Umweltschutz ist doof---oder doch nicht?

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Ruedipferd

Mitglied
Umweltschutz ist doof!

Oder doch nicht?

Gedanken eines dreizehnjährigen Schülers


Hi, ich bin Flemming.
Mein Alter: 13
Meine Hobbys: Fußball, Skateboardfahren und Mädchen

Ich spiele in der C-Jugend unseres Dorfvereins. Die meisten Jungs in unserem Dorf sind in der Fußballsparte. Wenn ich mal nicht auf dem Sportplatz bin, fahre ich auf meinem Skateboard oder träume von Angelina. Angelina ist eine heiße Braut. Sie ist schon fünfzehn und geht in die achte Klasse. Alle Jungs in meiner Schule sind verrückt nach ihr. Gestern hat sie mich auf dem Schulhof angelächelt. Leute, mir wurde heiß und kalt zur selben Zeit!

Apropos Schule. Im Augenblick sitze in der selbigen auf meinem Platz und warte darauf, dass unser Direx endlich das Thema für die Deutscharbeit an die Tafel schreibt.
Er rödelt in seiner Tasche herum und kommt nicht zu Potte.
Nicht, dass ich mich darüber freue, jetzt zwei Stunden Deutsch schreiben zu dürfen. Auf keinen Fall!
Es gibt wirklich Besseres: mit Angelina durch den Wald spazieren, vielleicht. Ihr duftendes blondes Haar riechen, ihre Hand streicheln und dann…
Lena schaut gerade zu mir hinüber. Ich glaube, ich lächle mal zurück. Sie sieht süß aus, aber sie ist etwas zu jung für mich. Wir kennen uns schon aus dem Kindergarten.
Vielleicht sollte ich trotzdem mal mit ihr durch den Wald…

Da, na endlich! Konnte auch Zeit werden. Und wir haben doch nur zwei Stunden für den Aufsatz!
Äh? Häh? Was schreibt der denn da?
„Meine Gedanken zum Umweltschutz“

Hat der sie vielleicht noch alle? Unser Direx scheint plötzlich völlig verrückt geworden zu sein. Die anderen blicken auch schon ganz hilflos. Tim zuckt entnervt mit den Achseln.
Was ist das denn für ein blödes Thema! Was soll ich dazu bloß schreiben? Och, Leute! Ne Fünf in Deutsch hätte mir gerade noch gefehlt. Die würde sich neben der Fünf in Mathe sicher gut machen. Ob Mum und Dad das auch lustig finden werden?

Umweltschutz! Gestern machte Mum einen fürchterlichen Aufstand, weil ich die beiden Batterien aus meinem MP3-Player im Mülleimer entsorgt hatte. „Die gehören in den Sondermüll! Hast du noch nie etwas von Umweltschutz gehört? Was lernt ihr denn heute eigentlich in der Schule?“

Hey, Mum, reg dich ab. Wir schreiben gerade ‘ne Deutscharbeit darüber und dein liebster und einziger Sohn ist auf dem besten Wege, sich wieder eine Fünf einzuhandeln!

Ja, Lena, Süße, ich weiß auch nicht mehr als du! Dieses Lächeln. Ich sollte sie wirklich mal zum Eis essen einladen. Aber wenn ich wieder eine Arbeit verhaue, kürzt mir Mum sicher das Taschengeld!

Gestern?
Einen Augenblick später fuhren wir dann zusammen mit Dad in die Stadt zum Baumarkt. Der Zaun muss gestrichen werden und unsere Garage soll auch wieder etwas Farbe sehen. Meine kleine Schwester hat sich als Malerin betätigt und ihre gesammelten Werke aus Filzstift zieren jetzt die rechte Garagenwand. Ich find’s gar nicht so schlecht für eine Vierjährige, beim nächsten Mal schenke ich ihr eine Spraydose. Dann kann sie schon mal mit echten Graffitis anfangen!
Als Dad die Farb- und Lackeimer in den Einkaufswagen stellte, ging Mas Keiferei gleich wieder von vorne los. „Die tragen doch nicht das Umweltsiegel, so ein Müll kommt mir nicht ins Haus!“
Mein alter Herr hatte es gut gemeint, schließlich waren die Farben im Angebot und meine Mutter jammert ständig herum, dass wir Kinder zu viel Geld kosten und alle sparen müssen. Wie dem auch sei, gegen Mama ist kein Kraut gewachsen. Er musste alles wieder zurückbringen und das ‚Richtige‘ kaufen. Aber Dad blieb trotzdem ganz cool. Als alles eingekauft war, fuhren wir noch zum Autohändler.
Und da konnte er gleich bei Mama punkten. Katalysator, wenig CO2- Ausstoß, beste Euro-Norm, eben ein besonders umweltfreundliches Auto! Zähneknirschend musste sie ihm recht geben. Ja, das ist mein Vater! Er hatte sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen!

Was gibt’s denn noch außerhalb der Familie zum Umweltschutz?
Na, der Regenwald in Brasilien muss geschützt werden, damit wir auf der Erde genug frische Luft zum Atmen behalten. Pflanzen assimilieren! Hatten wir gerade in Bio.
Aus Licht, Kohlenstoffdioxid und Wasser produziert die Pflanze mittels eines grünen Farbstoffs, den man Chlorophyll nennt, Zucker und Stärke. Dabei wird Sauerstoff frei und den brauchen wir zum Atmen. Man nennt das auch Photosynthese. Also in Bio habe ich eine Zwei, da macht mir so leicht keiner etwas vor.

