versuch über das hören

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sufnus

Mitglied
Hey Fee!
Im für mich zentralen Teil höre ich "stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin" heraus. Während beim optimistischen Originalzitat die "Massen" sich einem unmenschlichen Diktat widersetzen, ist es hier andersherum: Jemand (der "nichts zu sagen hat" im Sinne von: Über keine Macht verfügt) hat etwas mitzuteilen und keinen interessiert es.
Man kann an Kassandra denken, zumal die beschriebene Person weiblich ist. Und auf die (Nicht-)Zuhörer gemünzt fällt mir das etwas mehrdeutige Motto des alten Philosophen Bias von Priene ein: "Die meisten sind schlecht."
LG!
S.
 

petrasmiles

Mitglied
Und mir fiel sofort dieses Zitat ein, das Charlotte unter einen ihrer Texte angebracht hatte, dieses - Poetik sei empfindsames Hören - oder so ähnlich.
Es hat ja jemand hingehört - nämlich Du!

Liebe Grüße
Petra
 

fee_reloaded

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Oh, so viel schönes und spannendes Echo zu meinen aus der Versenkung gehobenen Zeilen! Das freut mich, ihr Lieben, Charlotte, Petra und suf!

das Charlotte unter einen ihrer Texte angebracht hatte, dieses - Poetik sei empfindsames Hören - oder so ähnlich.
Das war's auch, was mich an diesen Text erinnert hat. Dass ich ihn noch gefunden habe, grenzt an ein Wunder (wenn's um die Verwaltung von Ordnern auf meinem PC geht, bin ich eine Chaotin der Sonderklasse). Umso mehr freu ich mich, dass er noch ein zweites Mal ein bisschen glänzen darf und euch gefällt! Danke auch für die Sternchen!!!

Bias von Priene war aber streng mit seinen Zuhörern. Aber man weiß (leider), was er meint. ;)

Habt einen angenehmen Abend!
fee
 

revilo

Mitglied
da hat eine
nichts zu sagen
die gedanken hinter
den worten verloren oder
so frei nach stell dir vor
eine sagt was und keiner
hört hin oder aber keiner
hört sie (weil zu leise)
kann auch sein es ist
zu laut oder ganz schlicht
einfach so es will keiner
hören was eine sagt und
auch keine und jeder
hört ohnehin nur
was er kann





.nov_2019

liest sich, als sei dies in einer lebenskrise geschrieben worden...........LG
 

fee_reloaded

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liest sich, als sei dies in einer lebenskrise geschrieben worden
Danke, lieber Oliver,

fürs Reinlesen und Nachspüren!

Nicht in der "akuten" Situation geschrieben, aber etwas verarbeitend, das ein paar Jahre zuvor Thema war und mich lange beschäftigt hat.
Da ging es um partriarchale Strukturen am Arbeitsplatz und das, was diese Strukturen mit den weiblichen KollegInnen (die zu dem Zeitpunkt ca. 75% des Kollegiums stellten) "machten". Das war eine neue Schule im Aufbau (natürlich unter männlicher Leitung, weil in erster Linie zu der Zeit ein Politikum) und es fiel auf, dass in den ersten vier Jahren, wo ich dort gearbeitet habe, auffallend viele Kolleginnen nach einem Jahr schon wieder weiter"zogen".
Im vierten Jahr hab ich dann am eigenen Leib herausgefunden, warum. Das war dann auch mein letztes dort und ich bin froh, den Schlussstrich gezogen zu haben. Man wurde entweder offen agressiv mundtot gemacht oder über die Supplierungseinteilung bestraft, wenn man den Mund aufmachte und dem Administrator widersprach oder ihn kritisierte.
Spannend war für mich zu der Zeit zu beobachten, dass auch die Kolleginnen es nicht geschafft haben, offen und gemeinsam den Schulterschluss hinzubekommen, obwohl so gut wie alle wussten, was Sache war. Ich habe erst mit ein paar Jahren Abstand erkennen und anerkennen können, dass ich - und viele andere dort - Mobbingopfer geworden war.

Das waren lauter "gestandene" Frauen, die in diesem Umfeld nicht bestehen oder dem etwas entgegenhalten konnten. Das ist etwas, das mich auch heute noch beschäftigt.
Das Gedicht ist auch generell nach wie vor aktuell. Leider.
 

revilo

Mitglied
So etwas ähnliches habe ich mir fast schon gedacht … Ich dachte eigentlich, dass diese toxisch-männlichen Strukturen schon ausgerottet seien … Wenn aber viele Kolleginnen gehen, müsste den Herren ein Licht aufgegangen sein … Versteh mich bitte nicht falsch, ich bin kein männlicher Feminist (vor diesen Typen graut es mir), aber eine gleichberechtigte Stellung sollte doch mittlerweile selbstverständlich sein, wobei ich natürlich nicht verkenne, dass einer oder eine den Hut aufhaben muss …
 



 
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