unter der asche

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HerbertH

Mitglied
in den echokammern
zwischen ihren ohren
hallen nur parolen ihres hasses
und sie lallen
ihre ängste
und ihre gier
zu brennen
dann zu morden
was ihnen fremd ist
schüren sie
unter der kalten asche
ihres verstandes
Oder das?

Danke für Eure Meinungen
 

Mondnein

Mitglied
"und" scheint mir besser als "dann". die zeitschritte mit einem "dann" zu betonen, sieht naiv und schwerfällig aus. wieso sollen "brennen" und "morden" so voneinander abgesetzt werden? in der aktion überschneiden sich solche aktionsweisen doch, die eine setzt die andere doch kaum voraus - ?

war das die frage?


"und ihre gier" ist offensichtlich apo koinou (zu beiden seiten hin) objekt erstens zum prädikat "sie lallen" (angeschlossen durch das "und"), zweitens zu "schüren sie": sie schüren ihre gier, zu brennen. drittens kann "zu brennen" intransitiv gelesen werden, dann ist es eine "gier, (selbst) zu brennen", in flammen aufzugehen.

schöner einstieg mit den "echokammern", in deren ego-binnenraum es "hallt".
auch der (mindestens) zweideutige (gen. subj. und obj.) ausklang mit der "asche ihres verstandes".
 
Lieber Herbert,
bin froh, dass Du Dich auch an aktuelle politische Themen herantraust.
Ich finde, Dein Gedicht über Hohlköpfe ist Dir bestens gelungen, zumal es nicht einfach ist, sich lyrisch über hohle Köpfe zu äußern.
Herzliche Grüße
Karl
 

Cellist

Mitglied
Ich schließe mich gern den beiden anderen Kommentatoren an. Ja, die "Hohlköpfe" hast du prima lyrisch verarbeitet. Und, wie schon Mondnein sagte, die zunächst ungewohnten Einrückungen erleichtern das Lesen des Textes erheblich. Beim ersten Lesen störte mich noch das gehäufte "ihre" bzw. dessen Abwandlungen im Text. Aber mittlerweile lese ich das als einen Finger, der immer wieder ermahnend im Text auf diese "Hohlköpfe" hinweist.

In meinen Augen auch vor dem ernsten Hintergrund ein sehr gelungener Text.

LG
Cellist/BeBa
 

HerbertH

Mitglied
Vielen Dank für die wohlmeinenden Antworten und Wertungen.
Ich hab noch nicht vergessen, dass noch eine längere Antwort von mir aussteht, bitte noch um Geduld.
 

HerbertH

Mitglied
Hallo liebe Leser!

An diesem Gedicht habe ich lange gefeilt, weil es mir wichtig war und ist. Es ist politisch und soll es sein. Es handelt von Köpfen ohne Inhalt - Hohlköpfe hätte ich auch schreiben können, habe das aber bewusst vermieden. Die Botschaft scheint auch so angekommen zu sein, schaue ich auf die Kommentare und die Wertungen ... ;)

Die bisherige Diskussion hat mich weitergebracht - allein der Hinweis auf das apo koinou, super :)! Einzig an der "kalten asche" sitze ich noch. Warum könnte das wichtig sein? Glimmende Asche könnte neue Feuer entfachen. Aber hier will ich sagen, dass in deren Verstand keine Vernunft mehr angefacht werden kann.

Das ist ein hartes Urteil, aber so sehe ich es derzeit - und bedauere es tief.

Die Einrückungen helfen, den Fluss der Ideen zu gliedern - zumindest mir: Um so besser, wenn sie Euch auch beim Lesen helfen, selbst beim lauten ;)

Danke :) :)

Herbert
 

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