Die Industriebetriebe müssen ihren CO2-Ausstoß verringern. Kohlenstoffdioxid ist ein farbloses und geruchloses Gas, das sich am Boden sammelt, weil es schwerer als Luft ist. Solange es in verdünnter Form vorkommt, ist es für den Menschen nicht gefährlich. Aber es wird zu viel Öl und Kohle verbrannt und auch beim Autofahren entsteht Kohlenstoffdioxid. So steigt sein Anteil in der Luft stetig an. Es absorbiert, also saugt, viel Wärme auf und trägt dazu bei, dass es in unserer Atmosphäre immer wärmer wird. Deshalb wird es auch Treibhausgas genannt. Selbst in der Limo ist es drin. Dadurch sprudeln Cola und Brause so lustig. Und sogar in Omas Abführzäpfchen ist CO2. Wenn es sich im Hintern auflöst, wird der Darm gedehnt und sie kann wieder aufs Klo gehen. Als ich das zu Hause erzählte, wurde Oma erst böse. Sie dachte nämlich, ich will sie nur veräppeln! Aber Dad war wie immer auf meiner Seite und hat es ihr noch einmal ausführlich erklärt. Wir Männer halten in unserer Familie eben gut zusammen.

Hey, da hab ich ja schon eine ganze Menge für die Deutscharbeit. Den Regenwald und die Luft kann ich nur schwer selbst schützen. Das müssen die Politiker mit ihren Gesetzen machen. Unsere Bundeskanzlerin fährt ja auch immer zur Klimakonferenz. Und ich muss nachher die Partei wählen, die sich dafür einsetzt. Aber das dauert noch fünf Jahre.
Bis ich wählen darf, meine ich. Kann ich denn vorher noch selbst etwas für den Umweltschutz tun?

Na klar, auf Mum hören und die gebrauchten Batterien ins Kaufhaus zurückbringen und in eine extra dafür vorgesehene Pappschachtel werfen. Papier und Cola-Dosen gehören in den Mülleimer und nicht auf die Erde oder ins Gebüsch.
Nur Apfelgehäuse verrotten. Die sind biologisch abbaubar.
Und im Wald nimmt man seinen Müll wieder mit nach Hause und entsorgt ihn dort, wie es sich für einen guten Umweltschützer gehört. Vielleicht kann ich so auch bei Angelina punkten? Oder soll ich es doch mal mit Lena versuchen?

Auf jeden Fall sollte ich jetzt langsam anfangen, meine Gedanken aufzuschreiben, bevor die zwei Stunden herum sind. Lena lächelt schon wieder. Hab jetzt keine Zeit, Süße!
Wenn ich eine Eins schreibe, bekomme ich zehn Euro extra Taschengeld und dann gehen wir beide in die Eisdiele. Umweltschutz ist doch gar nicht so doof, wie ich erst dachte!
 

Clara

Mitglied
gern gelesen, diese jugendliche sprache - wirkt sehr authentisch -
aber es ist eher ein selbstgespräch - ständig abgelenkt.

nur der bogen, das umweltschutz geld einbringt - leider nicht nur diesem unbedarftem schüler von 13 jahren.

wir zahlen alle viel dafür - und der letzte patzer sind wohl die energiesparlampen, die soviel quecksilber beinhalten,
das eine birne zerschlagen in der wohnung gesundheitsschädigend sein kann. (man denke auch das jahrhundertalte Fieberthermometer - mei was hat man davor gewarnt im Elternhaus, das es nicht zerbrechen dürfe)

es wird wirklich reichlich kohle auch damit gemacht.
was nicht heisst, das ich alles für blödsinn halte.
die energiemühlen - gut gegen die ausbeutu8ng - gut gegen atommüll, aber schlecht für fliegende Tiere - hässlich für unsere Augen und so richtig hoch wachsen darf da auch nichts drum herum.

Oh ja, Umweltschutz ist wichtig und nicht doof -
die wissen schon wie sie uns kriegen

nun, das war eher nicht textbezogen
#
das südamerika abgeholzt wird, ist damit wir fleisch fressen können und nur noch soja statt busch da steht.
 
S

suzah

Gast
hallo Ruedipferd,

ganz lustig, wie du dich da in die gedankenwelt eines 13jährigen schülers versetzt und was ihm bei einer klassenarbeit so einfällt. etwas "belehrend" die erklärungen zu photosynthese und c02 ausstoß, klingt als ob es für ein jugendbuch gedacht ist.

also entweder legt man sich auf (dad und) mum fest oder ma, beides passt nicht zusammen.

lg suzah
 
D

Donkys Freund

Gast
Hm, ein interessanter Ansatz, mal aus Warte eines Teenagers zu schreiben und die Umweltbegegnungen aus dem Alltag aufzuarbeiten. Aber auch ein sehr ambitionierter Ansatz (wie viele der "Rollentausche")

Und deshalb verfolgt mich leider die ganze Zeit, dass sowohl Denkweise wie Sprache nicht authentisch für einen 13-jährigen sind, sondern die Geschichte auf mich eher wie ein "Gedankentransfer" in eine "Anderswelt" aus Autorensicht wirkt. So bleibt die Geschichte aus meiner Sicht zwischen den zwei Welten hängen und verkümmert dort. Wie gesagt - Meine Wahrnehmung. Es gibt ja schon andere Meinungen.

Liebe Grüße
Donkys Freund
 

Ruedipferd

Mitglied
Sprache eines Dreizehnjährigen?

Zunächst euch allen vielen Dank für die netten Kommentare. Ich bin natürlich überglücklich, es einmal auf das "beste Prosatreppchen" geschafft zu haben.
Erlaubt mir bitte eine kurze Erläuterung zur Entstehung der Geschichte. Der Text wurde von mir für einen Wettbewerb zum Thema "Umweltschutz" geschrieben.
Es gab zwar keine Preise, ich hatte ihn dennoch hinsichtlich der Schreib-und Zeichensetzungsfehler, die sich gottlob in wirklich kleinen Grenzen hielten, lektorieren lassen. Mein Lektor, der auch den neuen Band von "Kai und das Reitabzeichen" durchgesehen hat, ist Deutschlehrer und ehemaliger Rektor eines hiesigen Gymnasiums. Er war nicht nur äußerst amüsiert, sondern fand die Geschichte auf Anhieb für die Gedankenwelt eines Dreizehnjährigen sogar völlig passend und richtig beschrieben. Von daher bin ich natürlich über Donkys Einwand etwas erstaunt.
Andererseits kenne ich deine berufliche Qualifikation nicht und wenn du auch im Lehramt bist, könnte es natürlich sein, dass sich die Denkweisen bei Schülern der verschiedenen Schularten, obwohl gleichaltrig, doch trotzdem erheblich voneinander unterscheiden. Es wäre deshalb sicher für alle interessant zu hören, was ein dreizehn-oder vierzehnjähriger Quartaner oder Untertertianer dazu meint. Der wahre Flemming fand die Geschichte super, geht aber mit siebzehn Jahren bereits in die Oberstufe und ist natürlich als Namenspatron etwas befangen.
 

