Verstrickungen

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HerbertH

Mitglied
Verstrickungen

Wie oft schon las ich Wörter, die verblichen,
Beerdigt wurden im Vergessensgrab.
Gebrochen wurde über sie der Stab -
Die Laute sind der Stille längst gewichen.

Schon lange bin ich drum herum geschlichen,
Um diesen Text, der mir den Ansporn gab.
In seinen Klängen spür ich manches, was ich hab.
Und hoffe, wenig wird davon gestrichen.

Entdeckst Du sie, die tief in Hecken stecken,
Verborgen hinter Blättern vor den Blicken,
Gerüche zaubernd, für Dich nachzuschmecken?

Doch hüte Dich vor all zu schnellem Nicken,
Noch musst Du Dir die feuchten Lippen lecken:
Du kannst Dich in der Deutung tief verstricken.
 
F

Fettauge

Gast
Hallo Herbert H.,

ja, die alten Wörter. Siehst du richtig, wer schreibt, holt sie gern aus ihrem Vergessensgrab. Ich habe da so meine Erfahrungen, zum Beispiel die, dass Wörter, die noch gar nicht so sehr alt sind, von "gebildeten" Autoren als existent angezweifelt werden, einfach, weil in ihrer Klitsche soo nicht gesprochen wird! Aber es geht nicht um Wörter, es geht um Inhalte, da liegt die Crux. Es werden längst gestorbene, reaktionäre, vermooste Inhalte in "schöne Sprache" verpackt, sozusagen alter Wein in neue Schläuche gefüllt, und wenn dann noch eine gestorbene, vermooste Sprache dazukommt, dann hat man den Kanal voll. Dein Text wäre meiner Ansicht nach aussagekräftiger, hättest du dich etwas mehr auch auf Inhalte konzentriert. So aber kann man nur nicken: Jaja, so ist es. Was soll man sonst sagen?

Aber zu deinem Sonett: Rein handwerklich gefällt es mir ganz gut, obwohl du in den Terzetten nur zwei statt der drei Reime verwendest. Der Grund ist mir nicht ganz einsichtig. Aber die Terzette sind sowieso zum Plündern freigegeben, und zwar für jeden, der glaubt, das Sonett neu erfinden zu müssen. Und dabei handelt es sich in Wahrheit in erster Linie um gewisse Unzulänglichkeiten des Autors, der sich auf seine Eingebung beruft.

Aber insgesamt hast du dir viel Mühe gegeben, den Ton von Anno Dunnemals zu reaktivieren, und wer am Alten hängt, wird seine Freude an diesem Sonett haben.

Gruß, Fettauge
 

Walther

Mitglied
hallo Fettauge,

dieser absolute mumpitz
Aber zu deinem Sonett: Rein handwerklich gefällt es mir ganz gut, obwohl du in den Terzetten nur zwei statt der drei Reime verwendest. Der Grund ist mir nicht ganz einsichtig. Aber die Terzette sind sowieso zum Plündern freigegeben, und zwar für jeden, der glaubt, das Sonett neu erfinden zu müssen. Und dabei handelt es sich in Wahrheit in erster Linie um gewisse Unzulänglichkeiten des Autors, der sich auf seine Eingebung beruft.
wird nicht dadurch richtiger und besser, indem du ihn permanent wiederholst. das mag deine vorstellung des sog. "deutschen" sonett-typs sein, sie ist allemal weder mainstream noch modern.

die strenge von Platensche schematisierung der endreime ist seit dem 19. jahrhundert passé. der grund dafür ist übrigens an deinen sonettversuchen ebenso wie an denen von Platens ablesbar: form erschlägt inhalt bis zum erbrechen. am ende kann man diese hohlheiten einfach nicht mehr ertragen.

ich darf an dieser stelle an den disput Heines mit von Platen erinnern, der leider wohl teilursächlich für von Platens selbstmord war, weil er allmählich ins persönliche abglitt und des gegners homosexualität aufgespießt wurde, der sich genau darum drehte, nämlich daß bei der künstlichkeit der dichtung eindeutig der spaß beim leser litt. auch unser lieber Heine ist also nicht ohne schatten auf der weißen weste. und auch damals gab es schon shitstorms und mobbing, wie man nachlesen kann.

auch hier
ja, die alten Wörter. Siehst du richtig, wer schreibt, holt sie gern aus ihrem Vergessensgrab. Ich habe da so meine Erfahrungen, zum Beispiel die, dass Wörter, die noch gar nicht so sehr alt sind, von "gebildeten" Autoren als existent angezweifelt werden, einfach, weil in ihrer Klitsche soo nicht gesprochen wird! Aber es geht nicht um Wörter, es geht um Inhalte, da liegt die Crux. Es werden längst gestorbene, reaktionäre, vermooste Inhalte in "schöne Sprache" verpackt, sozusagen alter Wein in neue Schläuche gefüllt, und wenn dann noch eine gestorbene, vermooste Sprache dazukommt, dann hat man den Kanal voll. Dein Text wäre meiner Ansicht nach aussagekräftiger, hättest du dich etwas mehr auch auf Inhalte konzentriert. So aber kann man nur nicken: Jaja, so ist es. Was soll man sonst sagen?
kann ich nur festhalten, daß man das an dieser stelle wenigstens sagen kann. ein solches erlebnis schaffen deine texte zumeist nicht, da deine ewig gestrige weltsicht mit dem holzhammer transportiert wird und/oder in den formalien stranguliert wird. den leser zu indoktinieren ist mit exquisiter dichtkunst i.d.r. nicht vereinbar. politisch lied ist meist aus zwei gründen garstig lied: des inhalts und der umsetzung wegen.

manchmal ist weniger mehr. aber das ist wieder eine ganz andere sache. jedenfalls ist dieser text inhaltlich und formal ansprechend umgesetzt. und das ist mehr, als viele texte dieses forums von sich behaupten können.

lg w.
 

Herr H.

Mitglied
Hallo Herbert,
sehr gelungenes Sonett zu einem wichtigen Thema. Nur in der 3.Zeile des zweiten Vierzeilers stehen wohl zwei Silben zuviel.

LG von
Herrn H.
 

HerbertH

Mitglied
Verstrickungen

Wie oft schon las ich Wörter, die verblichen,
Beerdigt wurden im Vergessensgrab.
Gebrochen wurde über sie der Stab -
Die Laute sind der Stille längst gewichen.

Schon lange bin ich drum herum geschlichen,
Um diesen Text, der mir den Ansporn gab.
In seinen Klängen spür ich, was ich hab.
Und hoffe, wenig wird davon gestrichen.

Entdeckst Du sie, die tief in Hecken stecken,
Verborgen hinter Blättern vor den Blicken,
Gerüche zaubernd, für Dich nachzuschmecken?

Doch hüte Dich vor all zu schnellem Nicken,
Noch musst Du Dir die feuchten Lippen lecken:
Du kannst Dich in der Deutung tief verstricken.
 

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