Unterhaltung im Kühlschrank

M. F.

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Wenn man sich so einen Kühlschrank von außen ansah, würde man nicht glauben, dass da drin irgendwas Besonderes vor sich ging aber in so einem Kühlschrank war ganz schön was los. Käse, Schinken, Gurken und Tomaten, die Butter und die Eier, O-Saft, Milch und Cola, der Joghurt und ein ganzes Grüppchen an Soßen. Sie alle redeten wild durcheinander und diskutierten, wer wohl am wichtigsten sei.
„Ist doch ganz klar“, sagte die Butter, „ich bin am wichtigsten. Mich kann man für so vieles hernehmen. Zum Kochen und zum Backen oder einfach zum Verfeinern.“
„Ach ja“, meinten da die Eier, „was machst du schon feiner. Außerdem kann man uns auch zum Kochen und zum Backen hernehmen. Warum sollten wir unwichtiger sein als du?“
„Ist doch ganz klar“, bremste die Butter die Eier aus, „ihr Eier seid doch nichts Halbes und nichts Ganzes. Labbriges Zeug, das krank machen kann, wenn man es roh verzehrt.“
„Uns soll man ja auch gar nicht roh essen. Man kann wunderbar Rühreier aus uns machen. Oder Spiegeleier, oder Omelette, oder…“
„So ein Unsinn“, schaltete sich der Joghurt ein, „das dauert doch alles viel zu lange.“
„Oh, oh Vorsicht“, sagte die Gurke, „ich glaube der Joghurt ist schon wieder sauer.“ Schallendes Gelächter aus der Getränkeabteilung.

„Ja, ja sehr witzig“, keifte der Joghurt, „ihr wärt auch sauer, wenn ihr im hinterletzten Eck stehen würdet und vergessen werdet.“
„Also auf Milch und O-Saft trifft das zu aber auf mich nicht“, meinte die Cola stolz.
„Dafür verlierst du deine Spritzigkeit, wenn man dich zu lange stehen lässt“, erinnerte sie die Obertomate, „und dann wirst du weggeschüttet.“ „Weggeschüttet, weggeschüttet“, riefen die anderen Tomaten im Chor. „Ach hört bloß auf“, erboste sich die Cola, „und was soll an euch so besonders sein? Die Hälfte vom Jahr habt ihr nicht mal Geschmack“. Da wurden die Tomaten schnell leise und liefen rot an…

„Da habe ich es besser. Mich kann man das ganze Jahr hernehmen“, sagte die Gurke vergnügt.
„Ja, weil du das ganze Jahr gleich langweilig schmeckst“, kam es von den Soßen. „Wir sind wahre Geschmacksträger. Uns wollen die Menschen zu allem dazu.“
„Ach ja“, schaltete sich der Stinkekäse ein, „und wie kommt´s dann, dass euch im Winter niemand rausholt?“
„Wir werden eben während der Grillsaison bevorzugt“, verteidigte sich die BBQ-Sauce.
„Ach, Quatsch, lahme Ausreden“, war der Stinkekäse überzeugt, „wenn ich hier bin, dann keine drei Tage. So gern mögen die Menschen mich.“ „Sie können nur deinen ekligen Gestank nicht aushalten und wollen dich möglichst schnell wieder loswerden“, mischte sich der Schinken ein, „ich bin beliebt. Mich kann man aufs Brot legen.“
„Was? Brot? Was ist das?“, fragte die Milch.
„Brot ist auch ein Lebensmittel, sogar ein sehr wichtiges“, antwortete der Schinken.
„So besonders kann das gar nicht sein. Das ist nicht mal hier im Kühlschrank“, meinte die Gurke.
„Manche Lebensmittel müssen eben nicht gekühlt werden. Das macht sie aber noch lange nicht unwichtig“, führte der Schinken weiter aus.