Ruedipferd

Mitglied
Umweltschutz ist doof!

Oder doch nicht?

Gedanken eines dreizehnjährigen Schülers


Hi, ich bin Flemming.
Mein Alter: 13
Meine Hobbys: Fußball, Skateboardfahren und Mädchen

Ich spiele in der C-Jugend unseres Dorfvereins. Die meisten Jungs in unserem Dorf sind in der Fußballsparte. Wenn ich mal nicht auf dem Sportplatz bin, fahre ich auf meinem Skateboard oder träume von Angelina. Angelina ist eine heiße Braut. Sie ist schon fünfzehn und geht in die achte Klasse. Alle Jungs in meiner Schule sind verrückt nach ihr. Gestern hat sie mich auf dem Schulhof angelächelt. Leute, mir wurde heiß und kalt zur selben Zeit!

Apropos Schule. Im Augenblick sitze in der selbigen auf meinem Platz und warte darauf, dass unser Direx endlich das Thema für die Deutscharbeit an die Tafel schreibt.
Er rödelt in seiner Tasche herum und kommt nicht zu Potte.
Nicht, dass ich mich darüber freue, jetzt zwei Stunden Deutsch schreiben zu dürfen. Auf keinen Fall!
Es gibt wirklich Besseres: mit Angelina durch den Wald spazieren, vielleicht. Ihr duftendes blondes Haar riechen, ihre Hand streicheln und dann…
Lena schaut gerade zu mir hinüber. Ich glaube, ich lächle mal zurück. Sie sieht süß aus, aber sie ist etwas zu jung für mich. Wir kennen uns schon aus dem Kindergarten.
Vielleicht sollte ich trotzdem mal mit ihr durch den Wald…

Da, na endlich! Konnte auch Zeit werden. Und wir haben doch nur zwei Stunden für den Aufsatz!
Äh? Häh? Was schreibt der denn da?
„Meine Gedanken zum Umweltschutz“

Hat der sie vielleicht noch alle? Unser Direx scheint plötzlich völlig verrückt geworden zu sein. Die anderen blicken auch schon ganz hilflos. Tim zuckt entnervt mit den Achseln.
Was ist das denn für ein blödes Thema! Was soll ich dazu bloß schreiben? Och, Leute! Ne Fünf in Deutsch hätte mir gerade noch gefehlt. Die würde sich neben der Fünf in Mathe sicher gut machen. Ob Mum und Dad das auch lustig finden werden?

Umweltschutz! Gestern machte Mum einen fürchterlichen Aufstand, weil ich die beiden Batterien aus meinem MP3-Player im Mülleimer entsorgt hatte. „Die gehören in den Sondermüll! Hast du noch nie etwas von Umweltschutz gehört? Was lernt ihr denn heute eigentlich in der Schule?“

Hey, Mum, reg dich ab. Wir schreiben gerade ‘ne Deutscharbeit darüber und dein liebster und einziger Sohn ist auf dem besten Wege, sich wieder eine Fünf einzuhandeln!

Ja, Lena, Süße, ich weiß auch nicht mehr als du! Dieses Lächeln. Ich sollte sie wirklich mal zum Eis essen einladen. Aber wenn ich wieder eine Arbeit verhaue, kürzt mir Mum sicher das Taschengeld!

Gestern?
Einen Augenblick später fuhren wir dann zusammen mit Dad in die Stadt zum Baumarkt. Der Zaun muss gestrichen werden und unsere Garage soll auch wieder etwas Farbe sehen. Meine kleine Schwester hat sich als Malerin betätigt und ihre gesammelten Werke aus Filzstift zieren jetzt die rechte Garagenwand. Ich find’s gar nicht so schlecht für eine Vierjährige, beim nächsten Mal schenke ich ihr eine Spraydose. Dann kann sie schon mal mit echten Graffitis anfangen!
Als Dad die Farb- und Lackeimer in den Einkaufswagen stellte, ging Mums Keiferei gleich wieder von vorne los. „Die tragen doch nicht das Umweltsiegel, so ein Müll kommt mir nicht ins Haus!“
Mein alter Herr hatte es gut gemeint, schließlich waren die Farben im Angebot und meine Mutter jammert ständig herum, dass wir Kinder zu viel Geld kosten und alle sparen müssen. Wie dem auch sei, gegen Mama ist kein Kraut gewachsen. Er musste alles wieder zurückbringen und das ‚Richtige‘ kaufen. Aber Dad blieb trotzdem ganz cool. Als alles eingekauft war, fuhren wir noch zum Autohändler.
Und da konnte er gleich bei Mama punkten. Katalysator, wenig CO2- Ausstoß, beste Euro-Norm, eben ein besonders umweltfreundliches Auto! Zähneknirschend musste sie ihm recht geben. Ja, das ist mein Vater! Er hatte sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen!

Was gibt’s denn noch außerhalb der Familie zum Umweltschutz?
Na, der Regenwald in Brasilien muss geschützt werden, damit wir auf der Erde genug frische Luft zum Atmen behalten. Pflanzen assimilieren! Hatten wir gerade in Bio.
Aus Licht, Kohlenstoffdioxid und Wasser produziert die Pflanze mittels eines grünen Farbstoffs, den man Chlorophyll nennt, Zucker und Stärke. Dabei wird Sauerstoff frei und den brauchen wir zum Atmen. Man nennt das auch Photosynthese. Also in Bio habe ich eine Zwei, da macht mir so leicht keiner etwas vor.

