Variation d’accord(s)

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Walther

Mitglied
Variation d’accord(s)


Die melodei verschlingt die terzen
& spuckt dafür die blauen quarten
danach ein sprinten zu den quinten
am ende die versexten sexten

Ich leuchte warm dir heim mit kerzen
& will am rand des herzens warten
genieß die aus flucht & die finten
der augen die mich so verhexten

Du spielst sie nur die warme prime
sekunden später schon sekunde
aus der wächst schriller die septime
mit lauter tür schallt die octave

Geliebte schau wie ich mich beame
zu dir für diese schicksals stunde -
ich bete dass es sich gezieme -
dass ich mich schenke dir als sklave
 

Sta.tor

Foren-Redakteur
...aber finde ich jetzt nicht so experimentell. Für mich klar und regelgerecht gereimt.
Mal sehen, vielleicht wirds verschoben.

VG Sta.tor
 

Mondnein

Mitglied
Intervalle

Ich habs zweimal mit großem Abstand zwischen den meiden Malen gelesen.
Zuerst leuchtete mir nicht ganz ein, was die Intervalle "sollten", denn ich "hörte" sie nicht zusammenhängend, in ihrem tatsächlichen musikalischen Gefüge, Eigenwert, ihrer Funktion in Melodie und Harmonik usw.

Intervalle sind ja die Substanz aller Musik, vergleichbar den bedeutungtragenden Silben in der Sprache, mehr als die Töne, wie in der Sprache die Silben substanzieller sind als die Alphabete (die im "Alephbet" der Phönizier und Kanaanäer durchaus noch Silbenwert hatten). Also wäre es zu flach, die Intervalle nur zu nennen, ohne ihnen die musikalische Substanzialität zu lassen, die ihnen als Metaphern in einem Lied erst Aussagekraft geben.

Beim zweiten Lesen nahm ichs musikalisch, vergegenwärtigte mir, d.h. ich "hörte" die Intervalle in ihrer Gedichtstelle. Das geht schon. Nur mit der warmen "Prim" werde ich nicht ganz warm. Primen sind wo warm wie Identitäten, Tautologien und die (bei mir zur Zeit sehr beliebten) neutralen Elemente der Gruppen (in der Zahlentheorie).

Die scherzhafte Art der Liebeslieder gefällt mir ganz außerordentlich, das sei zum Wesentlichen gesagt. Mein "Problem" ist gewiß nur peripher, aber ich bin nun mal ein Mensch, der aus Musik geradezu besteht. Da muß die Erörterung ihren Ort finden.
 

Walther

Mitglied
Lieber mondnein,

danke für deinen kenntnisreichen eintrag. die musik wird hier als tonbild einer beziehung eingesetzt.

die "prim" übernimmt die funktion des gleichklangs zweier partner, die fast wie einer klingen (wir wissen, daß das notieren des gleichklangs durch den wiedergabeeffekt, daß alle instrumente der tonwiedergabe doch unterschiedlich klingen, immer ein wenig relativ bleibt; aber selbst das paßt ja wunderbar zur realität, in der die verschiedenheit, die trennung durch die haut, die völlige übereinstimmung, den totalen gleichkling, die verschmelzende vereinigung eigentlich logisch ausschließen). daher habe ich sie warm genannt, im wissen, daß warm eigentlich eine eigenschaft des klangs und nicht der notierten tonlage ist. es sei dem poeten gestattet, nicht ganz exakt zu sein - wobei er sich die bemerkung erlauben darf, daß sprache nie exakt ist, weil wir dort wieder das paradoxon zweiter partner haben, die das gleiche sagen, aber nicht dasselbe verstehen.

lieber gruß W.


lieber Stator,

deine ansicht hat etwas für sich - aber auch die meine. daher stelle ich das in die entscheidungsgewalt der redaktion, die qua amt dazu berufen ist, es besser zu wissen als der autor. :)

lieber gruß W.
 

Mondnein

Mitglied
Rilke

Lieber Walther! Es ist nicht originell von mir, zu behaupten, daß in der Dichtung die Sprache höchste Genauigkeit hat oder haben muß. Schon andere haben das gesagt, und das waren Dichter.
(Ich weiß, klingt wie: "Lügen sind das einzig Wahre, das haben die Lügner deutlich gesagt, und die müssen's ja wissen")
 

Walther

Mitglied
lb. mondnein,

ich liebe Rilke, aber nicht insofern und -weit, daß ich alles, was er schrieb, beim wort nehmen würde. außerdem schließe ich wetten ab, daß ich bei einem anderen großen dichter die gegenteilige anmerkung auffinden könnte - so ich denn suchte.:D

lieber gruß W.
 

HerbertH

Mitglied
witzig ist das eigentlich nicht @impressionist liebt genauigkeit

Denn der Impressionismus nahm doch für sich in Anspruch, den Sinneseindruck in all seinen Einzelteilen darstellend das Gesamtbild genau zu erfassen.

Zumindest beim Malen ist das der Fall. Bei ein bis zehn Schritten Abstand erschliesst sich der Eindruck ( = die Impression ;)
 

Mondnein

Mitglied
Bei-Spiel

Das ganze blind dahingewischte Jetzt
Den vagen Glanz der Tage letztes Glück
Füllt längst schon eines alten Meisters Blick
Der alle Arbeit ins Genaue setzt
 

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