unlaute

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revilo

Mitglied
bevorzuge geheimes gewisper
[red]verachte[/red] das [red]geblöke[/red] der masse
vielsagende wortlose locken mich
und nicht [red]schillernde[/red] stimmenimitate

mich begleitet verwilderte stille
in die belagerte gegenwart
drum beneide ich lächelnde taube
lege mein gesammeltes schweigen
auf die [red]ungeeichte[/red] goldwaage
und erwarte vergeblich gewichtiges


Lg revilo
 
bevorzuge geheimes gewisper
hasse das geblöke der masse
vielsagende wortlose locken mich
und nicht wohltönende stimmenimitate

mich begleitet verwilderte stille
in die belagerte gegenwart
drum beneide ich lächelnde taube
lege mein gesammeltes schweigen
auf die ungeeichte goldwaage
und erwarte vergeblich gewichtiges
 

Mondnein

Mitglied
"drum singen wir auch nicht silentium" (Wagner, Meistersinger, 3.Akt)

GrüßDich, Karl!

Das ist ein schönes, ein "wohltönendes" Gedicht.

Wie fast alle Deine Lieder ist es ein "Ich"-Gedicht. Eine etwas gefährliche und zugleich überaus gebräuchliche Form.

Gefährlich, weil es schwierig ist, sich selbst gegenüber die ästhetische Distanz zu wahren, die den ästhetischen Reiz von der Selbstbespiegelung und der Besoffenheit von den selbstinduzierten Endorphinen freihält. Konkret hier: Natürlich ist es ganz toll, daß Du zu den "Guten" gehörst, die die Stille lieben, und nicht zur blöden Masse derer, die Krach machen.

Überaus gebräuchlich, damit meine ich die ewige Icherei der modernen Lyrik (auch "Betroffenheit" genannt, wenns auf die Gefühle des unvermeidlichen Ich geht).
Würde ich Dir vorschlagen, mal drei Jahre lang das Wort "ich" zu vermeiden, (vielleicht auch das fast genau so gefährliche und über-übliche "du"), und dann auch noch alle (Dir so lieben) Abstraktiva durch lebendige Metaphern zu konkretisieren, mindestens durch sinnliche Im- und Expressionen, - mein Gott, ich fürchte, Du würdest uns verlorengehen, fehlen, Du wärest nicht so leicht wiederzufinden.

Scherz beseite: Wie hältst Du es im Zusammenhang dieses Gedichtes mit der Musik?
Ich selbst bin der Meinung, daß die unübertreffliche Höchstqualität der Musik in der Stille besteht.
Aber vielleicht hast Du die Musik, die immerhin eine innerlich verborgene Seite aller Lyrik ist, hier nicht "mitgemeint", oder doch?

grusz, hansz
 
Lieber Hansz,
deine Zeilen haben mich durchaus sehr nachdenklich gemacht.
Ja, es wäre eine Chance, für längere Zeit das "ich" auszulassen.
Der Zusammenhang zwischen Lyrik und Musik ist mir durchaus bewusst, auch wenn er bei diesem Text nicht ausschlaggebend war.
Es mag sein, dass dieses Gedicht den Verdacht nahelegt, dass ich die anderen zu den Bösen zähle, da ich mich auf die Seite des Guten schlage. Eigentlich geht es mir nur darum, mich von der lauten Masse abzugrenzen. Und die meisten meiner anderen Gedicht sind so abgefasst, dass ich mich bemühe, mich immer auch als Zweifler und weniger gut aufzufassen. Offenbar gelingt mir das nicht immer überzeugend.
Danke für deine wertvollen Hinweise.
Karl
 

Perry

Mitglied
Hallo Karl,

der Rufer in der Wüste wird leicht zum Alleinunterhalter, aber das sollte ihn nicht abhalten weiter Fata Morganen zu ersinnen, die vorbeiziehende Karawanen beglücken.
LG
Manfred
 

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