Die Industriebetriebe müssen ihren CO2-Ausstoß verringern. Kohlenstoffdioxid ist ein farbloses und geruchloses Gas, das sich am Boden sammelt, weil es schwerer als Luft ist. Solange es in verdünnter Form vorkommt, ist es für den Menschen nicht gefährlich. Aber es wird zu viel Öl und Kohle verbrannt und auch beim Autofahren entsteht Kohlenstoffdioxid. So steigt sein Anteil in der Luft stetig an. Es absorbiert, also saugt, viel Wärme auf und trägt dazu bei, dass es in unserer Atmosphäre immer wärmer wird. Deshalb wird es auch Treibhausgas genannt. Selbst in der Limo ist es drin. Dadurch sprudeln Cola und Brause so lustig. Und sogar in Omas Abführzäpfchen ist CO2. Wenn es sich im Hintern auflöst, wird der Darm gedehnt und sie kann wieder aufs Klo gehen. Als ich das zu Hause erzählte, wurde Oma erst böse. Sie dachte nämlich, ich will sie nur veräppeln! Aber Dad war wie immer auf meiner Seite und hat es ihr noch einmal ausführlich erklärt. Wir Männer halten in unserer Familie eben gut zusammen.

Hey, da hab ich ja schon eine ganze Menge für die Deutscharbeit. Den Regenwald und die Luft kann ich nur schwer selbst schützen. Das müssen die Politiker mit ihren Gesetzen machen. Unsere Bundeskanzlerin fährt ja auch immer zur Klimakonferenz. Und ich muss nachher die Partei wählen, die sich dafür einsetzt. Aber das dauert noch fünf Jahre.
Bis ich wählen darf, meine ich. Kann ich denn vorher noch selbst etwas für den Umweltschutz tun?

Na klar, auf Mum hören und die gebrauchten Batterien ins Kaufhaus zurückbringen und in eine extra dafür vorgesehene Pappschachtel werfen. Papier und Cola-Dosen gehören in den Mülleimer und nicht auf die Erde oder ins Gebüsch.
Nur Apfelgehäuse verrotten. Die sind biologisch abbaubar.
Und im Wald nimmt man seinen Müll wieder mit nach Hause und entsorgt ihn dort, wie es sich für einen guten Umweltschützer gehört. Vielleicht kann ich so auch bei Angelina punkten? Oder soll ich es doch mal mit Lena versuchen?

Auf jeden Fall sollte ich jetzt langsam anfangen, meine Gedanken aufzuschreiben, bevor die zwei Stunden herum sind. Lena lächelt schon wieder. Hab jetzt keine Zeit, Süße!
Wenn ich eine Eins schreibe, bekomme ich zehn Euro extra Taschengeld und dann gehen wir beide in die Eisdiele. Umweltschutz ist doch gar nicht so doof, wie ich erst dachte!
 

Ruedipferd

Mitglied
Umweltschutz ist doof!

Oder doch nicht?

Gedanken eines dreizehnjährigen Schülers


Hi, ich bin Flemming.
Mein Alter: 13
Meine Hobbys: Fußball, Skateboardfahren und Mädchen

Ich spiele in der C-Jugend unseres Dorfvereins. Die meisten Jungs in unserem Dorf sind in der Fußballsparte. Wenn ich mal nicht auf dem Sportplatz bin, fahre ich auf meinem Skateboard oder träume von Angelina. Angelina ist eine heiße Braut. Sie ist schon fünfzehn und geht in die achte Klasse. Alle Jungs in meiner Schule sind verrückt nach ihr. Gestern hat sie mich auf dem Schulhof angelächelt. Leute, mir wurde heiß und kalt zur selben Zeit!

Apropos Schule. Im Augenblick sitze in der selbigen auf meinem Platz und warte darauf, dass unser Direx endlich das Thema für die Deutscharbeit an die Tafel schreibt.
Er rödelt in seiner Tasche herum und kommt nicht zu Potte.
Nicht, dass ich mich darüber freue, jetzt zwei Stunden Deutsch schreiben zu dürfen. Auf keinen Fall!
Es gibt wirklich Besseres: mit Angelina durch den Wald spazieren, vielleicht. Ihr duftendes blondes Haar riechen, ihre Hand streicheln und dann…
Lena schaut gerade zu mir hinüber. Ich glaube, ich lächle mal zurück. Sie sieht süß aus, aber sie ist etwas zu jung für mich. Wir kennen uns schon aus dem Kindergarten.
Vielleicht sollte ich trotzdem mal mit ihr durch den Wald…

Da, na endlich! Konnte auch Zeit werden. Und wir haben doch nur zwei Stunden für den Aufsatz!
Äh? Häh? Was schreibt der denn da?
„Meine Gedanken zum Umweltschutz“

Hat der sie vielleicht noch alle? Unser Direx scheint plötzlich völlig verrückt geworden zu sein. Die anderen blicken auch schon ganz hilflos. Tim zuckt entnervt mit den Achseln.
Was ist das denn für ein blödes Thema! Was soll ich dazu bloß schreiben? Och, Leute! Ne Fünf in Deutsch hätte mir gerade noch gefehlt. Die würde sich neben der Fünf in Mathe sicher gut machen. Ob Mum und Dad das auch lustig finden werden?

Umweltschutz! Gestern machte Mum einen fürchterlichen Aufstand, weil ich die beiden Batterien aus meinem MP3-Player im Mülleimer entsorgt hatte. „Die gehören in den Sondermüll! Hast du noch nie etwas von Umweltschutz gehört? Was lernt ihr denn heute eigentlich in der Schule?“

Hey, Mum, reg dich ab. Wir schreiben gerade ‘ne Deutscharbeit darüber und dein liebster und einziger Sohn ist auf dem besten Wege, sich wieder eine Fünf einzuhandeln!