„Wenn ich es recht bedenke, könnte das Brot das wichtigste sein“, überlegte der Schinken auf einmal, „die Menschen sagen Grundnahrungsmittel dazu. Das muss doch was bedeuten.“ Plötzlich war es leise im Kühlschrank. Jeder hing seinen Gedanken nach und dachte über das was der Schinken sagte nach. Da wurde auf einmal die Tür aufgerissen und das Licht ging an. Alle erstarrten, so wie sie es immer taten, wenn einer der Menschen vor dem Kühlschrank stand. Es war die Dame des Hauses und sie ließ ihren Blick über das gesamte Sortiment schweifen. Schließlich nahm sie den Joghurt und probierte ihn. „Ach Mist“, sagte sie und verzog das Gesicht, „der Joghurt ist schon wieder sauer.“ Sie rümpfte die Nase. „Und dieser blöde Käse stinkt alles voll. Vielleicht sollte ich mal den ganzen Kühlschrank ausräumen und...“
Mehr hörten sie nicht, denn die Tür war wieder zugegangen. Keiner wagte sich aus seiner Erstarrung zu lösen. Irgendwann flüsterte die Milch: „Schinken, du musst das Brot anrufen. Vielleicht kann es uns hier rausholen“. Der Schinken griff sofort zum Telefon. „Brot? Ja, ich bin´s, Schinken. Hör mal, du musst uns hier unbedingt rausholen. Die Hausherrin will uns glaube ich alle entsorgen.“ Alle warteten gespannt, während das Brot offensichtlich eine Antwort gab. „Wie jetzt? Im Ernst?“, stammelte der Schinken.

Fassungslos legte er den Hörer auf. „Was ist? Was ist denn?“, wollten die Eier wissen. Der Schinken drehte sich um und sah in lauter erschrockene Gesichter. „Das Brot kann uns nicht helfen. Es liegt im Müll. Offenbar ist den Menschen nicht mal ihr Grundnahrungsmittel etwas wert…“
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo M. F.,

liest sich flüssig, locker und leicht. Kurzweilig, nicht zu lang.

Gute Idee, hat auch etwas mit Wertschätzung und Nachhaltigkeit zu tun. Von daher topaktuell.

Habe ich gerne gelesen.

Wenn du an Textarbeit interessiert bist, sag einfach Bescheid.
Geht sich um wörtliche Rede, Zeitenwechsel, Leerzeichen, Zeichensetzung ...
Auch den Anfang könnte man ein wenig ändern. Es langsamer einführen. Nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. :)

Schönen Abend und
LG, Frankyln Francis
 

M. F.

Mitglied
Hallo,

vielen Dank für das Feedback. Ja, an Textarbeit wäre ich sehr interessiert, ich weiß, dass ich da manchmal zu nachlässig bin. Den Anfang kann ich gerne noch etwas umschreiben. Ich finde ihn selbst auch nicht ideal.

Liebe Grüße
 
Hallo M. F.

Ja, an Textarbeit wäre ich sehr interessiert, ich weiß, dass ich da manchmal zu nachlässig bin.
Ich habe ein paar Stellen herausgesucht.

Verfeinern.“ „Ach ja“, meinten da die Eier
Dazwischen gehört ein Zeilenwechsel, da Sprecherwechsel.
Hast du bei allen wörtlichen Reden so.

„Was? Brot? Was ist das“, fragte die Milch.
Fragezeichen hinter das

Punkt innerhalb der wörtlichen Rede. (entfällt hier aber)
Leerzeichen vor den drei Auslassungspunkten.
Also:
oder ..."

trifft das zu aber auf mich nicht
zu, aber

ein bisschen rot…
rot ...

Ach, Quatsch,

schnell wieder los werden
loswerden

ausräumen und...“.
ausräumen und ..."

Ja, ich bin´s Schinken.
Ja, ich bin's, Schinken

Alle warteten gespannt während das Brot offensichtlich eine Antwort gab
gespannt, während

„Was ist? Was ist denn“,
Fragezeichen hinter denn

Das sind nur einige Beispiele, das wiederholt sich. Am besten gehst du den ganzen Text gem. den Hinweisen noch mal durch.

Schönen Samstag und
LG, Franklyn Francis
 

Nostoc

Mitglied
Moin! Großartige Idee, ein sprechender Kühlschrank :) Hat beim Lesen Spaß gemacht. Ich sammle gerade Ideen für eigene Geschichten, die ich schreiben möchte. Irgendwo im Hinterkopf bekommt der schlaue Schinken ein kleines Plätzchen. :D
 


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