Einband.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ein schönes Sonett, das zum einen die Wettersituation gut zeigt. Vor Silvester blühten die Bäume, dann kam Frost.

Und es zeigt den Dichter als Gott, der schaffen kann, was er möchte. Er steht über den Zeilen.

Das ist wie in einer Doctor-Who-Geschichte, wo der Schriftsteller die Geschichte schreibt, was aber die Figuren herausbekommen. So können sie ihn beeinflussen. Und er schreibt einiges um.
 

Walther

Mitglied
lb Bernd,

danke für deinen nachdenkenswerten eintrag. in der tat schöpft der künstler. aber andere machen ihm einen strich durch die rechnung.

die liebste liebt ihn selbst für seine mißlungenen versuche. :)

lg W.

lb mondnein,

danke für die sehr freundliche wertung!

lg W.
 

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