Ja, Lena, Süße, ich weiß auch nicht mehr als du! Dieses Lächeln. Ich sollte sie wirklich mal zum Eis essen einladen. Aber wenn ich wieder eine Arbeit verhaue, kürzt mir Mum sicher das Taschengeld!

Gestern?
Einen Augenblick später fuhren wir dann zusammen mit Dad in die Stadt zum Baumarkt. Der Zaun muss gestrichen werden und unsere Garage soll auch wieder etwas Farbe sehen. Meine kleine Schwester hat sich als Malerin betätigt und ihre gesammelten Werke aus Filzstift zieren jetzt die rechte Garagenwand. Ich find’s gar nicht so schlecht für eine Vierjährige, beim nächsten Mal schenke ich ihr eine Spraydose. Dann kann sie schon mal mit echten Graffitis anfangen!
Als Dad die Farb- und Lackeimer in den Einkaufswagen stellte, ging Mums Keiferei gleich wieder von vorne los. „Die tragen doch nicht das Umweltsiegel, so ein Müll kommt mir nicht ins Haus!“
Mein alter Herr hatte es gut gemeint, schließlich waren die Farben im Angebot und meine Mutter jammert ständig herum, dass wir Kinder zu viel Geld kosten und alle sparen müssen. Wie dem auch sei, gegen Mama ist kein Kraut gewachsen. Er musste alles wieder zurückbringen und das ‚Richtige‘ kaufen. Aber Dad blieb trotzdem ganz cool. Als alles eingekauft war, fuhren wir noch zum Autohändler.
Und da konnte er gleich bei Mum punkten. Katalysator, wenig CO2- Ausstoß, beste Euro-Norm, eben ein besonders umweltfreundliches Auto! Zähneknirschend musste sie ihm recht geben. Ja, das ist mein Vater! Er hatte sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen!

Was gibt’s denn noch außerhalb der Familie zum Umweltschutz?
Na, der Regenwald in Brasilien muss geschützt werden, damit wir auf der Erde genug frische Luft zum Atmen behalten. Pflanzen assimilieren! Hatten wir gerade in Bio.
Aus Licht, Kohlenstoffdioxid und Wasser produziert die Pflanze mittels eines grünen Farbstoffs, den man Chlorophyll nennt, Zucker und Stärke. Dabei wird Sauerstoff frei und den brauchen wir zum Atmen. Man nennt das auch Photosynthese. Also in Bio habe ich eine Zwei, da macht mir so leicht keiner etwas vor.

Die Industriebetriebe müssen ihren CO2-Ausstoß verringern. Kohlenstoffdioxid ist ein farbloses und geruchloses Gas, das sich am Boden sammelt, weil es schwerer als Luft ist. Solange es in verdünnter Form vorkommt, ist es für den Menschen nicht gefährlich. Aber es wird zu viel Öl und Kohle verbrannt und auch beim Autofahren entsteht Kohlenstoffdioxid. So steigt sein Anteil in der Luft stetig an. Es absorbiert, also saugt, viel Wärme auf und trägt dazu bei, dass es in unserer Atmosphäre immer wärmer wird. Deshalb wird es auch Treibhausgas genannt. Selbst in der Limo ist es drin. Dadurch sprudeln Cola und Brause so lustig. Und sogar in Omas Abführzäpfchen ist CO2. Wenn es sich im Hintern auflöst, wird der Darm gedehnt und sie kann wieder aufs Klo gehen. Als ich das zu Hause erzählte, wurde Oma erst böse. Sie dachte nämlich, ich will sie nur veräppeln! Aber Dad war wie immer auf meiner Seite und hat es ihr noch einmal ausführlich erklärt. Wir Männer halten in unserer Familie eben gut zusammen.

Hey, da hab ich ja schon eine ganze Menge für die Deutscharbeit. Den Regenwald und die Luft kann ich nur schwer selbst schützen. Das müssen die Politiker mit ihren Gesetzen machen. Unsere Bundeskanzlerin fährt ja auch immer zur Klimakonferenz. Und ich muss nachher die Partei wählen, die sich dafür einsetzt. Aber das dauert noch fünf Jahre.
Bis ich wählen darf, meine ich. Kann ich denn vorher noch selbst etwas für den Umweltschutz tun?

Na klar, auf Mum hören und die gebrauchten Batterien ins Kaufhaus zurückbringen und in eine extra dafür vorgesehene Pappschachtel werfen. Papier und Cola-Dosen gehören in den Mülleimer und nicht auf die Erde oder ins Gebüsch.
Nur Apfelgehäuse verrotten. Die sind biologisch abbaubar.
Und im Wald nimmt man seinen Müll wieder mit nach Hause und entsorgt ihn dort, wie es sich für einen guten Umweltschützer gehört. Vielleicht kann ich so auch bei Angelina punkten? Oder soll ich es doch mal mit Lena versuchen?

Auf jeden Fall sollte ich jetzt langsam anfangen, meine Gedanken aufzuschreiben, bevor die zwei Stunden herum sind. Lena lächelt schon wieder. Hab jetzt keine Zeit, Süße!
Wenn ich eine Eins schreibe, bekomme ich zehn Euro extra Taschengeld und dann gehen wir beide in die Eisdiele. Umweltschutz ist doch gar nicht so doof, wie ich erst dachte!
 
D

Donkys Freund

Gast
Hallo nochmal,
nein, ich bin kein Lehrer oder ähnliches. Ich kenne nur ein paar 13-jährige, sonst nichts.
In diesem Sinne: Traue Deinem Lektor.
Gruß
Donkys Freund
 

Clara

Mitglied
lediglich hielt ich es für sehr pubertär entflammt, sich mit einer 17jährigen zum eis zu verabreden - aber es gibt ja zwei alternativen.

man ist ist als jugendlicher sehr wohl im unterricht auch damit beschäftigt.
meist sitzen die denkopfer nebenan.

