verlassen das schiff

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HerbertH

Mitglied
verlassen das schiff

in den wüsten des ozeans
in der flaute dümpelnd
in der bilge im höher
steigenden wasser unrat
und rattenkadaver in der ferne
türmen sich gewitterambosse
schon vor dem
aufkommen jeglicher brise
rollen immer gewaltiger
wellen reitet das schiff
noch träge die see
bis die schotten
bersten und koffer
durchweichte unterwäsche
in die gänge spülen
bis der rumpf
bricht die wäsche sich
in das meer rettet
in die freiheit
von den fischen
gefressen zu werden
 

Billy Bibbit

Mitglied
Puh,
da hast du die Worte so verschachtelt, das sie sich sinnentleert zu einer optischen Mauer aufbauen und der gewillte Leser findet keinen Zugang mehr findet ( finden soll? ).

Warum machst du mit deiner sprachlichen Kompetenz und der dokumentierten Kreativität einen Text zu kaputt????

Ich finde dich sprachlich weit vorne ( im bisherigen Vergleich zu anderen ), bin aber überrascht, das du es nicht schaffst, dein Können zu fokusieren.


Liebe Grüsse
BB
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Billy,

hier werden wir wohl nicht recht zueinander kommen. Für mich sind gerade die Viel- und Mehrdeutigkeiten interessant, die sich durch die Anordnung der Wörter ergeben.

Wenn man das Gedicht laut und einigermassen flüssig liest, verschwinden viele dieser Effekte fast, allerdings je nach der gewählten Deutung. Wenn ich Zeit finde, werde ich eine Rezitation des Gedichtes noch dazuhängen.

Was meinst Du genau mit "fokussieren"? Vielleicht kannst Du mir da ein Beispiel geben?

Trotzdem vielen Dank für den Kommentar, der mir zumindest zeigt, dass das Gedicht eventuell zu kryptisch ist.

Liebe Grüße

Herbert
 

Billy Bibbit

Mitglied
Da kommen wir sehr wohl zueinander, denn deine Antwort
subsummiert ja meinen Kommentar, in dem du schreibst, das "Vieldeutigkeit" ein Thema für dich ist.

Mit "fokussieren" meine ich, dass Du genau da schwächelst, wo eine Vieldeutigkeit nicht nötig war.
Dein Spiel mit den Worten ist da einfach "to much" und es löst den Text nicht mehr auf.


Liebe Grüße
BB
 
A

AchterZwerg

Gast
Lieber Herbert,
mir erscheint das Gedicht nicht zu kryptisch, sondern als Nachhall eines erlebten Segeltörns.
Ich denke, wenn du die letzen Verse wegließest und den Titel in "der törn" verändertest, wäre das ein guter Text:

in den wüsten des ozeans
in der flaute [blue]dümpeln[/blue] (Partizipialkonstruktion entfernen)
in der bilge im höher
steigenden wasser unrat
und rattenkadaver in der ferne
türmen sich gewitterambosse
schon vor dem
aufkommen jeglicher brise
rollen immer gewaltiger
wellen reitet das schiff
noch träge die see
bis die schotten
bersten und koffer
durchweichte unterwäsche
in die gänge spülen
bis der rumpf
bricht die [blue]plünnen[/blue] sich (Wiederholung der Wäsche?)

in das meer [blue]retten[/blue]
Was meint der Gedichtsvorstand dazu?
Grüßle,
der 8.
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Heidrun,

die letzten beiden Zeilen entfernen? Das widerstrebt mir, denn vieles vom Sinn der vorherigen Zeilen sehe ich damit verknüpft. Ich denke noch darüber nach, genauso, wie über die die beiden anderen Vorschläge. "Plünnen" will mir nicht so recht behagen, aber ich sehe den Punkt der Wiederholung.

Liebe Grüße

Herbert
 

Meral Vurgun

Mitglied
"in die freiheit
von den fischen
gefressen zu werden"

lieber HerbertH,

das schönste Bild im Gedicht.. finde ich..

ich wünsche dir eien schönen Abend..

LG
 

HerbertH

Mitglied
verlassen das schiff

in den wüsten des ozeans
in der flaute dümpelnd
in der bilge im höher
steigenden wasser unrat
und rattenkadaver in der ferne
türmen sich gewitterambosse
schon vor dem
aufkommen jeglicher brise
rollen immer gewaltiger
wellen reitet das schiff
noch träge die see
bis die schotten
bersten und koffer
durchweichte unterhosen
in die gänge spülen
bis der rumpf
bricht die wäsche sich
in das meer rettet
in die freiheit
von den fischen
gefressen zu werden
 

HerbertH

Mitglied
die doppelte wäsche ist verschwunden :)

die partizipialkonstruktion passt besser zum sprachduktus des anfangs

die letzten zeilen habe ich belassen

ebenso den titel, den man gut mit den ersten zeilen mitlesen kann, was bei "der törn" zumindest den sinn stark verändern würde.

vielen Dank für die Vorschläge und Kommentare

LG

herbert
 

Label

Mitglied
Lieber Herbert

die Ruhe vor dem Sturm
beschreibst du eindringlich, so dass es nahezu mit Händen zu greifen ist.
Mit "verlassen das Schiff" springt mich ungefragt die Assoziation Ratten an.

Aber die sind schon umgekommen und das Gedicht lässt sowohl die Lesart sie seien in der Bilge als auch nach verlassen des Schiffs "in der ferne" ertrunken.
Es kann sich also niemand retten, selbst die Wäsche erhält nur die Freiheit nach dem Verlassen des Schiffes von den Fischen gefressen zu werden.

M.E. ein besonders gelungenes Wortspiel das in jeder Deutungsebene eine weitere Aussichtslosigkeit bereithält.

Das Ganze ergibt für mich das Bild: noch herrscht Ruhe alle Anzeichen deuten auf Sturm den niemand überstehen wird.

so fühle ich mich auch manchmal ;)

mit herzlichem Gruß
Label
 

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