überhören/übersehen

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Rachel

Mitglied
Das bricht ein (Ein-Paar-Mahl) mit Erwartungen, gut gemacht, ist nicht so schlicht wie es auf den ersten Blick aussieht, liegt bestimmt u. a. an den sprachlich fein gebauten Kompliziertheiten, die auch einen krachenden Kartoffelchips beim Musikhören betreffen könnten ...

wenn er denn "grün-grau-blau" wäre in den Ohren-Augen ...

:)

LG Rachel
 

Zensis

Mitglied
Das bricht ein (Ein-Paar-Mahl) mit Erwartungen, gut gemacht, ist nicht so schlicht wie es auf den ersten Blick aussieht, liegt bestimmt u. a. an den sprachlich fein gebauten Kompliziertheiten, die auch einen krachenden Kartoffelchips beim Musikhören betreffen könnten ...

wenn er denn "grün-grau-blau" wäre in den Ohren-Augen ...

:)

LG Rachel
Hallo Rachel,
vielen Dank für deine nette Rezension und das Teilen deiner Gedanken zu meinem Gedicht, immerzu spannend.

Liebe Grüße
Zensis
 

Ubertas

Mitglied
Hallo @Zensis

ich finde dein Gedicht absolut spannend. Besonders gut gefällt mir, mit welcher Mehrdeutigkeit es sich lesen lässt.

Interessant ist, dass sich der Titel „überhören“ in Strophe eins und das „übersehen“ in Strophe zwei ausdrückt.

In meiner Lesart und sie ist nur eine Möglichkeit, ist es ein Gedicht über eine toxische Beziehung. Wer wünscht es sich schon, überhört oder übersehen zu werden? Weder von sich selbst noch in der Begegnung, ist es etwas, das Glück verspricht. So lese ich auch deine Zeilen. „du liebst mich so laut“, dabei denke ich: es ist nur deshalb laut, damit es gehört wird, es klingt nach Schreien, nach Anschreien, danach als müsste es nur laut genug werden, um echt zu sein. Dem gegenüber steht ein „dass ich manchmal schon überhören kann wie mich der zweifel zerfrisst“. Derjenige, dem diese laute Liebe zuteilwird, beginnt taub zu werden. Dieser Mensch scheint nicht nur überhört zu werden, er beginnt, seine eigenen Zweifel, ihre Richtigkeit zu überhören. Selbst das ewige Schmatzen und Kauen, das Unerträgliche, das wiederkehrend nagt, dreht sich um in diesen Worten. Obwohl es Gründe gab, sich abzuwenden, selbst von ihnen ist nicht klar, ob sie sich nicht wieder überhört ausbreiten wollen - doch zu bleiben, gemeinsam mit der (zu) lauten Liebe.

„du machst mich so groß“, das heißt für mich, es braucht einen anderen, der dominiert. Der wiederum dem anderen seine Größe vorgibt, eine Passivität des Ichs voraussetzt, um je nach Lust und Laune, Größe einräumen und sie beizeiten genauso wieder nehmen zu können. „in deinen strahlenden Augen aus“: wenn ich hier eine Pause im Weiterlesen deines Gedichts mache, lässt es einen kurzen Moment von Faszination für diese Abhängigkeit zu, als wäre es eine wie im Blitzlicht streifende, kurze Annahme dieses Gefüges. Lese ich weiter „grün-grau-blau“ und lasse das Grau für einen Augenblick als die feine Nuance der Grauschattierung in der Mitte, die sich eines Tages über das grün-blau (Geschlagene) legt, verändert, zerstört es alles, das einmal strahlte. Es zerstört jegliche Liebe. Und hier wiederholt sich, wie in Strophe eins, sehr zugute des ganzen Textes, „dass ich manchmal schon“, hier nun „übersehen kann wie klein ich mich fühle“. Es ist wiederum ein Vermerk, nicht auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden, übersehen zu werden. Doch und das finde ich gerade in den letzten drei Verszeilen so überwältigend hochinteressant umgesetzt: Das lyrische Ich hat nun eine fast ironische Stimme für mich, es verabschiedet sich, ja es übersieht sich selbst, gerade in dieser Aussage, nicht mehr. Meinem Gedanken nach überblickt das Ich seine Situation, klein gehalten worden zu sein und wendet sich ab.

Ein großartiges Gedicht, das sich ganz sicher nicht nur auf (m)eine Lesart beschränken lässt!

Toll!

Liebe Grüße,
ubertas
 



 
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