Ich bin ja nun kein Junge, erinnere aber das die doch den Mädchen immer etwas hinterherhinkten. so ganze zwei Jahre was die Entflammbarkeit angeht - bzw, auch das tun wozu sie lust verspürten. Aber ich bin auch völlig aus der zeit mittlerweile.


ich fand den text gut.
 
D

Donkys Freund

Gast
Na gut, noch mal kurz in ein paar Details (als Laie, mein Sohn ist erst 11!), damit meine Einschätzung nicht falsch rüber kommt.

Ich denke nämlich schon wie du, dass die Gedanken des Jungen eigentlich an alles andere als um Umwelt kreisen, sondern stattdessen -wie du ja auch andeutest- die Hormone anfangen, Amok zu laufen, falls der Knabe nicht gerade Fußball spielt. Also die Gedankenwelt an sich ist schon stimmig.

Dass er sich innerhalb ein paar Erinnerungsfetzen doch für die Umweltarbeit "begeistert", na ja, nennen wir es mal idealtypisch.(Und ob er die Girls später wirklich mit Müllentsorgung überzeugen kann. Hmmm, eher Wunschdenken, aber wer weiß...)

Ansonsten stoße ich mich zunächst an erwachsenen Formulierungen wie:

Meine kleine Schwester hat sich als Malerin betätigt und ihre gesammelten Werke aus Filzstift zieren jetzt die rechte Garagenwand.
oder

Wir schreiben gerade ‘ne Deutscharbeit darüber und dein liebster und einziger Sohn ist auf dem besten Wege, sich wieder eine Fünf einzuhandeln!
oder auch (OK, ein Überflieger...)

Katalysator, wenig CO2- Ausstoß, beste Euro-Norm
Ansonsten entdecke ich neben Bemühungen wie "...zu Potte", "veräppeln", "punkten" oder "cool" kein einziges echtes Jugendslangwort.

Natürlich soll der Text noch lesetauglich bleiben und nicht vor lauter "phat", "krass", "voll", "total" und "check" ungenießbar überquillen, aber ich lese einfach den Vater und nicht den 13-jährigen (auch gymnasial!). Ich wohlgemerkt. Und das lässt mich dann einfach kalt, weil es auf mich nicht authentisch wirkt.

Ich weiß übrigens auch nicht, ob ein 13-jähriger an duftendes, blondes Haar denkt oder -wenn er mit 13 schon so weit ist- einfach an Knutschen. Charakterfrage wahrscheinlich.

Die Abhandlung über CO2 ist, wie ich finde, lehrerhaft und ich weiß nicht recht, an wen sich dieser Textabschnitt wirklich wendet. Zum Verständnis des Jungen trägt es aus meiner Sicht nicht bei. Das könnte aus meiner Warte gekürzt werden, oder soll eher der Leser hier gebildet werden?

(Wirklich nur nebensächlich, aber weil es die Umwelt-Botschaft zum Ende prägt: Inzwischen hat so gut wie kein MP3 Player mehr Batterien, nur Netz- oder USB-Kabel.)

Nun sind wir aber tatsächlich an dem Punkt, wo ein 13-jähriger den Text mal bewerten müsste, da ja meine Sicht noch viel weiter entfernt ist als deine, bzw. deines Lektors (und die der anderen Bewerter vielleicht auch).
Andererseits: Er steht ja unter Kurzgeschichten und nicht als Kindergeschichte. Wenn er also die Erwachsenenlandkarte der Jugend abbilden kann, dann hat er ja auf jeden Fall funktioniert.

Und nochmal liebe Grüße
Donkys Freund
 
S

suzah

Gast
hallo donkeys freund,

was du schreibst, ist meines erachtens absolut zutreffend!!!

ich hatte in meinem kommentar nur wenig angemerkt, u.a. "klingt als ob es für ein jugendbuch gedacht ist". ich bin nur nicht so ins detail gegangen wie du, denn ich habe in den letzten Jahren nicht täglichen kontakt mit meinen inzwischen 14 und 15jährigen großneffen haben können und bin bezüglich der umgangssprache der jugendlichen untereinander nicht mehr up-to-date.
die von dir zitierten sätze stammen auf jeden fall aus der "erwachsenenwelt". oft drücken sich (gymnasiale)jugendliche auch gewählter"aus, wenn sie mit erwachsenen sprechen, also ältere verwandte oder lehrer. insofern ist die bewertung des lektors bzw "ehemaligen" direktors für mich nicht unbedingt maßgebend (und vor etlichen jahren war die sprache noch nicht so schlimm wie bei lena), als eltern bekommt man da schon mehr mit.
dass mit den "batterien" beim MP3 Player fiel mir allerdings auch auf.
liebe grüße suzah
 

Ruedipferd

Mitglied
Es geht ja eigentlich um ein ernstes Thema

Übergeredet!
Ich bin gottlob auch keine Dreizehn mehr und möchte es in der heutigen Zeit ehrlich gesagt gar nicht mehr sein. Meine Schulzeit lag in den 70-er Jahren. Um ganz authentisch rüber zu kommen, hätte ich die Idee mit einem Jungen dieses Alters durchsprechen müssen und mir die Slang-Worte erklären bzw. vorsagen lassen können.
Aber was wollen wir denn als Erwachsene? Sollen unsere Kinder etwas lernen? Oder wollen wir ihre Weltanschauungen und Sprachen usw. übernehmen? Die Jugendlichen wollen sich natürlich von den Älteren distanzieren, abgrenzen und erfinden dafür ihre eigenen Sprachen. Das haben wir ja damals auch getan und unsere Eltern, soweit es im vorherrschenden Regime möglich war, vor uns ebenfalls. Wenn wir das alles ernst nähmen, gäbe es wohl kaum noch eine Sprache auf der Welt, die für Ausländer erlernbar wäre, da die Jugendsprache sich ja schon innerhalb von zwei bis drei Jahren wieder ändert, weil neue Generationen von Kids heranwachsen.
Und zwischen dem Weltenschmerz(und der Sprache)eines Dreizehnjährigen und dem eines Siebzehnjährigen (die Kids in meiner Geschichte sind Fünfzehn(Angelina)und Dreizehn(Flemming und Lena))liegen wiederum Welten.

Was unsere jungen Menschen brauchen sind Vorbilder, auch und gerade in der Sprache. Sonst kommt ein bereits heute zu spürender Kauderwelsch aus Englisch und allem Möglichem dabei heraus, der mit Deutsch nicht mehr viel zu tun hat. (Handy, E-Mail, Spam etc.) Ich wollte auch nur anhand eines pubertierenden Jugendlichen einige wenige Aspekte des Umweltschutzes herausgreifen und dem Leser in möglichst einfacher verständlicher Sprache nahe bringen. Viele wissen gar nicht, was es mit dem CO 2 auf sich hat und das so etwas tatsächlich in Omas Abführzäpfchen enthalten ist. Als Erwachsener und vor allem als Jugendlicher! schiebt man die Verantwortung gerne auf andere, auf Politiker, Lehrer, Konzerne, andere Staaten usw. Aber man kann selbst so viel tun, ohne sich zu belasten. Und gerade das sollen die Kinder doch lernen, denn sie sind ja nicht nur unsere Zukunft und die Erwachsenen von morgen, die dann ihrerseits wieder Kinder haben werden.(Und irgendwann deren Sprache nicht mehr verstehen, bis diese erwachsen geworden sind und sich angepasst haben.)Sie sind auch die Zukunft und Garantie unserer Mutter Erde, noch eine Weile bewohnbar zu bleiben.
Wenn ich bedenke, dass ich nie so spießig werden wollte wie meine Eltern und es mit spätestens Fünfundzwanzig, als ich meinen eigenen Sohn hatte, dann bereits war, muss ich wirklich schmunzeln. Allerdings sind meine Eltern nun beide tot und das treibt mir dann auch wieder die Tränen in die Augen. Vielleicht geht es unseren Kindern eines Tages auch so, vielleicht liegt in der ständigen Wiederholung von Kindheit, Jugend, Erwachsenem Leben und dem Alter unsere einzige Chance als Menschen, das jeweils Beste unserer Möglichkeiten zu tun.
 
D

Donkys Freund

Gast
Insbesondere den Part mit der Verantwortung unterschreibe ich komplett. Auch den mit den Vorbildern. Nur diese müssen auch als solche akzeptiert werden, die kann man nicht basteln.

Die Sprache -nun ja- entwickelt sich eben. E-Mail, Spam und Handy sind international (Handy noch nicht einmal). Wie auch die Weltanschauung nicht stehen bleibt und bei aller Skepsis demgegenüber: Auch wir können davon lernen (um eben kein "Spießer" zu werden).

Nur: Für wen ist die Geschichte denn nun gedacht? Ich entnehme den Schilderungen, dass sie vor allem Jugendliche inspirieren soll, also eigentlich unter Kindergeschichten gepostet werden müsste.

Als Erwachsender empfinde ich sie als unauthentisch, sie macht mir keinen Spaß, da sie -Entschuldigung für die Formulierung- auf halben Weg verreckt. Ich möchte mich als Erwachsender in eine Person hineinversetzen können, hier könnte ich mich maximal in den Autor reindenken. Bei aller ehrbarer Absicht, für mich nicht besonders spannend, auch wenn ich jetzt mehr über Zäpfchen weiß.

Für Jugendliche kann ich nicht sprechen. Aber brauchen diese nicht auch ein bisschen Identifikation sprachlich wie gedanklich? Sonst nutzt doch die schönste Botschaft nichts. Ich habe bei der Geschichte meine Zweifel. Aber wie schon vorher gesagt: Jetzt fehlt der 13-Jährige...

(Übrigens betonte ich ja, dass hier kein Jugendslang bis zur Unkenntlichkeit -und wahrscheinlich furchtbar peinlich- kopiert werden soll, sondern dachte eher an eine Art Brückenschlag)

Ich traue mir im Übrigen nicht zu, eine Geschichte in Person eines Jugendlichen zu schreiben.
 
S

suzah

Gast
hallo rüdipferd,

"Meine Schulzeit lag in den 70-er Jahren....Wenn ich bedenke, dass ich nie so spießig werden wollte wie meine Eltern und es mit spätestens Fünfundzwanzig, als ich meinen eigenen Sohn hatte, dann bereits war, muss ich wirklich schmunzeln."

also, wenn ich das so nachrechne, da solltest du eigentlich (noch) nicht "spießig" sein. ich bin schätzungsweise fast doppelt so alt, aber spießig bin ich immer noch nicht geworden, aber das ist wohl einstellungssache.

"mir die Slang-Worte erklären bzw. vorsagen lassen können."
ein tipp: es gibt im internet ein einschlägiges "wörterbuch".

"...soweit es im vorherrschenden Regime möglich war..."
ich nehme an in der DDR, ging es da hauptsächlich um die "anglizismen" oder generell?
"neue Generationen von Kids"
"kids"in deuschland, während die amerikaner das wort "kindergart(d)en" übernahmen. ich finde es muss nicht sein, dass ständig diese anglizismen benutzt werden, und zwar von erwachsenen, die meinen, damit ihre jugendlichkeit und kenntnis der engl. sprache zu betonen, wenn eigentlich ein deutsches wort genügen würde. oft auch in der werbung der DB, t-com, u.a.
anders sehe ich es bei (Handy), E-Mail, Spam, laptop, user, router, download, screenshot, backup, tools, header, flyer, etc., da diese bezeichnungen (ursprünglich als fachausdrücke) international im gebrauch sind und ihre kennntnis unumgänglich ist.

"Sie (die kinder) sind auch die Zukunft und Garantie unserer Mutter Erde, noch eine Weile bewohnbar zu bleiben.",
vorausgesetzt wir (erwachsene) haben sie nicht bis dahin total versaut.

lg suzah
 

Ruedipferd

Mitglied
Keine reine Kindergeschichte

Geht uns Umweltschutz nicht alle an? Ich denke, dass wir alle, groß und klein, die Zielgruppe sein sollten.
Die einen, um es den Jüngeren vorzumachen und ihnen eine einigermaßen intakte Welt zu hinterlassen und die anderen, na, das habe ich ja schon gesagt. Gerade habe ich auf einem Forum erklärt, dass es sehr langweilig wäre, wenn wir alle den selben Geschmack hätten. Ich kann also gut mit dir leben, Donkys Freund! (Natürlich mit deiner Meinung.)Ich freue mich auch sehr über die Anregungen, die man auf der leselupe für seine Texte bekommt. Deshalb habe ich sie auch hier noch einmal extra eingestellt. Vom Lernen wird man nicht dümmer! Ansonsten beenden wir die Diskussion und ich danke dir, dass du es so lange mit mir ausgehalten hast. Schöne Weihnachtstage und lg
 

Ruedipferd

Mitglied
Liebe suzah, einfach danke!

Wörterbücher finde ich nicht so spannend, dann spreche ich doch lieber persönlich mit den Kids und hole mir die Anregungen direkt. Aber vielen Dank für den Tipp.
Ich bin ein Uhu, also unter Hundert. Bis Vierzig ist man BiFi.
Mein Baujahr ist 1956! 1962 kam ich in Hörnum auf Sylt in die Volksschule und ab 1966 in Flensburg aufs Gymnasium. Da blieb ich dann bis 1975. Es war die Zeit der Apo, der Wasserwerfer und NPD.(Auch der KPD, DKP und der Extremistenerlasse.)Kalter Krieg, Aufrüstung, aber auch die Mondlandung, leider auch die Sturmflut und zu meiner Freude wieder den Eis Avus von Sylt aufs Festland, habe ich miterlebt. Ich hatte bei den Bundesjugendspielen regelmäßig Urkunden erhalten und die "großen", die ich heute noch besitze, tragen die Unterschriften von Heinrich Lübke und Gustav Heinemann. Meine Eltern wurden 1924 und 1927 geboren, haben also noch etwas ganz anderes als die DDR erleben müssen.
Vaters Geschichte kannst du auf meiner Website:
http://manuelmagiera.npage.de nachlesen.
Ich hoffe mit dir, dass wir es noch schaffen, unsere Erde ein paar Jährchen zu erhalten.
Auch dir liebe Weihnachtsgrüße aus der kalten schneebedeckten grauen Stadt am Meer.
 

Clara

Mitglied
meiner einer war in den 80ern bereits Mutter
und beim Vorlesen, nicht einmal wöchentlich wie grad im fernsehen gehört, sondern täglich vor dem zu Bett gehen,
hatte ich tatsächlich mal ein Buch erwischt mit Umgangssprache
Nur das Wörtchen Glotze hat mich allein dermaßen gestört,
das ich das Buch nicht weiter vorgelesen habe.

Ich empfand das alles andere als vorbildlich, auch wenn wir selbst manchmal so gesprochen haben.
Natürlich kommen Kinder auch an und sagen die Worte oder fragen sogar danach - und logo hat auch meine Generation so ihre Spruchfibel gehabt - aber ob das alles in die Literatur einfliessen muss?

Es ist gut, das es diese Wörterbücher gibt, damit wir Erwachsenen noch kapieren, was man uns grad sagte - aber in die Literatur nur als wörtliche Rede bitte - nicht so grundsätzlich und massiv.

und nicht geballt - denn dieser slang wird auch eher in Gruppen gesprochen - so das wir Eltern meistens doch das Wörterbuch nur brauchen, wenn sich die Kumpels untereinander verständigen.

Was Rüdi da so eingeflochten hat, entspricht eher der norddeutschen Art - Jugendsprache ist das auch nicht, sondern unser aller.

ich bin da noch gut drin, hackenschuss sozusagen, grins.

das ist so ein Satz: Er rödelt in seiner Tasche herum und kommt nicht zu Potte.

typisch norddeutsch würde ich sagen.

Mum und Dad - durch die Fernsehserien hat sich das teilweise eingeschlichen - ja, und ey Alder mach doch mal hinne. Wollen wir das lesen? Wollen wir das unsere Kinder so lesen? Und dann kommen wir mit Goethe oder anderen an?
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
also

goethe und slang gehen durchaus zusammen. man soll das eine pflegen, aber das andere auch nicht vernachlässigen. keiner ist klar schwarz - weiß, jeder ist in jeder hinsicht ein gemisch. man muss nur entscheiden, was man überwiegen lassen möchte, das primitive oder das gehobene. und das auch noch von fall zu fall.

da der junge ja eigentlich nur zu sich selber spricht, ist er keinerlei zwängen ausgesetzt und kann so reden (denken), wie er gerade mag. da können durchaus lehrsätze und peinlichkeiten nebeneinander stehen. um so plastischer und authentischer kommt er rüber.
lg
 
S

suzah

Gast
hallo rüdipferd,
nun, dann bist du wohl eher typisch norddeutsch (obwohl du dich selbst als"spießig" bezeichnest). die geschichte deines vaters habe ich längst gelesen. zwar bin ich eigentlich hamburgerin, fühle mich aber im (viel lockeren) berliner prenzlauer berg "sauwohl".
dir ebenfalls weihnachtliche grüße,hier schneits gerade kräftig.

hallo clara und flammarion,
da stimme ich flammarion absolut zu. manchmal gehört die umgangssprache eben zu dem in einem buch geschilderten milieu (z.b. "herr lehmann" von s. regner. ansonsten ist natürlich der slang von lena überhaupt kein vorbild! aber wenn es gelingt, jugendliche für gute literatur zu interessieren, ist das natürlich ein gewinn. wobei nach meiner erfahrung dies niemals unter druck geschehen darf, sondern einfach alles lesen lassen - von asterix bis goethe - sonst kann sich die gute absicht leicht ins gegenteil verkehren.
liebe grüße

suzah
 

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